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Karriere einer Familie : Die Murdochs im Stresstest

James und Rupert Murdoch - das Ende einer Familienkarriere? Bild: dapd

Murdoch - das ist in der Medienbranche ein Name wie Donnerhall, in gutem wie in schlechtem Sinne. Für Vater Rupert könnte der Abhörskandal das Ende einer langen Karriere sein. Am meisten zu verlieren aber hat sein Sohn James.

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          Wie groß die Wut auf die kriminellen Machenschaften seiner Journalisten ist, das bekam Rupert Murdoch am Dienstag am eigenen Leib zu spüren. Mehr als eine Stunde lang hatte der 80 Jahre alte amerikanisch-australische Medienzar bereits die bohrenden Fragen eines Parlamentsausschusses in London zu dem Abhörskandal bei seinem inzwischen eingestellten britischen Boulevardblatt „News of the World“ mehr oder weniger erhellend beantwortet - da versuchte sich ein junger Mann aus dem Publikum auf ihn zu stürzen. Murdochs chinesische Ehefrau Wendi, die direkt hinter ihrem Mann saß, griff beherzt ein und schlug den Angreifer zurück. Die Sitzung wurde daraufhin unterbrochen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es war ein verunsicherter alter Mann, der da stockend und zögerlich in das vor ihm stehende Mikrofon sprach. Murdoch ist Vorstandschef des amerikanischen Konzerns News Corp und damit einer der mächtigsten Medienherrscher der Welt. Aber vor allem zu Beginn des Verhörs schien alle Souveränität wie weggewischt. Eine Reihe von Detailfragen konnte er nicht beantworten und Äußerungen, die er noch vor wenigen Tagen in Interviews gemacht hatte, auf Nachfrage nicht erläutern. „Das ist für mich ein Tag größter Demut“, murmelte Murdoch mit Grabesstimme und versteinerter Miene gleich zu Beginn der Anhörung.

          „Schockiert und angewidert“

          „Wir haben das Vertrauen unserer Leser gebrochen“, sagte er. „Schockiert und angewidert“ sei er gewesen, als er vor kurzem erfahren habe, dass seine Reporter sogar die Handy-Mailbox eines ermordeten Schulmädchens abgehört und manipuliert haben. Doch der Patriarch war von seinen Anwälten präpariert worden: Trägt Murdoch selbst Verantwortung für die kriminellen Machenschaften? Er sei getäuscht worden, antwortete er, dieses Mal ohne zu zögern. Verantwortlich seien Mitarbeiter vor Ort, denen er vertraut habe. Neben dem Vater musste auch sein Sohn James, der das Europageschäft der News Corp führt, Rede und Antwort stehen. Der Sohn wirkte dabei weitaus sicherer.

          Rupert Murdoch - das ist in der Medienbranche ein Name wie Donnerhall, in gutem wie in schlechtem Sinne. Murdoch ist der geniale Unternehmer, der aus kleinen Anfängen einer australischen Lokalzeitung heraus ein globales Imperium geschmiedet hat. Aber er gilt auch als der finstere Medienbaron, der die Zeitungen und Fernsehsender seiner News Corp ohne Rücksicht auf Verluste für seine persönlichen und geschäftlichen Interessen einsetzt. Bei vielen Beobachtern hält sich daher die Überraschung in Grenzen, dass es Murdoch ist, der jetzt in einen spektakulären Skandal um skrupellose Methoden verwickelt ist.

          Nicht immer ein glückliches Händchen

          Ist die Abhöraffäre nun das letzte große Gefecht des 80 Jahre alten Unternehmers und womöglich sogar das Ende der Murdoch-Dynastie? Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass News Corp erwägt, Murdoch als Vorstandsvorsitzenden abzulösen und mit dem familienfremden Chase Carey zu ersetzen, der bislang als Chief Operating Officer das Tagesgeschäft führt. Der Verwaltungsrat sah sich genötigt, Murdoch demonstrativ seine Unterstützung auszusprechen.

          Die Affäre ist ein Tiefpunkt in der langen Karriere von Murdoch, die 1952 begann, als er die Zeitung „Adelaide News“ übernahm. Diese Lokalzeitung war Ausgangspunkt für eine rasante Expansion, erst innerhalb Australiens, später in Großbritannien, Asien und den Vereinigten Staaten. Heute gehören zum Imperium der News Corp mehr als 170 Zeitungen, außerdem etliche Fernsehkanäle, ein Filmstudio und ein Buchverlag. Er hatte bei seiner Expansion aber nicht immer ein glückliches Händchen, vor allem in den vergangenen Jahren: So hat News Corp gerade das soziale Netzwerk Myspace für einen Bruchteil seines Kaufpreises wieder abgestoßen. Auf den 2007 teuer gekauften Verlag Dow Jones, zu dem das „Wall Street Journal“ gehört, musste der Konzern hohe Abschreibungen vornehmen.

          Dem Hoffnungsträger der Familie droht die Demontage

          James Murdoch hat in dem Abhörskandal am meisten zu verlieren. Noch vor weniger als drei Wochen war der 38 Jahre Patriarchen-Sohn der Kronprinz im Medienreich. Zielstrebig hat ihn Rupert Murdoch zum künftigen Vorstandschef der News Corp aufgebaut. Erst im März war er zur Nummer drei in dem Konzern befördert worden, bei dem die Murdochs mit einem Stimmrechtsanteil von rund 40 Prozent noch immer das letzte Wort haben.

          Jetzt ist alles anders. Der Junior, selbst Vater von zwei kleinen Kindern, steht im Zentrum des Orkans: Seit 2007 ist James von London aus für das Europa- und Asiengeschäft der News Corp verantwortlich. In dieser Zeit wurde die Bespitzelungsaffäre direkt vor seinen Augen größer und größer. Warum hat es James Murdoch so lange versäumt, aufzuräumen und warum segnete er Schweigegeldzahlungen an Abhöropfer in Millionenhöhe ab? Ihm sei das wahre Ausmaß der kriminellen Abhöraktionen noch bis vor kurzem nicht bewusst gewesen, verteidigte sich James am Dienstag abermals. Inzwischen hat er die Notbremse gezogen. Die überraschende Einstellung der „News of the World“, die Hunderte von Mitarbeitern den Job kostet, soll vor allem seine Entscheidung gewesen sein. Dass James nach diesem Desaster einmal Chef des Medienkonzerns werden kann, wird immer unwahrscheinlicher. Dem Hoffnungsträger der Familie droht die Demontage.

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