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Jahresergebnis 2009 : Deutsche Bank macht 5 Milliarden Euro Gewinn

  • Aktualisiert am

Deutsche Bank erhöht die Ausschüttung um 25 auf 75 Cent Bild: dpa

Die Deutsche Bank hat 2009 getragen von einem dicken Plus im Investmentbanking einen Überschuss von 5,0 Milliarden Euro eingefahren, nach einem Verlust von 3,9 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die Ausschüttung an die Aktionäre wird nur leicht erhöht.

          Die Deutsche Bank hat die Finanzkrise überraschend schnell hinter sich gelassen und im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro verdient. Grund für die rasche Erholung von den Rekordverlusten im Krisenjahr 2008 war die Anleiheflut klammer Staaten und Firmen, die dem Investmentbanking satte Erträge in die Kassen spülte. Im Schlussquartal kam das Kapitalmarktgeschäft allerdings etwas ins Stottern, da die Handelsaktivität im November und Dezember spürbar an Fahrt verlor. Zusätzlich belastete die angekündigte britische Bonussteuer - sie trieb die Personalkosten im Investmentbanking um 225 Millionen Euro nach oben. Die britische Regierung will Prämien der Investmentbanker mit 50 Prozent besteuern.

          Experten sind sich einig, dass schärfere Eigenkapitalvorschriften, neue Steuern auf Boni und Bankerträge sowie drohende Einschnitte im Eigenhandel das Investmentbanking in den nächsten Jahren belasten dürften.

          Im letzten Vierteljahr 2009 verdiente die Deutsche Bank dank Steuergutschriften 1,3 Milliarden Euro nach einem Verlust von 4,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Das Ergebnis liegt über den Markterwartungen: Analysten hatten im Schnitt einen Netto-Gewinn von 770 Millionen Euro vorausgesagt. Laut Deutscher Bank enthielt das Ergebnis Steuererträge in den Vereinigten Staaten von 554 Millionen Euro wegen Verlustvorträgen, die nun dank einer kräftigen Verbesserung der Ertragslage bilanziert werden konnten. Vor Steuern verbuchte das Institut wegen der Bonussteuer-Belastungen nur einen Gewinn von 756 Millionen Euro, was unter den Prognosen lag. Analysten sprachen von einem gemischten Bild. Unter dem Strich sehe das Ergebnis gut aus, das Vorsteuerergebnis habe jedoch enttäuscht.

          Ackermann: „Eine beachtliche Profitabilität“

          Die Deutsche Bank hat seit der Finanzkrise massiv Risikopositionen abgebaut und dadurch ihre Kapitalausstattung verbessert. Ackermann gibt sich zufrieden: „Wir haben bei deutlich vermindertem Risiko und mit kleinerer Bilanzsumme eine beachtliche Profitabilität erzielt“, erklärte er. Die Kernkapitalquote stieg Ende 2009 im Jahresvergleich auf 12,6 Prozent von 10,1 Prozent und liegt damit deutlich über der Zielmarke. Ackermann will die Gewinne vermehrt dazu nutzen, die Kapitalbasis zu stärken.

          Für das vergangene Jahr schlägt der Vorstand daher nur eine vergleichsweise kleine Dividende von 75 Cent je Aktie vor nach 50 Cent im vorangegangenen Jahr (Deutsche Bank zahlt höchstens 1 Euro Dividende). Für die Jahre vor der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank noch deutlich höhere Dividenden ausgeschüttet. So bezahlte sie etwa für 2007 noch 4,50 Euro je Anteilsschein, für das Jahr zuvor 4,00 Euro. Ackermann hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, nach der Finanzkrise erzielte Gewinne im Konzern behalten zu wollen, um die Kapitalbasis zu stärken.

          Die Bank zahlt ihren Investmentbankern dank des boomenden Geschäfts in vielen Bereichen wieder mehr Boni. Der gesamte Personalaufwand stieg 2009 um 18 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. „Die variable Vergütung stieg infolge des verbesserten operativen Ergebnisses“, hieß es in dem Bericht zum vergangenen Geschäftsjahr. Gedämpft worden sei der Anstieg aber durch die stärkere Streckung der Bonuszahlungen auf mehrere Jahre, wie sie von der Finanzaufsicht Bafin und den Politikern als Konsequenz aus der Finanzkrise gefordert worden war.

          „Die Erholung ist noch fragil“

          „Das Jahr 2010 hat vielversprechend begonnen“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. Beim Handel mit Wertpapieren und Devisen rechnet Ackermann nicht damit, dass die hohen Volumina und Gewinnmargen von 2009 wieder erreicht werden. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung warnte er vor falscher Sicherheit: „Die Erholung ist noch fragil, keinesfalls selbsttragend und mit einer Reihe von Risiken behaftet.“ Nur die staatlichen Stützungsmaßnahmen im In- und Ausland hätten einen stärkeren Einbruch verhindert.

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