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Edeka und Rewe singen : Süßer die Kassen nie klingen

Bild: Youtube

Erst „Supergeil“, jetzt die „Kassensymphonie“: Zum zweiten Mal in diesem Jahr macht Edeka mit einem ungewöhnlichen Werbespot von sich reden. Auch Rewe vertont einen Klassiker der Weihnachtsmusik auf ungewöhnliche Weise.

          3 Min.

          Wenn sich eine Tatsache alle Jahre wieder bewährt, dann diese: Adventszeit ist Ohrwurmzeit. An den Glühweinbuden in den Innenstädten dudelt „Rudolph the Red Nosed Reindeer“ aus den Lautsprechern. Im Einkaufszentrum säuselt Chris Rea sein „Driving Home for Christmas“. Und Wham beschallen mit „Last Christmas“ verlässlich jede Open-Air-Schlittschuhbahn.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als ob das alles nicht schon genug wäre, hat nun auch der Hamburger Einzelhandelsverbund Edeka einen weiteren Klassiker des festlichen Musikguts aufbereitet. In einem Film auf dem Internetvideoportal Youtube hat das Unternehmen das mehr als 150 Jahre alte „Jingle Bells“ neu vertont. Statt aus der Konserve ertönen die im Lied angespielten Glocken hier mehr oder weniger live – und zwar direkt aus den Scannerkassen eines Edeka-Markts in der Nähe von Koblenz.

          Indem die Kassierer Produkte rechtzeitig rhythmisch über die Barcode-Lesegeräte rüberziehen, lassen sie die unterschiedlichen Töne erklingen, die sich am Ende zu der sattsam bekannten Melodie zusammensetzen. Fertig ist die „Kassensymphonie“, wie die Supermarktkette ihre gut zwei Minuten lange Piep-Show genannt hat.

          Edeka hat dabei keine Mühen gescheut. Die neun Kassierer sind eigentlich keine Angestellten der Supermarktkette, sondern Musiker, die eine eigens für die Filmaufnahme erdachte Choreographie einstudiert haben. Dazu gehört auch ein junger Mann, der über das Supermarktmikrofon keine Preisabfrage startet, sondern eine sogenannte Beatbox. Er gibt den Rhythmus vor, indem er mit seinem Mund Schlagzeuggeräusche nachahmt. Nach Angaben des Unternehmens mussten die Kassen extra umgestimmt werden, damit die Melodie überhaupt erst entstehen konnte. Jeder, der schon einmal im Supermarkt an der Kasse stand, weiß, dass alle Kassen normalerweise in derselben Tonlage piepsen.

          Schließlich filmten 13 versteckte Kameras einen Tag im November die Kunden in dem Supermarkt. Sie reagieren in dem Video irritiert bis begeistert auf die ungewöhnliche Beschallung. Man habe auf ganz normale Kunden zurückgegriffen, um sicher zu sein, „die Überraschung der Menschen zeigen zu können“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Alle gefilmten Personen seien im Nachhinein darüber informiert worden, ein Teil des Werbespots zu werden, und haben dem auch zugestimmt.

          Es ist schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass Edeka mit einem ungewöhnlichen Internetvideo von sich reden macht. Im Februar stellte das Unternehmen in den hauseigenen Kanal bei der Google-Tochtergesellschaft Youtube den Clip „Supergeil“ ein. In dem Lied tanzt und rappt sich der Schauspieler und Sänger Friedrich Liechtenstein durch Wohn- oder Schlafzimmer und präsentiert dabei immer wieder Produkte aus den Supermarktregalen. So passen dann zum Beispiel die japanischen Reisspezialitäten, die eine Frau mit einer Katze auf einem Sofa verspeist, zu Textzeilen wie „Super Uschi, super Muschi, super Sushi, supergeil“.

          Diese dem Video ganz eigene innewohnende Albernheit ist Kalkül. Edeka will aus der herkömmlichen Werbung bekannte Muster brechen, um Aufmerksamkeit und Wiedererkennungswert für die eigene Marke und Produkte zu erzeugen. Das gelingt auch ganz gut, vielleicht auch wegen der Gewagtheit mancher Szenen dieser sogenannten viralen Werbung, die sich wie ein Krankheitserreger über das Internet verbreitet. In einer Einstellung liegt Liechtenstein in einer Badewanne und zeigt seine behaarte Brust, während er einen Liter H-Milch der Hausmarke in den Zuber schüttet, der die ägyptische Königin Cleopatra vor Neid hätte erblassen lassen.

          Wie hinter „Supergeil“ steckt auch hinter der Kassensymphonie die Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Ziel sei es gewesen, das Thema Weihnachten auf „emotionale und ungewöhnliche Art darzustellen“, heißt es nun bei Edeka. „Da das Piepen wahrscheinlich das bekannteste Geräusch in einem Supermarkt darstellt, war schnell die Idee geboren, dieses Geräusch zu nutzen.“ Mit dem Video wolle Edeka seine Kunden begeistern und „ihnen auf unsere Art eine schöne Adventszeit wünschen“.

          Ähnliches hat wohl auch die Einzelhandelskette Rewe im Sinn. Unter dem Titel „Weihnachtszeit mit Rewe“ singen seit Montag in einem zusammengeschnittenen Youtube-Video verschiedene Menschen das Lied „O du fröhliche“. Zu den Sängern gehören ein Shanty-Chor, eine Opernchanteuse, eine Punkband, zwei junge Fußballspieler, zwei Feuerwehrmann und ein Hund. Erschwert wird die Darbietung dadurch, dass die Interpreten den Mund voll haben mit allen möglichen Esswaren. Der Hund trägt zum Beispiel einen Knochen im Maul.

          Was die Abrufzahlen auf Youtube betrifft, läuft das Edeka-Video dem von Rewe derzeit den Rang ab. Während „O du fröhliche“ inzwischen rund 145.000 Personen angeklickt haben, standen für „Jingle Bells“ am Dienstagnachmittag mehr als 700.000 Abrufe zu Buche. Fraglich scheint aber, ob das Video bis Weihnachten die 12 Millionen Zuschauer einholt, die das „Supergeil“-Video inzwischen verzeichnet. Denn egal welcher Weihnachtsohrwurm es auch ist: Nach dem Fest ist zum Glück Schluss damit, zumindest bis zum nächsten Advent.

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