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Kampf um Hochtief : Gabriel will Übernahmerecht ändern

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Hilfe aus der Politik: Hochtief-Vorstand Lohr (l.) hört Sigmar Gabriel zu Bild: dpa

Die SPD will das deutsche Recht kurzfristig ändern, um eine Übernahme des deutschen Bauriesen Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS verhindern zu können. CDU-Wirtschaftsrat Lauk zeigt sich aufgeschlossen, will aber keine „Lex Hochtief“.

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          Die SPD will mit einer Gesetzesänderung die Übernahme des größten deutschen Baukonzerns Hochtief durch den spanischen Konkurrenten ACS verhindern. Derweil geht der Übernahmekampf in die zweite Runde: Die australische Hochtief-Tochter Leighton will die nationale Kontrollbehörde anrufen. Die im MDAX notierte Hochtief-Aktie legte am Montag deutlich zu.

          Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel sagte nach einer SPD-Präsidiumssitzung in Berlin, es gebe in Deutschland eine Lücke im Übernahmerecht, die geschlossen werden müsse. Die SPD wolle „keine Lex Hochtief“, stellte Gabriel klar. Es gehe vielmehr darum, grundsätzlich das „leise Anschleichen“ von „Hedgefonds“ und „Heuschrecken“ bei Firmenübernahmen zu erschweren. Die SPD habe ihre Vorschläge bereits den anderen Bundestagsfraktionen übermittelt. Wenn das Parlament die Gesetzesänderungen „in den nächsten Wochen mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschließen“ sollte, könnten die neuen Regelungen auch noch Hochtief zugutekommen.

          Die SPD wolle aus der Angleichung des deutschen Übernahmerechts an EU-Standards kein innenpolitisches „Konfliktthema machen“, sondern lediglich „für Fairness sorgen“. An der Präsidiumssitzung nahmen auch Hochtief-Vorstand Burkhard Lohr, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Siegfried Müller sowie der Vorsitzende der Baugewerkschaft IG Bau, Klaus Wiesehügel, teil. In einer anschließend veröffentlichten Erklärung warnen sie gemeinsam mit Gabriel davor, dass feindliche Übernahmen mit dem Ziel der Zerschlagung gesunde Unternehmen in ihrem Bestand gefährden können.

          Über der Schwelle zur 30-Prozent-Beteiligung müsse ein weiteres Übernahmeangebot an alle Anteilseigner vorgeschrieben sein, erläuterte Gabriel die Vorschläge der Sozialdemokraten. Es gelte damit sicherzustellen, dass der Angreifer tatsächlich 100 Prozent der Firma übernehmen und diese nicht lediglich zerschlagen will. Auch dürfe sich der Preis nicht nur am durchschnittlichen Kurs der vergangenen drei Monate, sondern am jeweils aktuellen Kurs orientieren. Für deutsche Unternehmen müssten damit die gleichen Spielregeln gelten wie für Firmen in anderen europäischen Ländern.

          Kraft kündigt Bundesratsinitiative an

          Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kündigte dazu auch eine Initiative im Bundesrat an. Die CDU zeigte sich prinzipiell aufgeschlossen. „Wenn man grundsätzlich die Frage stellt, ob unser Übernahmekodex perfekt ist oder ob er verbessert werden kann, dann ist das mit Sicherheit eine mögliche Diskussion“, sagte der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk. „Aber sie sollte jetzt nicht aktuell zum Schutze von Hochtief, sondern sie sollte dann generell geführt werden.“

          Die Hochtief-Tochter Leighton kündigte unterdessen in Melbourne an, das Unternehmen werde das australische Takeovers Panel anrufen, um die Rechte seiner Minderheitsaktionäre zu schützen. Das ACS-Gebot für Hochtief sei inakzeptabel. Sollte ACS eine Offerte für den Minderheitsanteil vorlegen, solle es sich um ein voll finanziertes Barangebot inklusive Aufschlag handeln müssen, hatte Leighton vergangene Woche gefordert. Wenn Leighton mit dem Ansinnen erfolgreich ist, würde die Übernahme für ACS deutlich teurer: Während die Marktkapitalisierung von Hochtief bei 4,4 Milliarden Euro liegt, beträgt die von Leighton rund 7,9 Milliarden Euro.

          Leighton will australische Übernahmekommission anrufen

          Hochtief ist mit rund 55 Prozent an Leighton beteiligt. ACS will Hochtief mittels Aktientausch übernehmen. So sollen Hochtief-Aktionäre für je fünf Aktien acht ACS-Papiere bekommen. Die Essener wollen ACS die Transaktion erschweren, indem sie die spanische Baufirma im Erfolgsfall zu einer Offerte auch für die ausstehenden Anteilseigner der Australien-Tochter zwingen wollen. Um eine entsprechende Entscheidung herbeizuführen, hatten Hochtief und Leighton die australische Wertpapieraufsicht (ASIC) angerufen, in der Hoffnung, diese werde ACS verpflichten, auch ein Übernahmegebot für Leighton vorzulegen.

          ASIC hatte jedoch vergangene Woche entschieden, dass hierüber das Takeovers Panel zu befinden habe. Hochtief hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dieses Gremium anzurufen. Das Takeovers Panel setzt sich aus insgesamt 54 Mitgliedern - aus Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Banken und Unternehmen - zusammen. Von diesen werden drei Personen ausgewählt, um über den Antrag von Hochtief zu entscheiden. Die Hochtief-Aktie stieg bis zum frühen Nachmittag um 2,7 Prozent auf 65,14 Euro.

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