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Streit um Kaiser’s Tengelmann : Rewe-Chef Caparros: „Was da abläuft, ist eine Schweinerei“

Spricht vom „Testosteronkrieg der Häuptlinge“: Rewe-Chef Caparros. Bild: dapd

Dieser Mann ist richtig wütend: Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung weist Rewe-Chef Caparros die Schuld für das drohende Ende der Tengelmann-Supermärkte von sich. Verantwortlich sei der „Sonnenkönig“.

          Herr Caparros, sind Sie schuld, wenn jetzt Tausende von Tengelmann-Mitarbeitern ihren Job verlieren?

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich bin für die Mitarbeiter bei Rewe verantwortlich. Mir kann man es nicht anlasten, was die Konkurrenz verbockt. Das Drama um Tengelmann und Kaisers‘ dauert ja schon 15 Jahre, weil nicht mehr in die Geschäfte investiert wurde, man keine Strategie gefunden hat.

          Deshalb möchte Herr Haub die 405 Geschäfte ja auch an Edeka verkaufen. Alles war unter Dach und Fach, nur Sie torpedieren die Pläne, weil Sie eine Beschwerde gegen die Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel eingereicht haben.

          Nichts war unter Dach und Fach. Tengelmann und Edeka haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Jetzt werde ich in die Ecke gedrängt.

          Es heißt, Sie ließen Herrn Haub keine Wahl: Deshalb muss er die Supermarkt-Kette jetzt zerschlagen. 

          Ich soll jetzt als Buhmann herhalten. Was da abläuft, ist eine Schweinerei.

          Was werfen Sie Ihren Kontrahenten vor?

          Sie haben alle Institutionen missachtet, die es in unserem Rechtstaat hier gibt: das Bundeskartellamt hat den Deal abgelehnt, weil die Edeka dadurch zu mächtig wird, die Monopolkommission hat die Entscheidung bestätigt. Das war den Herren aber gerade egal. Sie haben Herrn Gabriel in Geiselhaft genommen und zu einer Ministererlaubnis gedrängt, die fehlerhaft war. Und das ist nicht meine Sichtweise, das haben die Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf so festgestellt.

          Die sind aber erst auf ihre Beschwerde hin aktiv geworden.

          Ich habe von Anfang an klargemacht, dass ich alles rechtlich Mögliche unternehmen werde, um die Edeka daran zu hindern, noch größer zu werden. Ich kämpfe nicht gegen Edeka oder gegen Herrn Haub, ich kämpfe nur für die Rewe, die eine kritische Größe behalten muss. Ganz wichtig dabei ist, dass der Abstand zwischen Rewe und Edeka nicht noch größer wird als er jetzt schon ist. Sonst hat die Edeka ein Monopol. Nehmen wir Berlin: Wenn wir in Berlin keinen Zuschlag erhalten, ist dort jeder zweiter Markt demnächst ein Edeka. Das ist nicht im Interesse der Kunden.

          Man hat Ihnen einen dreistelligen Millionenbetrag als Entschädigung angeboten. Warum nehmen Sie nicht einfach das Geld und geben Ruhe?

          Die denken, mit Geld geht alles. Das ist aber keine Sache, die mit Geld zu lösen ist. Ich lasse mir doch keinen Maulkorb verpassen und verkaufe die Interessen der REWE wie auf dem Basar!

          Sie möchten die Supermärkte sich selbst einverleiben.

          Daraus haben wir nie einen Hehl gemacht. Wir waren die ersten, die ein Angebot auf den Tisch gelegt haben, das eine Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter vorsieht. Im Angebot von Edeka war davon keine Rede. Das hat Gabriel erst wegen unseres Angebots zur Voraussetzung für seine Ministererlaubnis gemacht.

          Sie haben Ihr Angebot, wie Sie es nennen, im letzten Sommer als Anzeige in Tageszeitungen geschaltet – so führt man doch keine ernsthaften Verhandlungen.

          Was sollen wir denn machen? Wir haben unser Angebot natürlich zuvor schriftlich an Tengelmann geschickt. Mehrfach. Es gab nie eine Rückmeldung. Ich wollte unser Interesse publik machen.

          Herr Haub unterstellt Ihnen unlautere Absichten und Zerstörungstaktik.

          Das ist grober Unfug. Wir wollen verhindern, dass Edeka alle Märkte zugesprochen bekommt, das ist mein Perpetuum. Davon abgesehen, sind wir kooperativ, egal, ob wir die Märkte bekommen, ein Dritter oder ob wir sie uns mit Edeka aufteilen. Am 6. Oktober erst saßen wir alle zusammen und hatten eine Einigung erzielt.

          Die wie genau aussah?

          Die vorsah, dass die Märkte in Berlin und NRW an uns gehen, die im Raum München an Edeka. Und zwar unter Einhaltung der der Auflagen aus der Ministererlaubnis. Zudem wurden die Interessen von Markant und Norma wurden berücksichtigt. Wir wollten uns sofort dran setzen und die Details aushandeln, aber da kam plötzlich nichts mehr. Und jetzt Donnerstagabend kündigt Herr Haub plötzlich an, am Montag mit der Zerschlagung zu beginnen. Das soll mir mal einer erklären.

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