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Japan : Kraftwerksbetreiber Tepco schlampt weiter

Tepco-Chef Masataka Shimizu: Japanische Medien berichten ausführlich über seine Krankmeldung nach Beginn der Krise Bild: AFP

Der Betreiber des Atomkraftwerks in Fukushima sorgt schon seit langem für Negativschlagzeilen. Langsam findet auch die sonst so zurückhaltende Regierung deutliche Worte. Nach Informationen der F.A.Z. hat es das Unternehmen zudem vor Jahren abgelehnt, ein Wasserstoff-Vernichtungssystem zu installieren.

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          Der größte japanische Energiekonzern Tokyo Electric Power (Tepco) wird wegen seines Umgangs mit der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima immer schärfer kritisiert. Selbst der japanische Premierminister Naoto Kan hat die Führung des Unternehmens öffentlich angegriffen, weil sie wichtige Informationen nicht weitergegeben und damit Entscheidungen möglicherweise verschleppt hat.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Nach Informationen der F.A.Z. hat es das Unternehmen zudem vor Jahren abgelehnt, ein Wasserstoff-Vernichtungssystem zu installieren. Eine solche Anlage war ihm von einem westlichen Kraftwerksbauer angeboten worden. Tepco glaubte, auf die Investition verzichten zu können. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich die Wasserstoffexplosionen, die sich nach der Havarie der Reaktoren in Fukushima ereignet haben, mit einer solchen Vernichtungs-Anlage hätten vermeiden lassen. Allerdings hat das Öko-Institut auch solche Anlagen schon wegen Sicherheitsbedenken kritisiert.

          Mehrere Plutoniumfunde am Boden

          Nun bitten die Japaner französische Firmen um Hilfe: Es seien Unternehmen wie EDF und Areva angesprochen worden, hieß es am Montag. Nach Angaben von Tepco ist auf dem Gelände des Kraftwerks an mehreren Bodenstellen Plutonium gefunden worden. Wie Tepco am Montag mitteilte, handelt es sich dabei um Ergebnisse von Proben, die bereits vor einer Woche genommen wurden. Die Plutoniumspuren seien nicht gesundheitsschädlich.

          Kabinettsminister Yukio Edano rügte Tepco in Tokio abermals, als er bekanntgab, dass es in Reaktor 2 des Kraftwerks zu einer Kernschmelze gekommen sei, die das Wasser im Reaktorgebäude stark radioaktiv verseucht habe (siehe Atomkatastrophe in Fukushima: Regierung gesteht „teilweise Kernschmelze“ ein).

          Tepco-Aktie verliert weiter an Wert

          Tepco hatte am Wochenende widersprüchliche Zahlen über die radioaktive Belastung herausgegeben, die sich am Ende als falsch herausstellten. Das sei „nicht zu akzeptieren“, sagte Edano.

          Auch wegen dieser Zahlen und Widersprüche verlor der Aktienkurs des Unternehmens am Montag abermals deutlich an Wert: zu Buche stand ein Minus von rund 18 Prozent auf 696 Yen. Das ist weniger als der Wert vom 17. März, als die Sorgen über eine Ausweitung der Katastrophe besonders groß waren. Der Börsenwert des Unternehmens fiel auf etwas mehr als 1,1 Billionen Yen (95 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Im Juni 2008 lag er bei 3,5 Billionen Yen.

          Die Krankmeldung des Tepco-Chefs

          Wegen des drastischen Kursrückgangs und der Informationspolitik des Unternehmens gerät nun auch der Tepco-Vorstandsvorsitzende Masataka Shimizu noch stärker ins Visier der Kritiker. Japanische Medien berichteten ausführlich darüber, dass sich der Tepco-Chef fünf Tage nach Beginn der Krise in Fukushima erst einmal für eine Woche krank gemeldet habe und danach abgetaucht sei.

          Shimizu hatte sich seit dem 13. März, zwei Tage nachdem Beschädigungen am Atomkraftwerk bekannt wurden, nicht mehr öffentlich geäußert. Kenner des Landes wissen, dass die Flucht in Krankmeldung ein von Spitzenmanagern gern gewählter Weg ist, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. „Es ist unvermeidlich, dass Shimizu zurücktreten muss, es ist nur noch eine Frage des Zeitpunkts“, sagte der frühere Vizechef von Goldman Sachs Asia, Ken Courtis.

          Auf das Unternehmen kommen wegen der Zerstörungen und wegen des Ausfalls von Energielieferungen Kosten in Milliardenhöhe zu. Erst in der vergangenen Woche forderte Tepco Großbanken auf, rund 2 Billionen Yen für Aufräumarbeiten, Reparaturen und mögliche Schadensersatzforderungen zur Verfügung zu stellen. Tepco ist das größte Energieunternehmens Japans und das viertgrößte der Welt. Es betreibt insgesamt 17 atomare Reaktorblöcke.

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