https://www.faz.net/-gqe-847w2

Jain und Fitschen werfen hin : Früherer UBS-Vorstand John Cryan wird Deutsche-Bank-Chef

  • Aktualisiert am

Bild: Frank Röth

Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, geben auf: Der Aufsichtsrat hat die Rücktrittsgesuche der beiden angenommen. Der Brite John Cryan wird Nachfolger.

          2 Min.

          Schon länger stehen sie unter Druck, nun werfen die Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank hin. Anshu Jain und Jürgen Fitschen haben dem Aufsichtsrat an diesem Sonntag ihren Rücktritt angeboten  - und das Gremium hat das Rücktrittsgesuch angenommen. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat auch schon einen Nachfolger für den Spitzenposten des Hauses benannt: John Cryan, der bis 2011 Finanzvorstand der Schweizer UBS war.

          John Cryan übernimmt das Ruder bei der Deutschen Bank.
          John Cryan übernimmt das Ruder bei der Deutschen Bank. : Bild: Reuters

          Anshu Jain wird schon Ende Juni sein Amt niederlegen und bis Januar 2016 als Berater bei der Deutschen Bank bleiben, teilte die Deutsche Bank mit. Jürgen Fitschen dagegen bleibt noch bis zur nächsten Jahreshauptversammlung im Mai 2016 im Amt. Die Deutsche Bank wird also zunächst weiterhin von einer Doppelspitze geführt; ab 1. Juli 2015 regiert Fitschen gemeinsam mit Cryan, „um einen geregelten Übergang sicherzustellen“, wie die Bank mitteilt. Ab Mai 2016 soll Cryan dann die Deutsche Bank als alleiniger Vorstandsvorsitzender führen.

          Cryan war nach seiner Zeit bei der Schweizer Großbank UBS von 2012 bis 2014 als Europa-Präsident für Temasek tätig, den Staatsfonds Singapurs. Außerdem sitzt er seit 2013 im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Dort ist er Vorsitzender des Prüfungsausschusses und Mitglied des Risikoausschusses. Sein Aufsichtsratsmandat legt er mit dem Amtsantritt im Vorstandsressort nieder.

          Unzufriedene Anleger

          Die Aktionäre der Deutschen Bank hatten das Führungsduo Jain und Fitschen auf der Hauptversammlung Mitte Mai in Frankfurt kräftig abgestraft. Dort stimmten nur 61 Prozent der Anwesenden für eine Entlastung der zuletzt heftig in der Kritik stehenden Vorstandsvorsitzenden. Besonders erzürnt waren die Aktionäre über den langjährigen Chef-Investmentbanker Jain. Großinvestoren wie Kleinanleger werfen ihm vor, eine Mitschuld daran zu tragen, dass die Bank durch teure Rechtsstreitigkeiten stark belastet wird. Aktionärsschützer begrüßten denn auch den Personalwechsel an der Spitze der Bank. „Die Investoren haben kein Vertrauen mehr zu Anshu Jain und Jürgen Fitschen gehabt“, sagte Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem „Tagesspiegel“.

          In 7000 juristische Streitfälle soll die Deutsche Bank verwickelt sein. Die Aufklärung erweist sich als länger und kostspieliger als gedacht. Erst am Freitag wurden Aktionäre und Beobachter der Deutschen Bank durch die Nachricht aufgeschreckt, dass ein Fall von Geldwäsche in Russland, mit dem die Bank konfrontiert ist, mit umgerechnet sechs Milliarden Dollar zu Buche schlagen wird.

          Zudem erzielt die Deutsche Bank unterdurchschnittliche Ergebnisse und die Aktionäre fürchten offenbar, dass das Geldhaus sein in fast 150 Jahren aufgebautes Ansehen verspielt. Selbst Aufsichtsratschef Paul Achleitner attestierte Jain und Fitschen auf der Hauptversammlung eine eher „durchwachsene“ Bilanz.

          Im April hatte das Institut verkündet, die vor sieben Jahren übernommene Postbank wieder abzuspalten. Das restliche Privatkundengeschäft mit den „blauen“ Filialen wird zusammengestrichen, während die Investmentbanker wieder an Macht gewinnen.

          Weitere Themen

          Arbeitslosenzahl sinkt im November Video-Seite öffnen

          Trotz Teil-Lockdown : Arbeitslosenzahl sinkt im November

          Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz neuer Corona-Beschränkungen im November gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November 2,699 Millionen Menschen arbeitslos, 61.000 weniger als noch im Oktober.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.