https://www.faz.net/-gqe-ryb2

Jubiläum : Lizenz zum Schreiben

Der höchste Berg Europas gab den Namen für die Marke Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Für James Bond sind Füllfederhalter und Uhr nicht bloß Schreibgerät und Zeitmesser, sondern todbringende Waffen. Sein Füller kam aus dem Hause Montblanc in Hamburg. Dort feiert man das 100jährige Jubiläum einer Legende unter den Stift-Herstellern.

          3 Min.

          Für James Bond sind Füllfederhalter und Uhr nicht bloß Schreibgerät und Zeitmesser, sondern todbringende Waffen. Auf wundersame Weise hat sich das bis heute nicht bis zu den Bösewichten dieser Welt herumgesprochen. Scaramanga jedenfalls, dem "Mann mit dem goldenen Colt", wurde eine dieser Geheimwaffen einst zum Verhängnis: 007 (Roger Moore) erschoß den Schurken mit einem goldenen Füller.

          Johannes Ritter
          (rit.), Wirtschaft

          Und dieser Füller kam aus dem Hause Montblanc in Hamburg. Christopher Lee, der seinerzeit den Scaramanga mimte, ist aber offenkundig nicht nachtragend. Der 83 Jahre alte Schauspieler war der Stargast bei dem großen Festakt zum 100jährigen Bestehen von Montblanc in der Laeiszhalle in Hamburg. Geschossen wurde auf ihn nur mit Blitzlicht.

          Werkzeug für besondere Unterschriften

          Jenseits fiktiver Sondereigenschaften versteht sich die Edelmarke Montblanc als Werkzeug für besondere Unterschriften. "Nehmen Sie meinen!" sagte John F. Kennedy und reichte Konrad Adenauer seinen Montblanc-Füllfederhalter. Im Juni 1963 - also wenige Monate vor seiner Ermordung - trug sich der amerikanische Präsident in das Goldene Buch der Stadt Köln ein. Als nach ihm auch der damalige Bundeskanzler unterschreiben wollte, griff er vergeblich in die Brusttasche seines Einreihers. In der Aufregung hatte Adenauer seinen Füller vergessen.

          Prunkstück fürs Jubiläum für 140.000 Euro - mit 1400 Diamanten ein Schnäppchen
          Prunkstück fürs Jubiläum für 140.000 Euro - mit 1400 Diamanten ein Schnäppchen : Bild: dpa/dpaweb

          Derlei Anekdoten stärken bis heute den Ruf der Marke Montblanc, die viele Menschen gar nicht für ein deutsches Fabrikat, sondern eher für ein französisches oder schweizerisches Produkt halten. Das liegt auch am Namen: Der Mont Blanc ist der höchste Berg der Alpen und steht auf französischem und italienischem Grund. Der schneebedeckte Gipfel ist - übertragen als weißes "Mützchen" auf der Füllerkappe - noch heute das Erkennungssymbol der Marke.

          Der Montblanc ist nicht so hoch, wie Montblanc dachte

          Der Schreibwarenhändler Claus-Johannes Voss und der Bankier Alfred Nehemias aus Hamburg sowie der Berliner Ingenieur August Eberstein entschlossen sich 1906, in Produktion und Handel mit Füllfederhaltern einzusteigen, von denen sie unausgereifte Vorläufer in den Vereinigten Staaten und England kennengelernt hatten. Drei Jahre später ließen sie sich den Namen "Montblanc" als Markenzeichen eintragen. 1924 brachten die Unternehmer das erste Schreibgerät der Serie "Meisterstück" heraus. Deren Kennzeichen ist die Gravur "4810" - das ist die Höhe der Auflage, ausgewählt nach der Höhe des Mont Blanc in Metern. Heute weiß man indes, daß es sich dabei um eine falsche Annahme handelt: Der "Weiße Berg" ist nämlich nur 4792 Meter hoch.

