https://www.faz.net/-gqe-7h1d8

Josef Ackermann : Ende einer Karriere

Machtbewusst: Josef Ackermann als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Bild: Wolfgang Eilmes / F.A.Z.

Als Josef Ackermann zur Deutschen Bank kam, rühmte man ihn intern als besten Banker des Planeten. Heute versinnbildlicht sein Rücktritt bei Zurich das Ende einer Karriere. Ackermann hat es nicht verstanden, rechtzeitig aufzuhören.

          8 Min.

          Ob es einen Schweizer gibt, der die Deutschen jemals ausdauernder beschäftigt hat? Josef Ackermann, der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank, der Mann der in seiner Amtszeit zum Synonym des deutschen Großbankers wurde, hat für mannigfaltige Schlagzeilen und öffentliche Debatten gesorgt. Manchmal kam er dabei gut weg, sehr viel häufiger schlecht: „Joe“, wie er verkürzend genannt wird, ist der Mann mit dem unsäglichen „Victory“-Zeichen im Mannesmann-Prozess. Er ist derjenige, der von der Deutschen Bank in einem menschlich abgründigen Machtkampf gar nicht mehr lassen wollte, der Manager der Finanzkrise, der am Ende bei der Kanzlerin nicht mehr so wohl gelitten war wie zu ihrem Anfang. Und er ist der Aufsichtsrat von Siemens, der sich gerade heftig mit seinem alten Freund, dem Siemens-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme, gestritten hat.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.
          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen. Dem mit einer Finnin verheirateten Weltbanker, der sich immer so gefühlt hat, als befinde er sich mit allen Mächtigen dieser Welt auf Augenhöhe, kann man zahlreiche Rollen zuschreiben - denn er war auf vielen Bühnen tätig. Mit seinem Rücktritt vom Verwaltungsratsvorsitz der Zurich Insurance fällt der Vorhang, darüber ist man sich zumindest am Finanzplatz Frankfurt einig. Es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Für Ackermann wird das unangenehm - und zwar Punkt für Punkt.

          Ackermanns wichtigste Bühne war die Deutsche Bank. Und dort war sein Wirken für die Aktionäre nicht erfolgreich. Zu seiner Amtsübernahme im Mai 2002 betrug der Börsenwert noch 50 Milliarden Euro. Zehn Jahre später, als Ackermann den Vorstandsvorsitz für seine beiden Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumte, waren es nur noch 27 Milliarden Euro. Zusätzlich wird diese Bilanz durch eine Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Euro verschlechtert, die im Herbst 2010 zur Finanzierung der Postbank-Übernahme nötig war. Über diese Entwicklung kann auch Ackermann zu seinem Abschied am 31. Mai 2012 nicht glücklich gewesen sein, weil er damals noch rund 600 000 Deutsche-Bank-Aktien hielt und zudem Anwartschaften auf weitere knapp 300 000 Titel hatte. Die Kapitalvernichtung hat ihren wesentlichen Grund in der Finanzkrise, die vor fünf Jahren nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers eskaliert war.

          Ackermanns bekannteste Geste: das Victory-Zeichen
          Ackermanns bekannteste Geste: das Victory-Zeichen : Bild: ddp images/AP/OLIVER BERG

          So wies die Deutsche Bank für das Geschäftsjahr 2008 mit knapp 4 Milliarden Euro den höchsten Verlust in ihrer Geschichte aus. Ein Makel, der Ackermann wohl dazu verleitete, seinen Rücktritt schon auf der Hauptversammlung 2009 dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig nahe zu legen. Da Ackermann mit Berufung auf das deutsche Aktiengesetz es nicht als seine Aufgabe angesehen hatte, einen Nachfolger aufzubauen, war auf die Schnelle kein eindeutiger Favorit vorhanden. Daraufhin prüfte Börsig seinen Wechsel von der Aufsichtsrats- an die Vorstandsspitze. Dass Ackermann nach Bitten des Aufsichtsrats schließlich seinen Vertrag um drei Jahre verlängerte, verhinderte nicht das Zerwürfnis zwischen ihm und Börsig, das dem Ruf der Bank in den Folgejahren noch nachhaltig schaden sollte.

          Weitere Themen

          Türkische Lira auf Rekordtief Video-Seite öffnen

          Menschen demonstrieren : Türkische Lira auf Rekordtief

          Dutzende Demonstranten wurden am Mittwochabend bei einem Protest gegen die Regierung in Istanbul festgenommen. Die türkische Lira war am Vortag um mehr als 15 Prozent auf ein Rekordtief eingebrochen. Seit Jahresanfang hat die Lira bereits mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

          Kein Ende des Fusionsrauschs

          Übernahmemarkt : Kein Ende des Fusionsrauschs

          Konzerne spalten sich auf, Private Equity muss Geld unterbringen. 2021 bringt einen Rekord im Übernahmegeschäft. Nächstes Jahr dürfte es ähnlich weitergehen, schätzt die Deutsche Bank.

          Topmeldungen

          Corona-Test bei einem Kind in Brüssel am 27. November

          Corona-Seuchenmanagement : Unvermögen und Unglück

          Nicht viel gelernt – darauf lassen sich fast alle Fehler im Seuchenmanagement wie im Verhalten vieler Einzelner zurückführen. Deutschland hat in diesem Winter brutal die Kontrolle über das Corona-Ausbruchsgeschehen verloren.
          Das von der belarussischen Staatsagentur BelTA via AP zur Verfügung gestellte Foto zeigt Machthaber Alexandr Lukaschenko am 26. November in Brusgi

          Migrationskrise in Belarus : Lukaschenkos doppeltes Spiel

          Der Minsker Machthaber will einen Teil der Migranten im Land loswerden. Der andere soll bleiben und dient Alexandr Lukaschenko als Faustpfand. Ihnen verspricht er, dass Deutschland sie aufnimmt.
          Wie sensibel darf es sein? Der Philosoph Richard David Precht während der phil.Cologne im September 2021

          Precht und Flaßpöhler : Sie nennen es Freiheit

          Die haltlosen Behauptungen der Impfskeptiker dringen immer weiter in die bürgerliche Mitte vor. Für die neue pandemische Situation ist das fatal.
          Nach Manchester: Rangnick zieht’s da hin.

          Manchester United : Rangnick und Ronaldo – das kann ja was werden

          Von persönlichen Eitelkeiten bei Fußballstars hält Ralf Rangnick nicht viel. Bald arbeitet er bei Manchester United mit einem der größten Namen zusammen – Cristiano Ronaldo. Kann das funktionieren?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.