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Im Zuge der Digitalisierung : ING Diba entdeckt die Firmenkunden

Der Unternehmenssitz der ING Diba in Frankfurt Bild: dpa

Die Direktbank kennt man vor allem wegen ihres florierenden Geschäfts mit Privatkunden. Mittlerweile vergibt die ING Diba aber immer mehr Kredite an Großkunden. Und das soll erst der Anfang sein.

          Die ING Diba kennt man vor allem wegen ihres florierenden Privatkundengeschäftes. Die Direktbank ist in Deutschland hinter der Deutschen Bank und der Commerzbank mit 8,5 Millionen Privatkunden drittgrößtes Kreditinstitut und ragt mit ihrer Effizienz heraus. Doch auch das Firmenkundengeschäft wächst kräftig. 2016 – in einem Jahr also, in dem viele deutsche Banken aufgrund von Eigenkapitalknappheit oder schwacher Kreditnachfrage schrumpften – erhöhte die deutsche Tochtergesellschaft des holländischen Konzerns ING ihren Kreditbestand gegenüber Unternehmen von 15,6 auf 20 Milliarden Euro, wie der vor einem Jahr zur Diba gewechselte neue Firmenkundenvorstand Joachim von Schorlemer sagt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar ist der Bestand an Krediten, die ING Diba an Privatkunden zur Baufinanzierung ausgegeben hat, noch rund dreimal so groß. Doch auf 20 Prozent der Privatkundeneinlagen kommt der Firmenkreditbestand schon – Tendenz steigend. Denn nach wie vor hat ING Diba rund 25 Milliarden Euro mehr Kundeneinlagen, als sie an Krediten ausgereicht hat. Der Baufinanzierungsmarkt ist begrenzt, in Deutschland womöglich heißgelaufen. Die niedrigen Renditen auf den Kapitalmärkten verlocken auch nicht gerade dazu, die Einlagen der Kunden dort anzulegen. „Wir schaffen uns die Anlagen lieber selbst. Wir suchen die Firmenkredite sehr genau aus, in die wir die Kundeneinlagen investieren“, sagt Schorlemer.

          Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nennt er als wesentlichen Grund für den Ausbau des Kreditgeschäftes: „Wir haben aus der Finanzkrise gelernt. Wir geben nur Kunden Geld, die wir kennen, ihnen vertrauen und bei denen wir als Bank über viel Branchen-Knowhow verfügen.“

          Firmenkundenvorstand der Diba: Joachim von Schorlemer

          Deshalb stehe das Firmenkundengeschäft („wholesale banking“) der ING Diba in Deutschland auf zwei klar eingegrenzten Säulen: 45 Prozent der Kredite stecken in Branchen, in denen in der Diba für den ING-Konzern in Frankfurt die Kompetenz gebündelt ist, etwa für Unternehmen der Transport- und Energiewirtschaft. Hier dienen Flugzeuge, Lokomotiven und Gaskraftwerke oft als zusätzliche Kreditsicherheiten. 55 Prozent der Kredite sind an 130 deutsche Unternehmen vergeben, die mindestens 250 Millionen Euro Jahresumsatz haben.

          Aber hat sich ING Diba nicht durch das schnelle Wachstum von 1,6 Milliarden Euro Unternehmenskreditbestand 2011 auf nun 20 Milliarden Euro gefährliche Risiken ins Haus geholt? Schorlemer wiegelt ab: „Wir müssen weiterhin wegen der guten Konjunktur nur sehr wenig Risikovorsorge bilden.“ Aber was ist, wenn die Konjunktur kippt, reichen dann die Kreditmargen? Schorlemer gibt zu: „Es gibt Überkapazitäten im Bankenmarkt, es gibt viel Überschussliquidität. Deshalb ist das Kreditgeschäft nicht so profitabel, wie wir das alle gerne hätten.“ Deshalb sei für ING Diba der Kredit nur der Anfang. „Wir eröffnen nicht nur Kundenbeziehungen, sondern wir verfolgen konsequent unseren Anspruch, die Geschäftsbeziehung auszubauen“, sagt er.

          Als Kernbank, von denen Dax-Unternehmen oft zehn Kreditinstitute haben, wolle man die Kunden international in der Handelsfinanzierung, im Zahlungsverkehr, im Devisen- und Zinshandel sowie bei Absicherungsgeschäften unterstützen sowie beim Verkauf von Anleihen und Schuldscheinen helfen. „Die Kunden verstehen, dass wir nach einer gewissen Zeit zu ihren Kernbanken gehören wollen.“

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