          Die Geschichte des Hamburger Unternehmens ist nicht frei von Rückschlägen. Im Strudel der immer billiger werdenden Schreibwaren geriet Montblanc in den siebziger Jahren in finanzielle Schwierigkeiten. Diese Schieflage mündete 1977 im Verkauf der Unternehmensmehrheit an Alfred Dunhill Ltd., die später die volle Kontrolle übernahm. Dunhill gehört heute zur Schweizer Richemont-Gruppe, die unter anderem auch Cartier besitzt und der weltweit zweitgrößte Hersteller von Luxusgütern ist nach der französischen LVMH.

          Geschäfte laufen Gut - Zahlen gibt es keine

          Richemont kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 3,7 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von gut 500 Millionen Euro. Wieviel Montblanc dazu beigetragen hat, wird nicht veröffentlicht. Auch Montblanc-Geschäftsführer Lutz Bethge läßt sich am Rande des Festakts keine Zahlen entlocken. Schätzungen, wonach der Umsatz zuletzt zwischen 350 und 400 Millionen Euro gelegen haben soll, will er nicht kommentieren. "Die Geschäfte laufen ausgesprochen gut. Wir werden in diesem Geschäftsjahr zweistellig wachsen", sagt Bethge. Rund 90 Prozent der Erlöse kämen aus dem Ausland, wobei insbesondere China kräftiges Wachstum verspreche. Und der Gewinn? Innerhalb der Richemont-Gruppe sei Montblanc die ertragsstärkste Marke hinter Cartier. Und das solle auch so bleiben.

          Montblanc lebt nicht nur von dem Verkauf von Schreibwaren. Inzwischen kommen mehr als 40 Prozent des Umsatzes aus dem Geschäft mit Lederwaren, Uhren und Damenschmuck - Märkte, die deutlich größer sind als der Markt für Luxusfüller. Die Annahme, daß vor allem Männer oder Frauen für Männer den Edelschreiber kauften, läßt Bethge so nicht gelten. Da immer mehr Frauen in Führungspositionen aufstiegen, wollten auch sie wichtige Verträge mit einem "Power Pen" - so werde das "Meisterstück" an der Wall Street genannt - unterzeichnen. Für diesen Bedarf habe Montblanc extra einen Füller in "Diven-Shape" mit Perle und Diamant entworfen. Dessen Auflage sei - angelehnt an das Geburtsjahr von Greta Garbo - auf 1905 Stück limitiert.

          Aus Hamburg, Offenbach und der Schweiz

          Hergestellt werden dieser und alle anderen Füller nach wie vor am Stammsitz in Hamburg, wo 650 der 2500 Montblanc-Beschäftigten arbeiten. In Offenbach werden die Lederwaren gefertigt, die Uhren kommen aus der Schweiz. Zum Jubiläum bringt Montblanc ein paar ganz besondere Schreibwerkzeuge heraus, für die Liebhaber freilich ganz tief in die Tasche greifen müßten: Der "Montblanc 100 Years Solitaire Mountain Massif Skeleton" soll 140.000 Euro kosten. Er trägt 1400 Diamanten. Aber schießen kann man damit nicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat von CDU/CSU, im Interview mit der F.A.Z.

          F.A.Z. exklusiv : Laschet stellt klar: Mein Platz ist in Berlin

          Der Unions-Kanzlerkandidat besteht nicht auf einer „Rückfahrkarte nach Düsseldorf“. Im Interview mit der F.A.Z. legt sich Armin Laschet fest: Nach der Bundestagswahl geht es nach Berlin – ob als Kanzler oder nicht.
          Der deutsche Export boomt.

          Deutsche Industrie : Auf dem Weg in den Post-Corona-Boom

          Deutsche Autos und Maschinen sind wieder gefragt. Die Produktionserwartungen sind so gut wie seit 30 Jahren nicht. Doch Lieferengpässe bleiben ein Problem – vielleicht sogar länger als gedacht.

          Schwerpunktviertel Chorweiler : Wenn der Impfbus kommt

          Metin Yilmaz und seine Nachbarn im Hochhausviertel Chorweiler sind stärker gefährdet, sich mit Corona anzustecken. Die Stadt Köln hat deshalb die Impfreihenfolge aufgehoben. Ein Besuch bei der einmaligen Impfaktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.