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Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch : Umstrittener Abmahner

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe Bild: dpa

Jürgen Resch hat der Deutschen Umwelthilfe ein ganz besonderes Geschäftsmodell verpasst. An diesem Dienstag feiert er nun seinen bisher größten Erfolg. Ein Porträt.

          4 Min.

          Jürgen Resch ist ein Mann, der weiß, welche O-Töne die Medien zu welchem Zeitpunkt brauchen. Als das Stuttgarter Verwaltungsgericht im Sommer 2017 über die Frage verhandelte, welche Maßnahmen zur Reduktion von Stickoxid- und Feinstaubemissionen geeignet sein könnten, sprach der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe davon, dass sich „die Politik von der Dieselindustrie“ die Hand führen lasse und dass der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegenüber der Automobilindustrie mittlerweile wie eine „lächerliche Marionette“ auftrete. Dabei duzen sich beide. Das ist nicht verwunderlich, denn der 57 Jahre alte Resch stammt aus dem schwäbischen Plochingen und ist seit dem Abitur eng mit den Umweltschutzorganisationen BUND und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verbunden. Da ist es schwer möglich, zu führenden Grünen im Land keinen Kontakt zu bekommen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Beide Organisationen wurden in den siebziger Jahren parallel aufgebaut: der BUND als klassische Umweltschutzorganisation, die DUH zum unterstützenden Spendensammeln. Resch ist Sohn eines Drogisten, er wuchs im Hegau auf, sammelte in den Wiesen am Hohentwiel Kräuter und entwickelte dabei seine Naturliebe. Seinen Zivildienst leistete er dann beim BUND in Radolfzell am Bodensee. Er deckte als junger Mann auf, dass das Pflanzengift Endrin zum Tod von Vögeln geschützter Arten führte. Resch machte Bekanntschaft mit dem für die deutsche Umweltbewegung äußerst einflussreichen Ornithologen und Umweltschützer Gerhard Thielcke. Resch wurde dessen persönlicher Referent, war den Thielckes auch familiär verbunden. Eine klassische Verbandskarriere brachte Resch 1988 an die Spitze der DUH, die sich unter seiner Ägide zu einer der schlagkräftigsten und auch lautstärksten Öko-Lobby-Organisationen der Republik entwickelte. Die DUH hat bis heute zwar nur 80 Mitarbeiter und etwa 270 Vereinsmitglieder, als Lobbyorganisation dürfte sie aber größeren Einfluss haben als Robin Wood oder Greenpeace.

          Das liegt daran, dass Resch für die DUH ein einzigartiges politisches wie ökonomisches Geschäftsmodell entwickelte: Die DUH ist einerseits eine klageberechtigte Umweltorganisation und andererseits seit 2004 eine „qualifizierte Einrichtung“, die beim Verbraucherschutz an der Marktüberwachung teilnimmt und mit Abmahnungen gegen Unternehmen vorgeht, die zum Beispiel gegen Verbrauchervorschriften verstoßen. So werden die Klagen gegen die womöglich unzureichenden Luftreinhaltepläne der Städte zum Teil mit Einnahmen aus dem Abmahngeschäft finanziert. An diesem Dienstag hat das Bundesverwaltungsgericht nun sein mit Spannung erwartetes Urteil zu Dieselfahrverboten in deutschen Städten bekannt geben – und sie generell für zulässig erklärt. Es ist der größte Erfolg bisher für Resch und die DUH.

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