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Josef Ackermann : Niemals geht man so ganz

  • Aktualisiert am

Josef Ackermann Bild: Frank Röth

Jetzt ist es offiziell: Die Deutsche Bank wird künftig wie angekündigt von einer Doppelspitze geführt. Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernehmen im Mai des kommenden Jahres den Vorstandsvorsitz. Josef Ackermann soll künftig - entgegen früheren Ankündigungen - den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns führen.

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          Die neue Führung der Deutschen Bank steht nun auch offiziell fest: Der Investmentbanker Anshu Jain (48) und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen (62) lösen im Mai 2012 als Doppelspitze Konzernchef Josef Ackermann (63) ab. Ackermann bleibt dem Dax-Konzern aber erhalten: Der Schweizer soll künftig den Aufsichtsrat der größten deutschen Bank führen - als Nachfolger des eher unpopulären Ex-Finanzchefs Clemens Börsig. Auf dieses Personalpaket einigte sich der Aufsichtsrat am Montagabend, wie das Frankfurter Geldhaus mitteilte.

          Ackermann räumt nach zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bank seinen Posten ein Jahr früher als geplant. Seinem direkten Wechsel in den Aufsichtsrat muss die Hauptversammlung noch zustimmen. Der derzeitige Aufsichtsratschef Clemens Börsig wird seinen Posten nach sechs Jahren zur nächsten Hauptversammlung niederlegen. Nach den Worten Börsigs erfolgten die getroffenen Entscheidungen „einvernehmlich“.

          Ackermanns Vertrag als Vorstandsvorsitzender wäre im Mai 2013 ausgelaufen. Er wird nun vorzeitig seinen Posten aufgeben. Als ein Kandidat für seine Nachfolge hatte der ehemalige Bundesbank-Chef Axel Weber gegolten, seitdem dieser im Februar überraschend seinen Rücktritt bei der Notenbank verkündet hatte. Weber aber hatte Anfang Juli erklärt, im kommenden Jahr zur Schweizer Großbank UBS wechseln zu wollen. Seitdem war die Personaldebatte bei der Deutschen Bank voll entbrannt. Der bisherige Aufsichtsratschef Börsig war seit längerem für eine Doppelspitze aus Jain und Fitschen eingetreten.

          Anshu Jain und Jürgen Fitschen
          Anshu Jain und Jürgen Fitschen : Bild: dpa

          Der Inder Anshu Jain (48), seit 1995 bei der Deutschen Bank, wurde seit Jahren als Kronprinz gehandelt - zuletzt Anfang 2009, als Börsig einen ersten Anlauf zur Regelung der Ackermann-Nachfolge machte. Zwar setzte die Deutsche Bank unter Ackermann Führung zunehmend auf Privatkunden als Ertragsbringer. Doch die Milliarden werden vor allem in Jains Geschäftsfeld verdient: unter anderem im Handel mit Devisen, Rohstoffen, Aktien. Seit gut einem Jahr führt Jain das Investmentbanking alleine.

          In der Finanzwelt ist der Inder hoch angesehen. In Deutschland hält sich Kritik wegen Jains angeblich fehlender Kontakte zur Politik in der Heimat der Deutschen Bank. Bis Ende Mai 2017 ist Jain nun als Vorstandsmitglied bestellt.

          Dagegen ist Jürgen Fitschen (62) in Wirtschaft und Politik bestens vernetzt und genießt als langjähriger Firmenkundenchef das Vertrauen der Unternehmen im In- und Ausland. Ihm dürfte die Rolle des „Politikers“ in dem Führungsduo zuteilwerden. Der Niedersachse stieß 1987 zur Deutschen Bank und ist bis heute ebenso im Inland wie im Ausland für den Konzern unterwegs. Wegen seines Alters halten viele Fitschen für eine Übergangslösung. Sein Vorstandsmandat wurde bis Ende Mai 2015 verlängert. Bis Ende Mai 2017 wurde auch das Mandat von Vorstandsmitglied Rainer Neske verlängert.

          Ackermann hatte einen Wechsel in den Aufsichtsrat bislang stets ausgeschlossen. Schließlich widerspricht es auch den Richtlinien für gute Unternehmensführung („Corporate Governance Kodex“), dass ein Konzernlenker direkt auf den Sessel des Chefkontrolleurs wechselt. Demnach dürfen Vorstandsmitglieder erst nach einer zweijährigen Karenzzeit in das Kontrollgremium ihres Unternehmens einziehen.

          Zuletzt war in der Deutschen Bank jedoch der Wunsch laut geworden, Ackermann möge auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand eine starke Rolle bei dem Institut spielen. Die Mehrheit der zehn Arbeitnehmervertreter in dem 20-köpfigen Aufsichtsrat machte sich dafür stark, dass Ackermann Börsig ablöst. Daher könnte nun erstmals eine Ausnahme des „Corporate Governance Kodex“ zum Tragen kommen: Die Zwei-Jahres-Frist fällt weg, wenn die Wahl des Aufsichtsrates „auf Vorschlag von Aktionären, die mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an der Gesellschaft halten“, erfolgt. Der Wechsel in den Aufsichtsratsvorsitz soll dann „eine der Hauptversammlung zu begründende Ausnahme sein“, heißt es in dem Kodex.

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