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Deutsche Bahn : Die Pünktlichkeit nimmt ab

Bahnkunden kamen im vergangenen Jahr öfters zu spät an als noch 2017. Bild: dpa

Die Bahn war im vergangenen Jahr seltener pünktlich als noch 2017. Das wirft kein gutes Licht auf den Konzern. Dabei werden überhaupt erst Verspätungen von Bahnkunden ab 15 Minuten mitgezählt.

          Passionierte Bahnfahrer wissen: Wer einen Termin hat und ohne Ärger an sein Ziel kommen will, sollte mindestens einen Zug früher wählen. Dieser Erfahrungswert wird jetzt durch harte Daten unterstützt. Nach Angaben der Deutschen Bahn lag die sogenannte Reisenden-Pünktlichkeit im vergangenen Jahr bei 80,1 Prozent. Das bedeutet: Jeder fünfte Fahrgast erreichte sein Ziel mehr als eine Viertelstunde später als geplant. 2017 lag diese Quote mit 84,3 Prozent noch auf einem deutlich höheren Niveau.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Zahlen gehen aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung hervor. Der sächsische Bundestagsabgeordnete der Liberalen und Obmann im Verkehrsausschuss, Torsten Herbst, sprach von einem alarmierenden Zeichen für die Attraktivität der Bahn: „Es wird immer deutlicher, dass der Schienenverkehr in Deutschland ohne eine deutliche Kursänderung die an ihn gerichteten Ziele nicht erreichen kann.“ Gebraucht werde eine Bahnreform 2.0, die die Infrastruktur stärke und eine grundlegende Reform des Unternehmens beinhalte.

          Tatsächlich werfen die neuen Verspätungszahlen kein gutes Licht auf den Schienenkonzern – das taten schon die bis dato vorgelegten nicht. Bislang veröffentlichte die DB monatliche Prozentquoten, die nur die Betriebsperspektive widerspiegelten. So beziehen sich die für 2018 ausgewiesenen 74,9 Prozent auf pünktliche Züge und Zughalte. Pünktlich ist nach dieser Definition ein Zug, wenn seine tatsächliche Ankunftszeit am Bahnhof nicht mehr als fünf Minuten und 59 Sekunden hinter der fahrplanmäßigen liegt.

          Verspätung erst ab 15 Minuten

          Die auf diese Weise gemessene Pünktlichkeit bewegte sich in den Jahren 2009 bis 2018 in einer Spanne zwischen 72,6 und 81,2 Prozent. In den meisten Jahren wurde die Schwelle von 80 Prozent klar verfehlt. Seit 2016 hat die Unpünktlichkeit der ICE- und IC-Züge beständig zugenommen. In diesem Jahr versucht sich Bahnchef Richard Lutz an einer Trendwende. Angepeilt sind 76,5 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr.

          Die Pünktlichkeitsstatistik bildet die mehr als 800.000 Fahrten von DB-Personenzügen eines Monats ab. Dabei fließen alle Halte zum Ein- oder Ausstieg der mehr als 20.000 monatlichen Fahrten im Fernverkehr und der rund 780.000 monatlichen Fahrten im Nahverkehr inklusive aller S-Bahnen in die Erhebung ein. An dieser Statistik hatten Kritiker im vergangenen Jahr in der F.A.Z. Kritik geübt. Im März hatte Bahnchef Lutz zugesagt, sie durch eine Reisenden-Pünktlichkeit zu erweitern.

          Für diesen aussagekräftigeren Wert werden Daten nicht nur gemessen, sondern auch simuliert und berechnet. Dazu verknüpft die DB die täglichen Buchungsdaten von ungefähr 270.000 Reisenden mit den Pünktlichkeitsdaten der etwa 7000 Fernverkehrshalte. Sie berücksichtigt auch ausfallende Züge und Ersatzzüge. Zudem ermittelt und bewertet sie für jeden nicht erreichten Anschluss konkrete Alternativverbindungen. In dieser fahrgastbezogenen Kennzahl gilt eine Ankunft als pünktlich, wenn der einzelne Reisende seinen Zielort mit weniger als 15 Minuten Verspätung erreicht.

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