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Eignerwechsel beim Warenhauskonzern : Endlich eine Chance für Karstadt?

Das Experiment Berggruen bei Karstadt ist endgültig beendet Bild: Wonge Bergmann

Das Experiment Berggruen ist bei Karstadt endgültig beendet. An den neuen Besitzer richten sich hohe Erwartungen: Die Gewerkschaft Verdi fordert eine „wirkliche Chance“ für die Beschäftigten. Der neue Investor will vor allem eines: dass Ruhe einkehrt.

          Für den bisherigen Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hagelt es bittere Vorwürfe von den Beschäftigten, an den neuen Besitzer René Benko der angeschlagenen Warenhauskette richten sich große Erwartungen: Der österreichische Immobilienentwickler müsse zeigen, dass er ein tragfähiges Zukunftskonzept für Karstadt besitze und gewillt sei, umgehend und ausreichend zu investieren, fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Benko müsse den rund 17.000 Beschäftigten eine „wirkliche Chance“ geben, verlangt Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Bundesvorstand.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Mit seiner Signa-Holding übernimmt Benko, dem bisher neben 20 Karstadt-Immobilien schon die Mehrheit am operativen Geschäft der Karstadt-Sporthäuser und der drei Premiumhäuser gehört, das Warenhausunternehmen zum symbolischen Preis von 1 Euro komplett. Schon Anfang kommender Woche soll die Signa-Holding die Kontrolle von der Berggruen Holdings übernehmen, wie Signa mitteilte.

          Einst zogen die Karstadt-Warenhäuser die Menschen in die Einkaufsstraßen - doch ihre Anziehungskraft lässt seit langem nach. FAZ.NET blickt zurück auf die Geschichte von Karstadt. Bilderstrecke

          „Das Hin und Her in den Managementkonzepten muss endlich ein Ende finden“, verlangt Nutzenberger. Seit Jahren erlebten die Beschäftigten eine Hängepartie, für eine Neuaufstellung sei wertvolle Zeit verspielt worden. An Berggruen, der Karstadt vor vier Jahren aus der Insolvenz heraus übernommen hatte, richtet sie schwere Vorwürfe: „Herr Berggruen und seine Beauftragten sind an einer Rettung von Karstadt in den letzten Jahren willentlich gescheitert.“ Statt zu investieren, habe Berggruen Kapital aus dem Unternehmen gezogen und 2000 Arbeitsplätze vernichtet. „Die Beschäftigten sind von diesem angeblich sozialen Investor Berggruen bitter getäuscht worden.“

          Dagegen hält sich Berggruen zugute, dass bis heute kein Standort geschlossen wurde. Viele – allen voran die Mitarbeiter – hätten ihr Möglichstes getan, um Karstadt wieder auf Erfolgskurs zu bringen, teilte der Investor mit. Trotz dieser Bemühungen erwirtschafte Karstadt keinen Gewinn. „Wir machen daher den Weg frei für einen Neuanfang mit einem neuen Eigentümer“, teilt Berggruen mit. Signa habe bisher 200 Millionen Euro in Karstadt investiert und damit ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Unternehmens abgelegt.

          „Wir sind bereits umfangreich bei Karstadt engagiert – somit war die komplette Übernahme der Karstadt Warenhaus AG angesichts der aktuellen Lage die logische Konsequenz“, sagt Wolfram Keil, Geschäftsführer der Signa Retail GmbH. Wichtigstes Ziel sei, dass Ruhe ins Unternehmen einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie beraten, verabschiedet und umgesetzt würden. Karstadt müsse raus aus den Medien und „der zermürbenden öffentlichen Diskussion“.

          Auf einen harten Sanierungskurs hat Aufsichtsratschef Stephan Fanderl die Belegschaft schon eingestimmt. Es gebe seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von 20 der 83 Filialen, hatte Fanderl schon Mitte Juli der F.A.Z. gesagt. Auch in der Hauptverwaltung in Essen sowie in der Logistik stehen demnach harte Einschnitte bevor.

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