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Jeep und Ram : Zwei Erfolgsmarken für PSA

Verkaufsrenner in Übersee: Pick-up-Trucks der Marke Dodge Ram Bild: Reuters

Fiat-Chrysler erlebte eine stürmische Entwicklung mit Jeep und Ram. Doch zuletzt gab es wenig neue Modelle.

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          Der als Regent von Peugeot und Fiat-Chrysler (PSA und FCA) vorgesehene Carlos Tavares wird zum Chef eines Autoherstellers mit viel Licht und Schatten. Die renditeträchtigen Aktivitäten von Fiat-Chrysler in Nordamerika waren besonders attraktiv für den PSA-Konzern mit seinen Marken Peugeot, Citroën und Opel. Sie sind für die Franzosen der wohl wichtigste Treiber für einen schnellen Schulterschluss mit dem italienisch-amerikanischen Partner.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          In den Verhandlungen über die Fusion sind die Gewinnträger in Übersee auch der Grund, warum die Fiat-Chrysler-Aktionäre als Wertausgleich eine stattliche Sonderdividende von 5,5 Milliarden Euro erhalten sollen. Die Bestätigung für die Ertragskraft lieferten gerade die FCA-Ergebnisse für das dritte Quartal 2019: Nordamerika lieferte dem Konzern einen operativen Gewinn (Ebit) von 2 Milliarden Euro, während die anderen drei Regionen des Konzerns zusammen einen Verlust einfuhren.

          Fiat-Chrysler (FCA) profitiert in Nordamerika seit Jahren von einer immer weiter steigenden Nachfrage nach schweren Pick-Up-Transportern und Geländewagen. Zugleich hatte der langjährige FCA-Chef Sergio Marchionne wenig für die Erneuerung der Modellpalette getan. Immerhin hatte er das Gespür, auf das Wachstum des Marktsegments für die – wenig umweltfreundlichen und anderswo unbeliebten – Geländewagen und Pick-up zu setzen.

          Beide Marktsegmente erlebten eine Blüte, als sich der Autoabsatz in den Vereinigten Staaten nach der Finanzkrise 2009 von 10,6 Millionen Fahrzeugen auf 17,7 Millionen Fahrzeuge 2018 erhöhte. Bei der Übernahme von Chrysler durch Fiat fand Sergio Marchionne 2009 ein paar Pick-ups im Produktportfolio der damaligen Marke Dodge und entschied, der Produktname „Ram“ solle zu einer eigenen Marke werden. Dazu steuerte Fiat eine amerikanische Version der Lieferwagen „Doblò“ und „Ducato“ bei. Vor allem mit den zwei uramerikanischen „Pick-up-Trucks“ wuchs der Absatz der neuen Marke Ram von 263 000 im Jahr 2009 auf fast 800 000 im vergangnen Jahr. Die zweite Erfolgsgeschichte in Nordamerika dreht sich um den Namen Jeep. Bei der Übernahme durch die Italiener war diese Marke auf Nordamerika konzentriert und mehr mit Geländewagen identifiziert, weniger mit der Sparte der beliebten „SUVs“ (Sport Utility Vehicle), den Freizeitautos für die Straße und die Städte.

          Der Brite Mike Manley hat dann in einem günstigen Markt aus Jeep eine Erfolgsgeschichte gemacht und wurde auch deswegen 2018 Nachfolger von Sergio Marchionne als Konzernchef. Manley hat vor seinem Aufstieg viele Jahre Jeep geführt. Als er diesen Posten 2009 übernahm, wurden um die 300 000 Jeeps im Jahr verkauft, davon die meisten auf dem amerikanischen Heimatmarkt. 2018 waren es fast 1,9 Millionen, und dabei entfiel ein großer Anteil auf Schlüsselmärkte wie China. Bei Manleys Antritt gab es vier Jeep-Werke in Amerika. Heute sind es zehn in sechs Ländern. In diesem Jahr kündigte FCA an, einen Milliardenbetrag zu investieren, um eine Motorenfabrik in Detroit in ein Jeep-Werk zu verwandeln. Bis 2022 nimmt sich FCA vor, 3,3 Millionen Jeeps zu verkaufen.

          FCA musste bei Jeep allerdings in den ersten neun Monaten dieses Jahres in Amerika einen leichten Absatzrückgang hinnehmen, bei den Pick-ups von Ram steigen die Verkaufszahlen indessen weiter sprunghaft. Das Angebot an traditionellen Limousinen oder Kombis hat schon Sergio Marchionne in den vergangenen Jahren kräftig reduziert, sie machen nur noch ein Viertel des Absatzes aus.

          Unter der Marke Chrysler firmieren nur noch eine Limousine mit der Bezeichnung „300“ und ein Van. Besonders für die Modelle in den traditionellen Segmenten, aber auch bei Jeep und Ram, ist das Angebot inzwischen ziemlich veraltet. Wenn der künftige Konzernlenker Tavares die Marktposition als Nummer vier in Nordamerika nach General Motors, Ford und Toyota halten will, muss er kräftig in neue Produkte investieren. Gerade bei Ram und Jeep gibt es allerdings bisher wenig Synergieeffekte mit Peugeot, Citroën oder Opel – was wiederum hohe Investitionen in neue Modelle erfordert.

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