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Joe Kaeser : Siemens-Chef: Gewinne von Spekulanten besteuern

Richtige Kommunikation zahlt sich aus: Siemens-Chef Joe Kaeser über mehr Kontakt mit den Mitarbeiten Bild: Jan Roeder

Den Siemens-Chef Joe Kaeser treibt die Sorge vor einer Spaltung der Gesellschaft um. Daher fordert er nun, Gewinne von Spekulanten zu besteuern. Zudem soll es im Konzernvorstand an einen Generationenwechsel geben.

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          Joe Kaeser treibt die Sorge vor instabile Verhältnisse und die Spaltung der Gesellschaft um. Der Vorstandsvorsitzende von Siemens will als Antwort darauf auch die Wirtschaft in die Pflicht nehmen, nicht allein die Politik. „Wir müssen uns überlegen, ob nicht ein bisschen weniger Profit und Marge tatsächlich ein Mehr bedeutet“, sagt Kaeser im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn dadurch das Wachstum gefördert werde, könnten Arbeitsplätze geschaffen und die Menschen zu einem festen Bestandteil des Unternehmens machen. „Damit schafft man mehr gesellschaftliche Stabilität in einer immer schneller und konsequenter werdenden globalen Welt.“

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Chef eines der größten deutschen Industriekonzerne setzt sich dafür ein, dass Unternehmen für die Sicherung der Altersversorgung in die Pflicht genommen werden. Betriebsrenten seien wichtig, langjährige Mitarbeiter sollten nicht mittellos in den Ruhestand gehen. „Das ist kein Plädoyer für ein bedingungsloses Grundeinkommen - wie das verschiedentlich falsch zitiert wurde“, sagt Kaeser bezogen auf einen Auftritt kürzlich in München. „Man muss aus meiner Sicht eine bedingte Grundversorgung für das Alter und gegen die Armut sicherstellen.“ Das Geld dafür müsse aber erst verdient werden.

          Dazu schlägt der Konzernchef vor, dass etwa angesparte Gewinne aus Belegschaftsaktien zum Zweck der Altersvorsorge weitgehend steuerfrei bleiben sollten. Einen Vorschlag für die Gegenfinanzierung hat er parat: „Warum sollte man nicht zum Beispiel den Hochfrequenzhandel oder schnelle Gewinne von Spekulanten aus nicht-nachhaltigen Investments maximal besteuern“, fragt er. „Gewinne aus Kurzfristhandel und Spekulationen erfüllen erkennbar keinen gesellschaftlichen Zweck, außer wenn man sie mit 50 oder 70 Prozent besteuert.“

          Verjüngung des Vorstands

          Für den Konzern kündigt Kaeser eine Verjüngung des Vorstandes an. Der 2014 begonnene Umbau sei nach zwei Jahren abgeschlossen. „Nun stellt man sich die Frage, wie es weitergeht, wir stehen - längerfristig betrachtet - vor einem Generationenwechsel“, sagt Kaeser. „Es gibt zwei, drei Leute, die in den nächsten Jahren 60 Jahre alt werden.“ Eine Altersgrenze gebe es zwar nicht. „Aber es wirft die Frage nach dem Nachwuchs auf.“ Anlass zu den Überlegungen habe das angekündigte Ausscheiden des Technologievorstandes Siegfried Russwurm gegeben, der seinen Ende März 2017 auslaufenden Vertrag nicht verlängern will.

          Auf der Aufsichtsratssitzung von Siemens am Mittwoch stehen Personalbeschlüsse an, die Kaeser nicht kommentieren will. Michael Sen, noch Finanzvorstand des Energiekonzerns Eon, soll zu Siemens zurückkehren und Vorstand werden. Er war einmal Finanzchef von Siemens Medizintechnik. Im Konzernvorstand wird er dem Vernehmen nach die Aufgabe haben, diese Sparte an die Börse zu bringen. „Das ist derzeit tatsächlich das wichtigste Projekt, weil wir die Gesundheitstechnik stark ausbauen wollen“, kündigt Kaeser an. Sie werde für Siemens wichtig bleiben. Nach dem Börsengang der Gesundheitstechnik wird Siemens mit zwei Schwergewichten im Dax vertreten sein.

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