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Cyberkriminalität : Jede Woche 6000 Angriffe aus dem Internet gegen VW

Begehrtes Ziel: Die VW-Produktion muss gegen Cyber-Angriffe gewappnet sein. Bild: dpa

Cyberkriminalität wird zur immer größeren Gefahr. Einige Konzerne bündeln nun ihre Abwehr gegen Kriminelle - und gegen allzu neugierige Geheimdienste.

          Mit der fortschreitenden Digitalisierung müssen sich die Vorstände deutscher Unternehmen immer häufiger mit einem für sie neuen Thema beschäftigen: mit der Datensicherheit. „Wir haben jede Woche rund 6000 Angriffe aus dem Internet, die wir abwehren“, berichtet der Chef der Informationstechnik bei Volkswagen (CIO), Martin Hofmann.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Vor gar nicht allzu langer Zeit waren es gerade mal 6000 im Jahr. Angriffe aus dem Netz richten sich nicht nur gegen den Autokonzern in Wolfsburg. Alle deutschen Konzerne machen diese Erfahrung. Und „die Zahl ist erdrückend hoch“, sagt Hofmann. Tendenz: stark steigend.

          Experten wie Martin Wülfert, Vorstandschef der 2015 gegründeten Deutschen Cyber-Sicherheitsorganisation (DCSO), gehen davon aus, dass die Cyberkriminalität im sogenannten Darknet - der verborgenen dunklen Seite des Internets - bereits eigene, hochlukrative Verwertungsketten aufgebaut hat. „Das ist eine riesige Industrie“, sagt er, „und die Angriffswellen beschleunigen sich.“

          Die Angriffsflächen werden immer größer

          Umsatz und Gewinn der Cyberkriminalität stünde weltweit denen der internationalen Drogenkartelle mit ihren jährlich rund 400 Milliarden Dollar in nichts nach. Der volkswirtschaftliche Schaden in Deutschland wird derzeit auf 45 Milliarden Euro im Jahr geschätzt - immerhin 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

          Die Bedrohung ist so groß, dass selbst Dax-Konzerne wie Volkswagen oder Bayer allein die Sicherheit ihrer Daten nur noch unter großem Aufwand sicherstellen können, wenn überhaupt. Die DCSO, die ihren Sitz in Berlin hat, soll die Antwort der deutschen Industrie auf die neue Dimension der Cyberkriminalität sein. Je stärker die Digitalisierung mit dem Internet der Dinge voranschreitet, je näher automatisiertes Autofahren kommt, desto größer werden die Angriffsflächen der Unternehmen.

          Die DCSO wurde von den Dax-Konzernen Allianz, Bayer, BASF und Volkswagen vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen. „Sichere Cyber-Systeme sind eine grundlegende Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg“, sagten die IT-Verantwortlichen der vier Unternehmen damals.

          „Wir kennen uns in Deutschland alle“

          50 Mitarbeiter hat die Organisation in Berlin mittlerweile, nach Angaben ihres Chefs Wülfert findet sich nirgendwo in Deutschland so viel geballte Kompetenz im Kampf gegen die Internetkriminalität so konzentriert an einem Ort. Gerade hatte der Fachbeirat der DCSO seine konstituierende Sitzung am Pariser Platz, einen Steinwurf entfernt vom Brandenburger Tor. Die Liste der Mitglieder liest sich wie ein „Who’s who“ der deutschen Großkonzerne: Neben den vier Unternehmen, die die DCSO gegründet haben und mit je 25 Prozent an ihr beteiligt sind, gehören unter anderem Siemens, Bertelsmann, Springer, BMW, Daimler und Thyssen-Krupp dazu.

          Selbstverständlich ist es nicht, dass die Konzerne bei einem sensiblen Thema wie der Sicherheit so eng zusammenarbeiten. Großunternehmen, nicht nur in Deutschland, lassen sich von anderen nicht gern in die Karten gucken.

          Bei den Chefs der Informationstechnik sei das aber schon immer anders gewesen, sagen Hofmann von VW und Daniel Hartert, CIO bei Bayer. „Wir kennen uns in Deutschland alle.“ So sei die Idee geboren worden, sich durch mehr Austausch untereinander besser gegen die mit der Digitalisierung rapide wachsenden Cyberrisiken zu wappnen. Alle seien mit dem Problem konfrontiert. „Umso effektiver ist es, offen miteinander zu sprechen und von der Entwicklung gemeinsamer Abwehrstrategien zu profitieren“, sagt Hartert. Und die vier Gründungsmitglieder stehen nicht in unmittelbarem Wettbewerb. Mit BMW oder Daimler hätte sich VW-Mann Hofmann wahrscheinlich nicht so schnell geeinigt.

          Die immer stärker werdenden Angriffe aus dem Netz gegen die deutschen Konzerne haben eine sehr unterschiedliche Qualität. Die meisten sind Angriffe, wie sie auch private Netznutzer kennen - von Viren bis zum Trojaner. „Die schießen mit Pfeil und Bogen und das prallt an unseren Schutzmauern ab“, berichtet der Bayer-Manager. Unter den Millionen E-Mails des Konzerns im Jahr gebe es mittlerweile mehr abgefangene Spam als reguläre Mails.

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