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Jahreszahlen der Großbanken : Wie stark ist die Deutsche Bank?

Die Doppeltürme der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: dpa

Erstmals seit Jahren dürfte die größte deutsche Bank einen Milliardengewinn vermelden. Den Investmentbankern winken höhere Boni. Doch Zahlen aus Amerika trüben das Bild.

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          Die Geschäftszahlen, die die großen Wall-Street-Banken in den vergangenen Tagen vorgelegt haben, stimmen alles andere als optimistisch. Nachdem sie über weite Strecken der Corona-Pandemie vom brummenden Geschäft an den Finanzmärkten profitiert haben, mussten JP Morgan, Goldman Sachs und Citi allesamt überraschend schwache Zahlen für die letzten drei Monate des Jahres 2021 vermelden. Vor allem im Anleihegeschäft sackten die Einnahmen ab. Am Mittwoch schlossen Morgan Stanley und die Bank of America den Bilanzreigen zwar doch noch mit teils deutlich besseren Zahlen als erwartet. Doch auch hier stach eine Zahl besonders hervor: Im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen nahm Morgan Stanley fast ein Drittel weniger ein als vor einem Jahr.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für die Deutsche Bank sind das schlechte Nachrichten. Ihre Investmentbank besteht seit dem Abschied vom Aktienhandel inzwischen fast nur noch aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Devisen. In den ersten neun Monaten 2021 nahm sie damit mehr Erträge ein als mit der Unternehmensbank und der Vermögensverwaltung zusammen. Als Staaten und Konzerne sich wegen der Coronakrise über Anleihen mit Geld eindeckten, ließ das die Gewinne sprudeln. Doch wenn Bankchef Christian Sewing nächsten Donnerstag seine Jahreszahlen präsentiert, wird er beweisen müssen, wie widerstandsfähig die Bank gegen ein Abkühlen dieses Geschäfts ist.

          Wettbewerber erhöhen die Boni

          Alles in allem erwarten die Analysten im Durchschnitt einen Vorsteuergewinn von 3,5 Milliarden Euro, wie aus dem nun veröffentlichten Konsensus-Report hervorgeht. Darin fasst die Bank die Erwartungen von 14 Analysten zusammen. 3,5 Milliarden Euro – das wäre zwar der erste richtige Milliardengewinn seit vielen Jahren. Doch angesichts der 3,3 Milliarden Euro, die das Institut schon nach neun Monaten in der Kasse hatte, spricht auch hier die Analystenerwartung für ein sehr schwaches Schlussquartal. Es läge im Trend, nachdem die Bank im ersten Quartal 1,6 Milliarden Euro verdient hatte, im zweiten Quartal 1,2 Milliarden und im dritten noch 550 Millionen.

          Die Aktionäre schauen nun vor allem, wie gut Sewing die Kosten im Griff hat. Die Aufwendungen für den großen Umbau der Bank sollen nach seinen Angaben schon großteils verdaut sein. Aber im Tagesgeschäft sind vor allem die Investmentbanker deutlich teurer geworden. Nach den hohen Gewinnen, die sie eingespielt haben, verlangen sie auch hohe Boni. Goldman Sachs brüstete sich gerade damit, dass sie für das vergangenen Jahr 30 Prozent mehr Gehalt und Boni auszahlt. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon verwies auf den harten Wettbewerb um die besten Köpfe. Im Umfeld der Deutschen Bank ist die Rede davon, dass der Bonustopf in den wichtigsten Abteilungen um 20 Prozent anwachsen dürfte.

          Vom Kostenziel abgerückt

          Als Sewing im Sommer 2019 seine Sparkur für die Bank vorstellte, wollte er bis zum Jahr 2022 die Kosten um sechs Milliarden auf dann noch 17 Milliarden Euro drücken. Zwischenzeitlich verschärfte er das Ziel sogar auf 16,7 Milliarden Euro, rückte aber rasch wieder davon ab: Statt einer absoluten Zahl will er nun bis Ende dieses Jahres eine Kosten-Ertrags-Relation von 70 Prozent erreichen. Bei höheren Erträgen dürfen also auch die Kosten höher liegen. Ein Jahr vor dem Stichtag liegen aber sowohl die Erwartungen zu den Kosten mit 19,3 Milliarden Euro als auch die zur Kosten-Ertrags-Relation mit 84 Prozent noch ein ganzes Stück von den Zielen entfernt.

          Hoffnung geben vor allem die wieder anziehenden Zinsen. Sie könnten der Bank im Geschäft mit Privat- und Unternehmenskunden endlich wieder bessere Erträge verschaffen und hatten zuletzt den Aktienkurs beflügelt. Kian Abouhossein, der für JP Morgan den europäischen Bankensektor beobachtet, stützt seine aktuell positiven Einschätzungen vor allem auf die zuletzt gestiegenen Anleiherenditen. Er zählt die Deutsche Bank neben der Schweizer UBS und der italienischen Unicredit zu seinen Favoriten.

          Rückenwind hat die Bank schon von ihrer Fonds-Tochtergesellschaft erhalten. Die DWS musste vor wenigen Tagen ad hoc vermelden, dass ihre Geschäftszahlen 2021 deutlich besser ausgefallen sind als erwartet. Im Konsensusbericht der Bank steht ihr Ergebnisbeitrag im vierten Quartal mit 205 Millionen Euro, tatsächlich werden es aber 387 Millionen Euro.

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