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Kampf ums Zeitschriftenregal : Bauer attackiert, Springer steht zum Presse-Grosso

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Zuletzt hat der Bundesverband Presse-Grosso mit dem Bauer-Verlag am 29. November verhandelt, mit der Neu-Verlegerin Yvonne Bauer, Geschäftsführer Andreas Schoo und Heribert Bertram, dem Geschäftsführer der Vertriebstochtergesellschaft. Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, bringt das Wort „verhandelt“ das Treffen in Hamburg nicht auf den Punkt. Vielmehr habe Bauer versucht, seine Vorstellungen zu diktieren: Die fast 58 Millionen Euro im Jahr, die die Presse-Grossisten in Deutschland vom Verlag für ihre Dienste erhalten, will das Hamburger Unternehmen demnach um 16 Millionen Euro reduzieren. Die Handelsspanne der Grossisten, die sie für jede verkaufte Zeitschrift erhalten, soll dafür um etwa 3 Prozent sinken. Bauer setzte dem Verband ein Ultimatum von drei Wochen, seine Bedingungen anzunehmen. Schon bei diesem Treffen habe Bauer mit der Kartellklage gedroht, die Anfang Februar eingereicht wurde.

Wenige Tage vor Ende der Bauer-Frist gaben Springer und der Grosso-Verband im Dezember die neue Bonusvereinbarung bekannt, die von 2012 bis 2017 gilt. Diese lehnt Bauer als „langfristig existenzgefährdend“ ab. Erforderlich sei eine spürbare Absenkung der Spannen für alle Zeitschriften und eine Überarbeitung der Spannensystematik hin zu einem zeitgemäßen Abrechnungssystem, teilt der Verlag mit. „Wir warten ab, was mit der Klage passiert“, sagt ein Sprecher.

„Der Bauer-Verlag wird sich am Ende keinen Gefallen tun“

Bisher hat ein weiteres Unternehmen das Abkommen unterschrieben: der IPS Pressevertrieb. Das bestätigte Gesellschafter Hans-Georg Füllenbach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir halten die Vereinbarung für gerecht“, sagt er. „Für uns steht an erster Stelle, dass das Grosso-System erhalten bleibt.“ Das Unternehmen gehört dem Arbeitskreis Mittelständischer Verlage an und kommt mit vielen Fachmagazinen sowie „taz“, „Neue Zürcher Zeitung“ und „The Economist“ auf einen Marktanteil von 3 Prozent. Sie sind vom Vertriebssystem überzeugt und wollen, dass die Gleichberechtigung gesichert ist.

Die Entwicklung sieht Füllenbach jedoch mit Sorge: „Es eskaliert weiter, es kommt keine Ruhe hinein. Das ist schlecht für das Gesamtsystem.“ Ein Mediator wäre eine gute Idee. Aber es sei schwer möglich, alle Verlage mit einem Grosso-Vertrag zufriedenzustellen. „Es gibt immer Grenzzonen, in denen einer übervorteilt wird und ein anderer Nachteile hat“, sagt Füllenbach. Das Verhalten Bauers kann er nicht nachvollziehen. „Wenn ein Verlag es darauf anlegt, ein eigenes System aufzubauen, hat Bauer die besten Chancen das zu tun, aber nur zu höheren Kosten“, sagt Füllenbach. „Der Bauer-Verlag wird sich am Ende keinen Gefallen tun.“

Andere Verlage wollen das Grosso-System erhalten – und andere Konditionen. Darüber verhandeln die Grossisten mit der Vertriebsgesellschaft von Gruner+Jahr, DPV, und dem Modernen Zeitschriften Vertrieb MZV, zu dessen Gesellschaftern der Burda-Verlag und die WAZ-Gruppe gehören. Zum Stand der Gespräche wollen sich beide nicht äußern, die mit Springer und Bauer zu den vier wichtigen Spielern auf Verlagsseite gehören. Diese Woche sollen die parallelen Verhandlungen weiterlaufen. Ein Ergebnis stände unter dem Vorbehalt der Hauptversammlung der Grossisten, die sich Mitte April in Köln treffen. Käme es zur Einigung, wäre Bauer in der Branche isoliert.

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