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Japanische Fischindustrie : Sushi - teure Häppchen

Teures Gut: Thunfisch in Tokio Bild: dpa

Die Fangquoten für Thunfisch wurden in Japan drastisch reduziert. Den fernöstlichen Feinschmeckern stehen schwere Zeiten bevor. Vor allem der immer teurere Thunfisch macht Sushi zu einer luxuriösen Mahlzeit. Hilfe naht.

          4 Min.

          Jeder Schnitt eine Scheibe, jeder Happen ein Genuss. Wenn Sushi-Meister Matsuoka das armlange Messer ansetzt, fällt eine blutrote Delikatesse nach der anderen von der scharfen Silberklinge. Sein kleines Restaurant in Omachi ist jeden Abend gut besucht. Er setzt auf Stammkunden, der Rest will sich die teuren Häppchen kaum noch leisten. Denn die Preise gehen steil nach oben. Japans Multimilliarden Euro schwere Fischindustrie ist in Aufruhr. Vor allem für Thunfisch muss deutlich mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Feinschmecker stehen landesweit vor schweren Zeiten: Sushi und Sashimi werden zum Luxus.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hohe Benzinpreise für die Fischereiflotten, vielfach leergefischte Meere, beschnittene Fangquoten, eine wachsende Nachfrage in China, Europa sowie Amerika und das dadurch weltweit knapper werdende Angebot lassen Sushi-Läden die Speisekarten neu schreiben. „Die Preise ziehen an“, meint Helga Josupeit von der Ernährungsorganisation FAO der Vereinten Nationen in Rom. Ein Kilo Großaugenthunfisch kostet auf Tokios Märkten derzeit 20 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Der Gelbflossenthunfisch bringt es auf eine Steigerung von 30 Prozent. Für ein Kilo Blauflossenthunfisch werden mittlerweile 3000 Yen (20 Euro) gezahlt - ein Viertel mehr als im Vorjahr. Ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht.

          Härtere Strafen bei Verstößen

          Gründe sind drastisch gekürzte Fischfangquoten. Im November peilte die Kommission zum Schutz des Thunfisches im Atlantik an, bis 2010 deutlich weniger Fische aus dem Meer ziehen zu lassen als bisher. Lagen die Fänge nach Angaben der Umweltschützer von Greenpeace 1993 bei 600.000 Tonnen, so waren es zehn Jahre später noch 450.000 Tonnen. In drei Jahren könnten es weitere 10 Prozent weniger sein. Die Quote für den bedrohten Blauflossenthunfisch im Atlantik wird über vier Jahre von 32.000 auf 25.000 Tonnen gesenkt. Im Oktober erklärte die Kommission zur Konservierung des Südpazifischen Blauflossenthunfisches, die Fangquote für die besonders delikate, aber auch bedrohte Art von 15.000 auf 11.500 Tonnen im Jahr zu kürzen.

          Der wahre Sushimeister will keinen Zuchtfisch

          Im August kündigte Japan an, das von den Vereinten Nationen vorgeschlagene Abkommen zum Schutz bedrohter Fischarten zu ratifizieren. Bislang unterzeichneten es 57 Staaten. Nun macht auch Tokio mit. Fortan wird es weniger Thunfisch fangen und einführen, seine Fischmärkte stärker überwachen und Verstöße strenger bestrafen. Das scheint auch dringend nötig - zappelte in den vergangenen Jahren doch in den Netzen der Fischer mehr Thunfisch, als für deren langfristigen Erhalt gut war. Holten sie Anfang der siebziger Jahre insgesamt eine Million Tonnen aus den Weltmeeren, so sind es heute 4 Millionen; war Thunfisch damals eine Delikatesse, so sind heute drei der fünf bekanntesten Arten fast zu einem Alltagsgericht geworden.

          Neue Fang-, Transport- und Konservierungstechnik

          Theodore Bestor beschreibt in seinem Buch „Tsukiji“, wie es Thunfisch vom Gaumenkitzel japanischer Gourmets zum weltweiten Leckerbissen schaffte. Sushi wurde in London und Frankfurt populär. In Chinas Hauptstadt Peking stieg der Verbrauch von quasi null auf 60 Tonnen im Jahr 2005. Neue Fang-, Transport- und Konservierungstechnik machten es möglich. Japanische Fischfirmen bauten neue Märkte auf. Das aber hatte Folgen. Die Bestände im Mittelmeer, im Atlantik und in Teilen des Pazifiks seien bereits arg dezimiert, meint Sebastián Losada von Greenpeace in Madrid. Die Anrainerstaaten des Atlantiks schlagen Alarm, Umweltschützer in Australien stehen auf den Barrikaden. Nun sieht sich Japan gefordert, gehen doch 20 Prozent aller weltweiten Fänge über seine Märkte.

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