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Karstadt-Chef Jennings : „Wir werden für unsere Strategie genug Geld haben“

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Mit seinem „Konzept 2015” will Karstadt die Probleme anpacken Bild: dpa

Andrew Jennings wurde von Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen ausgewählt, die angeschlagene Warenhauskette nachhaltig zu sanieren. Das soll nicht nur ohne Filialschließungen funktionieren, sondern auch mit stärkeren Eigenmarken.

          Herr Jennings, Sie sind seit Anfang Januar der neue Chef von Karstadt. Sie haben also weit mehr als die berühmten hundert Tage Zeit gehabt, sich das Unternehmen genau anzusehen und eine Strategie zu entwickeln. Nun, wie wollen Sie Karstadt retten?

          Die Zeit ist unheimlich schnell vergangen. Als ich nach Deutschland kam und die erste Karstadt-Filiale gesehen habe, habe ich sofort gedacht „Wow, was für eine Möglichkeit“. Die ersten Monate standen dann für mich ganz unter dem Leitspruch „looking, learning, listening“, also beobachten, verstehen, zuhören. Ich war in den ersten sechs Monaten in über drei Viertel aller Filialen und bin weiterhin jede Woche mindestens einen Tag in einer Filiale. Es ging mir darum, den deutschen Markt, den deutschen Kunden und natürlich die Karstadt-Organisation zu verstehen. Darauf haben wir dann unsere Strategie aufgebaut: „Karstadt 2015“.

          Dazu wüssten wir gern mehr Details.

          Die Strategie baut auf vier Schlüsselkomponenten auf: Modernisierung, Differenzierung, Schärfung des Profils und Vereinfachung des Geschäftsmodells.

          Karstadt-Chef Andrew Jennings glaubt, dass er als Vollbluthändler das Ruder rumreißen kann

          Die alte Tante Karstadt soll also moderner werden?

          Karstadt hat eine Menge loyaler Stammkunden. Darauf sind wir sehr stolz. Nun gilt es aber, zusätzlich neue Kunden gewinnen. Das heißt, wir müssen Karstadt für den Kunden der Zukunft unverzichtbar machen. Deshalb werden wir in den nächsten drei Jahren rund 60 Filialen in unterschiedlichem Ausmaß aufwerten. Allein in diesem Jahr werden wir bis September 22 Filialen neu eröffnen. Das Stichwort Modernisierung gilt aber auch für die Sortimente, die wir mit neuen Marken aufwerten.

          Sie wollen also verstärkt jüngere Kunden ansprechen?

          Wir definieren Kunden nicht über ihr Alter, sondern über ihren Lebensstil und die Wünsche und Bedürfnisse, die sich daraus ergeben. Wir haben für Karstadt eine neue, maßgeschneiderte Kundensegmentierung erarbeitet, die es in ähnlicher Weise in Deutschland wohl nicht geben wird. Unser Fokus richtet sich auf Menschen mit einem jungen, einem modernen Lebensstil, unabhängig von ihrem Alter. „Karstadt - full of live“– also „Karstadt voller Leben“, das ist mein Ziel. Ein großes Warenhaus muss so sein wie ein fesselndes Hochglanzmagazin, in dem jede Seite mit Spannung umgeblättert wird, das Sie immer wieder überrascht und auf eine Entdeckungsreise mitnimmt. Wir sind mit „Karstadt 2015“ auf dem Weg von einem überholten Geschäftmodell zu einem kundenfokussierten Unternehmen. So etwas wie „Wunderwaffen“ gibt es im Einzelhandel nicht.

          Wohl wahr. Bleiben wir zuerst einmal bei den Marken. In dem ursprünglichen Konzept des heutigen Karstadt-Eigentümers Nicolas Berggruen gab es Pläne für eine enge Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Mode-Unternehmer Max Azria. Was ist daraus geworden, man hört nicht mehr viel?

          Wir haben von Max Azria zwei Marken: Manoukian für die Karstadt-Filialen und BCBG für die Premiumhäuser wie das Berliner KaDeWe. Wir werden unabhängig davon innerhalb der nächsten 18 Monate über 20 neue, spannende Marken exklusiv für Karstadt bekommen, die es bisher nicht im deutschen Einzelhandel gibt. Darüber hinaus werden wir einen Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung unsere Eigenmarken legen. Heute sind es Private Labels. Es werden wirkliche Marken werden.

          Mit dem Stichpunkt Differenzierung sprechen Sie die umstrittene Aufteilung von Karstadt in die drei Säulen Premiumhäuser, Karstadt Sport und die Warenhäuser an?

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