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Karstadt und Kaufhof : Was bedeutet die Fusion für die Mitarbeiter?

Werden ein Handelsriese: Filialen von Kaufhof und Karstadt in Trier Bild: dpa

Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Die Konzerne wollen und müssen Geld sparen, um gegen die Online-Konkurrenz zu bestehen. Das werden wohl auch die Mitarbeiter zu spüren bekommen.

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          Die Fusion der beiden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof ist besiegelt: Der österreichische Karstadt-Eigner und Immobilien-Investor René Benko und der nordamerikanische Kaufhof-Eigner HBC haben sich darauf geeinigt, die Warenhauskonzerne mit ihren 32.000 Mitarbeitern zusammenzulegen. „Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit, großen betrieblichen Herausforderungen und fordernden Marktveränderungen geprägt ist“, kündigt Karstadt-Chef Stephan Fanderl an, der den fusionierten Konzern später leiten soll.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Die Fusion der Warenhäuser soll definitiv Geld sparen, denn die Konkurrenz durch Online-Händler, großen Einkaufszentren und spezialisierten Märkten macht sowohl Karstadt als auch Kaufhof zu schaffen. Details zu ihren Sparplänen haben bislang weder HBC noch Signa genannt, allerdings gibt es in jedem Fall Potential in der Logistik und beim Einkauf, denn die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht wird es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Zudem sind Filialschließungen wahrscheinlich, insbesondere dort, wo zwei Filialen der bislang getrennten Ketten dicht nebeneinander stehen.

          Fachleute halten es zudem für wahrscheinlich, dass sich bei den zwei Zentralen Geld sparen lässt, denn für ein Gemeinschaftsunternehmen brauche es nicht wie bisher einen Hauptsitz in Essen und einen in Köln. Zu der Frage des künftigen Konzernsitzes berichtete Karstadt-Vorstandsvorsitzender Fanderl am Dienstag auf einer Betriebsversammlung lediglich, derzeit werde eine wirtschaftliche Analyse der Standorte in Köln und Essen erstellt. Erst wenn diese abgeschlossen sei, werde es eine Entscheidung geben. Man sei mit beiden Städten in Verhandlungen.

          Bis zu 5000 Arbeitsplätze auf der Kippe?

          Wie hart die Fusion die Mitarbeiter außerhalb der Zentralen genau treffen wird, steht ebenfalls noch nicht genau fest. In jedem Fall aber herrscht in den Belegschaften schon jetzt große Unruhe. Für Verunsicherung sorgen insbesondere Spekulationen, bei Kaufhof stünden 5000 der 20.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Kenner des Unternehmens weisen solche Schätzungen zwar als „unseriös und völlig überzogen“ zurück. Am Dienstag gab es von den beiden Eigentümern jedoch keine anderen Angaben – weder zu einem möglichen Stellenabbau noch zu Filialschließungen.

          Dass es auf längere Sicht zu Einschnitten kommen wird, gilt unter Beobachtern in jedem Fall als sicher. Vor allem in der Verwaltung und der Logistik werden Stellen auf den Prüfstand kommen, denn insbesondere Kaufhof steht wirtschaftlich stark unter Druck. Das Traditionsunternehmen leidet seit geraumer Zeit unter Umsatzschwund und hohen Verlusten. Der Abbau von 400 der 1600 Stellen in der Kölner Hauptverwaltung ist bereits beschlossen. Die Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag liegen derzeit auf Eis, dürften aber so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. 

          Die Gewerkschaft Verdi hatte Signa und HBC aufgefordert, die Mitarbeiter in ihre Verhandlungen einzubinden. „Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Im Vordergrund stehen der Gewerkschaft zufolge die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung.

          Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Karstadt, Jürgen Ettl, forderte am Dienstag den Erhalt aller 32.000 Arbeitsplätze und Standorte. „Die Fusion darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen", verlangte der Arbeitnehmervertreter am Dienstag. Ziel müsse Wachstum statt Restrukturierung sein und Arbeitsplatzerhalt statt Arbeitsplatzvernichtung. Ettl verwies darauf, dass gerade die Beschäftigten von Karstadt Sicherheiten und eine positive Perspektive verdient hätten. Seit vielen Jahren verzichteten sie für den Erhalt von Karstadt auf Teile ihres Tarifgehalts.

          Am Ende könnte die Fusion zwar noch von den Wettbewerbsbehörden verboten werden. Allerdings werden sich Fragen nach Entlassungen oder Lohnsenkungen auch in dem Fall stellen, dass die Wettbewerbshüter den Zusammenschluss verbieten. Denn auch dann muss Kaufhof irgendwann und irgendwie wieder Gewinn erwirtschaften.

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