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Produktplatzierung : James Bond liebt deutsche Pistolen

  • -Aktualisiert am

Daniel Craig als James Bond mit einer VP9 von Heckler & Koch. Bild: dpa

Die Waffenhersteller Walther und Heckler & Koch kämpfen im aktuellen Kinostreifen „Spectre“ um Markenpräsenz. Doch für eins der Unternehmen geht der Schuss in Sachen Werbung nach hinten los.

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          Der Geheimagent Ihrer Majestät, James Bond, bleibt seiner Dienstwaffe treu: Auch in der 24. Folge der Bond-Reihe mit dem Titel „Spectre“ geht der Kinoheld mit einer Walther PPK auf Verbrecherjagd. Doch im Vorfeld der Weltpremiere in London nährte ein Werbefilm Zweifel an der bewährten Markenpartnerschaft: In einer Schlüsselszene entwendet Bond seinem Gegner eine Pistole des Modells VP9, die vom Walther-Konkurrenten Heckler & Koch hergestellt wird. Dann setzt er sie gegen den Bösewicht ein und wirft sie achtlos weg. Prompt kursierte auf Internetforen die bange Frage: Wechselt 007 seine Handfeuerwaffe?

          Dass dem nicht so war, konnte sich Eyk Pflaumer, der geschäftsführende Gesellschafter der Umarex-Gruppe, zu der die Marke Walther gehört, bei der Premiere in London persönlich überzeugen. Seit dem zweiten Bond-Film mit dem Titel „Liebesgrüße aus Moskau“ setze der Geheimagent auf ein Produkt des in Ulm ansässigen Herstellers, heißt es dort mit einem gewissen Stolz.

          Léa Seydoux als Madeleine Swann im neuen James-Bond-Streifen, in der Hand eine Pistole aus dem Hause Walther.
          Léa Seydoux als Madeleine Swann im neuen James-Bond-Streifen, in der Hand eine Pistole aus dem Hause Walther. : Bild: Sony Pictures

          In deutschen Kinos läuft der neue Bond-Streifen erst am 5. November an. Nichtsdestoweniger ist der kurze Markenauftritt von Heckler & Koch ein eher negativer Werbeeffekt, den das seit Monaten in den Schlagzeilen stehende Unternehmen kaum gebrauchen kann. Denn die Waffe wird achtlos weggeworfen. Vom Einsatz des neuen Produkts hatte der Mittelständler angeblich erst durch eine Medienanfrage erfahren. Nach Angaben eines Sprechers habe Heckler & Koch daher auch keinen Einfluss auf die Produktionsfirma genommen, um seine Neuheit im aktuellen Bond-Film werbewirksam zu plazieren.

          Die VP9 wird in Deutschland unter dem Namen SFP9 vertrieben und ist in drei Bundesländern bei der Polizei in Gebrauch. In Amerika ist das Modell VP9 bei Waffenfans ein Verkaufsrenner, nach dem es zuvor von einschlägigen Branchenvertretern als „Faustfeuerwaffe des Jahres“ prämiert worden war. Das Unternehmen mit Sitz in Oberndorf am Neckar will früheren Ankündigungen zufolge gerade auf dem lukrativen amerikanischen Markt verstärkt zulegen. Dort sind immerhin die meisten zivilen und militärischen Nutzer von Handfeuerwaffen zu finden, heißt es weiter.

          „Spectre“-Stars in London : James Bond-Weltpremiere

          Heckler & Koch kommt nicht aus den Schlagzeilen

          In Deutschland kommt der Hersteller, der über 80 Prozent seiner Erlöse außerhalb der Bundesrepublik erzielt, seit Monaten nicht aus den Schlagzeilen heraus. Das Sturmgewehr G36 geriet nach negativen Labortests in die öffentliche Kritik. Dabei hatte sich eine sinkende Treffsicherheit bei dauerhaftem Gebrauch ergeben. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärt daraufhin, dass das G36 bei der Bundeswehr keine Zukunft habe. In einem jüngst veröffentlichten Untersuchungsbericht kamen Experten nach der Befragung von 200 Soldaten allerdings zum überraschenden Ergebnis, dass sich die Waffe im Gefechtseinsatz durchaus als zuverlässig erwiesen hat.

          Bild: F.A.Z.

          Doch das Ministerium bleibt bei seiner Entscheidung und will 167.000 Gewehre wie geplant ausmustern. Schon Mitte 2014 wurden alle weiteren G36-Beschaffungen für die Bundeswehr gestoppt. Die Beschaffung einer neuen Waffe soll europaweit ausgeschrieben werden. Heckler & Koch hat also eine Chance, den Auftrag wieder zu gewinnen. Die Gewehre und Maschinenpistolen des Herstellers genießen einen guten Ruf, allein das G36 ist in über 30 Ländern im Einsatz. Zugleich ist die Waffenschmiede mit ihren 700 Mitarbeitern hoch verschuldet und steht seit Jahren unter ständiger Beobachtung.

          Gegen frühere Manager laufen seit Jahren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Dabei geht es um dubiose Waffengeschäfte mit Mexiko, vor allem um illegale Lieferung von G36 in die Unruheprovinzen des Landes. Dabei wird ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz geprüft. Der Abschlussbericht des Zollkriminalamts liegt seit Monaten vor. Der Ausgang des Verfahrens wird seitdem mit Spannung erwartet.

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