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Kampf um Kaffeekapseln : Nespresso wird auch in der Schweiz attackiert

Auf dem Gebiet der Kaffeekapseln ist die global tätige Marke Nespresso ein Riese Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Begehrliche Konkurrenz, knifflige Gerichtsverfahren, steigende Kaffeepreise: Nach Frankreich wird die Erfolgsmarke Nespresso auch in der Schweiz attackiert. Die Expansion der Nestlé-Tochtergesellschaft soll dennoch weitergehen.

          Auf dem kleinen Schild vor der Kaffeemischung steht N.M.P. Das mag die Testerin im Nespresso-Werk Avenches nicht. N.M.P. bedeutet „Not much Profile“ und steht für fehlerhafte Bohnen, Mängel nach dem Rösten und schlechten Geschmack. Edel sei der Kaffee, bekömmlich und gut: Diesen Anspruch erhebt die Tochtergesellschaft des Lebensmittelriesen Nestlé. Auf dem Gebiet der Kaffeekapseln, die hier in der Schweizer Provinz hergestellt werden, ist die global tätige Marke Nespresso ein Riese. Nach zähem Beginn in den neunziger Jahren ging nach der Jahrtausendwende die Post ab. Jedes Jahr verzeichnete der Anbieter einen kräftigen Umsatzzuwachs. Das war auch 2010 so. Die für jenes Jahr verbuchten 3,2 Milliarden Franken (2,5 Milliarden Euro) bedeuten eine Steigerung von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verbunden mit der am schnellsten wachsenden Einheit von Nestlé ist eine Gewinnspanne, aus der die Nestlé-Konzernzentrale in Vevey bis heute ein Geheimnis macht und die daher umso erklecklicher sein dürfte.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Doch die Konkurrenz macht mobil. Sie wirft Kaffeekapseln auf den Markt, die ebenfalls in die Nespresso-Maschinen passen, aber deutlich billiger sind. Dies geschieht vor allem auf Nespressos Hauptmarkt Frankreich, wo sich der amerikanische Konzern Sara Lee und die Ethical Coffee Company des früheren Nespresso-Chefs Jean-Paul Gaillard tummeln. Man belagert sich gegenseitig mit Rechtsanwälten und Gerichtsklagen. In der Schweiz, vor Deutschland der zweitgrößte Nespresso-Markt und zu rund 65 Prozent von dieser Marke dominiert, herrscht nunmehr ebenfalls dicke Luft. Dort hat Denner, der Discount-Zweig der dominierenden Handelsgruppe Migros, ein Verkaufsverbot für seine Nespresso-Klone vorläufig aushebeln können. Ende des Monats sollen sie in den Geschäften wieder erhältlich sein. „Jetzt arbeiten wir in drei Schichten rund um die Uhr“, jubelt Giovanni Alberti, Mitinhaber des Start-ups, das Denner beliefert.

          In der vor neun Monaten eröffneten Nespresso-Zentrale in Lausanne wischt Vorstandsvorsitzender Richard Girardot die Fragen nach der erstarkenden Konkurrenz zur Seite. Man habe 31 Konkurrenten im Markt des portionierten Kaffees mit Kapseln und Kissen (Pads). „Mit Konkurrenz leben wir schon lange“, sagt er. Dennoch wachse Nespresso auch im 25. Jahr des Bestehens in einem insgesamt stagnierenden Weltkaffeemarkt. Girardot will die rund 1700 Patente verteidigen, die sein Unternehmen im Lauf der Jahre für die Kapseln, die zahlreichen Maschinen und die Brühtechnik angehäuft hat und von denen einige im kommenden Jahr ablaufen. Sie seien schließlich das Eigentum des Unternehmens. Aber, so fügt der Manager im gleichen Atemzug an: „Wir wollen stets die Richter und die Verbraucher überzeugen.“

          Nespresso habe 31 Konkurrenten im Markt des portionierten Kaffees mit Kapseln und Kissen

          „Wir wollen die enge Kommunikation mit den Verbrauchern“

          In der Regel sind Unternehmen gut beraten, wenn sie gegen Wettbewerber nicht vor Gericht ziehen, sondern auf Preisermäßigungen, Ausweitung der Produktpalette, Innovationen und neue Märkte setzen. Den Gedanken an Preisnachlässe wischt Girardot brüsk zur Seite. Allein der enorme Anstieg der Kaffeepreise in der jüngeren Vergangenheit spreche dagegen, sagt der Mann, dessen Marke der Filmstar George Clooney unter die Leute bringt.

          Neue Vertriebsstränge neben den etablierten Wegen - gut 50 Prozent der Bestellungen kommen über das Internet, 35 Prozent über die 215 eigenen Boutiquen, der Rest über Callcenter - sind ebenfalls kein Thema. „Wir wollen die enge Kommunikation mit den Verbrauchern“, formuliert Girardot zur Begründung. Nespresso bindet die Abnehmer nicht zuletzt durch einen eigenen Club an sich, der inzwischen gut zehn Millionen Mitglieder zählt. Auch hier verzeichnet die Kapsel-Marke ein rasantes Wachstum: Zur Jahrtausendwende waren es noch 600 000 gewesen.

          Die gut 5500 Mitarbeiter von Nespresso verarbeiteten Kaffee der Spitzenklasse, wie Girardot beteuert. Hauptlieferländer sind Kolumbien, Costa Rica und Nicaragua. Auch Indien liefere hervorragende Qualitäten. Knapp 90 Prozent der Produktion gehen direkt an die Kaffeetrinker, gut zehn Prozent an Hotels, Restaurants und Büros. Sie erhalten andere Kapseln als die Endverbraucher. „Das reduziert unter anderem Diebstähle“, sagt ein Manager in Avenches schmunzelnd.

          80 Prozent der Kaffee-Lieferungen aus kontrolliertem Anbau

          Beim Thema Innovationen verweist Girardot auf saisonale Produkte, auf „limited editions“ für begrenzte Zeit und neue Kaffeemaschinen. In Paris hat Nespresso darüber hinaus vor gut einem Jahr eine direkte Hauszustellung an sieben Tagen die Woche aufgezogen. Inzwischen gehört in Deutschland der Raum Köln/Düsseldorf zu den Testgebieten. „Das stellt große Anforderungen“, sagt der Chef und sieht darin einen weiteren Beleg für das hohe Niveau, auf dem sein Unternehmen arbeitet. Regional wird Neuseeland dieses Jahr zum 42. Nespresso-Land. In anderen Ländern weite man das Angebot von den gewerblichen zu den privaten Kunden aus, ergänzt Girardot.

          Begehrliche Konkurrenz, knifflige Gerichtsverfahren, steigende Kaffeepreise: Nespresso lässt sich davon nur begrenzt beeindrucken. Die erst 2009 eröffnete Fabrik in Avenches wird bereits erweitert. Am Ende der Ausbauphase 2012 sollen jährlich 8,8 Milliarden Kapseln statt der gegenwärtig 4,8 Milliarden in alle Welt gehen. Ein Jahr später will Nespresso dann endlich auch seine Nachhaltigkeitsziele erfüllt haben: 80 Prozent der Kaffee-Lieferungen aus kontrolliertem Anbau, Recyclingeinrichtungen für 75 Prozent der Kapseln und eine Kohlendioxidverminderung in der Produktion von 20 Prozent.

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