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Allianz in der Pandemie : Europas größter Versicherer verdient fast 11 Milliarden Euro

Das Logo der Allianz am Hauptsitz des Versicherers im bayerischen Unterföhring Bild: dpa

Trotz der Corona-Krise blickt die Allianz auf ein gutes Jahr. Sorgen bereitet dem Versicherer allerdings die Stabilität der Finanzmärkte. Konzernchef Bäte warnt vor einer gefährlichen Spekulationsblase.

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          Das erste Schaubild, das in der virtuellen Bilanzpressekonferenz der Allianz auf dem Monitor erscheint, zeigt die Gesichter von Mitarbeitern und darüber in Großbuchstaben die Worte „Thank you“. Nach einem außergewöhnlichen Jahr, in dem Europas größter Versicherungskonzern nach Ansicht von Oliver Bäte Außergewöhnliches geleistet hat, weiß der Vorstandsvorsitzende, worauf es ankommt: „Ein ganz dickes Dankeschön“, sagt Bäte gehe deshalb an die 150.000 Beschäftigten in aller Welt. Und einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es obendrauf.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Denn trotz der Corona-Pandemie, die den Versicherer bislang 1,3 Milliarden Euro gekostet hat, kann Bäte von einem guten Jahr sprechen. Im Großen und Ganzen ist er zufrieden: die Sachversicherung habe „signifikante Einschläge“ gut weggesteckt, die Lebensversicherung sei „sehr widerstandsfähig“ und die Vermögensverwaltung habe „absolute Höchstleistungen“ abgeliefert.

          All das führt insgesamt zu einem operativen Gewinn von 10,8 Milliarden Euro, der zwar 9 Prozent unter dem Rekordergebnis des Vorjahres liegt, aber ausreicht, um die Dividende stabil bei 9,60 Euro je Aktie zu halten. „Ohne Covid-19 hätten wir unsere Ziele ganz klar erreicht“, resümiert Bäte. Er zeigt sich vor allem erfreut über die in der eigenen Bewertung gestiegene Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit.  

          Aber der ehrgeizige Vorstandschef, der die Allianz seit sechs Jahren führt, will sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Für das laufende Jahr nimmt er sich eine Gewinnsteigerung auf 11 bis 13 Milliarden Euro vor. Die Produktivität müsse weiter verbessert werden, fordert Bäte, Strukturen im Konzern sollten flacher sein. Die Bilanz werde nicht geschwächt, in dem „wir jetzt in den Sparstrumpf greifen“, verspricht er.

          Eine Restrukturierung hält Bäte gleichwohl nicht für notwendig. Ob das die Investoren überzeugt, wird sich zeigen. Bätes letzten Dreijahres-Plan, der unter dem Motto „Simplicity Wins“ steht, arbeitet der Konzern in diesem Jahr ab, ein neues Strategieprogramm soll zum Jahresende aufgelegt werden.

          Aktie legt um 2 Prozent zu

          Am Freitag ist die Börse erst einmal einverstanden, die Allianz-Aktie gehört mit einem Kursplus von fast 2 Prozent auf 197 Euro zu den Gewinnern im Dax. Etliche Analysten erklären, dass der Versicherer ihre Erwartungen übertroffen habe. Vor allem die  Ergebnisse und die Kapitalentwicklung seien „überraschend erfreulich“, sagt etwa Philip Kett vom Analysehaus Jefferies. Und die Schweizer Großbank UBS gibt für die Allianz-Aktie eine Kaufempfehlung einem Kursziel von 215 Euro aus.

          ALLIANZ

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          Sorgen bereitet der Allianz die Stabilität der Finanzmärkte. Bäte nutzt die eigene Pressekonferenz zur abermaligen Kritik an der Geldpolitik an der Europäischen Zentralbank und warnt vor einer gefährlichen Spekulationsblase. Die Situation an den Aktienmärkten ähnele der Situation vor dem Crash 2008 und dem des Jahres 2000: „Da kauft irgendeine Celebrity irgendein Bitcoin und dann explodieren die Preise für diese Assets. Das ist schon ziemlich verrückt, da müssen wir wirklich aufpassen.“

          Die Belastungen durch die Pandemie muss die Allianz zum größten Teil in der in der Schaden- und Unfallversicherung verkraften. Hier bricht der operative Gewinn um mehr als 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro ein. Besonders hoch sind die Schäden in der Versicherung gegen Betriebsunterbrechung und den Ausfall von Großveranstaltungen.

          Der seit Jahren defizitäre Allianz-Industrieversicherer AGCS liefert abermals einen operativen Verlust von 482 Millionen Euro ab. Und beim Kreditversicherer Euler Hermes bricht der operative Gewinn um mehr als drei Viertel auf 107 Millionen Euro ein. In der Lebens- und Krankenversicherung sind die Kunden vor allem in den wichtigen Märkten in Deutschland und Amerika bei Neuabschlüssen zurückhaltend. Das operative Ergebnis sinkt um 7 Prozent und erreicht wie die Sachversicherung 4,4 Milliarden Euro.

          Allein die Vermögensverwaltung mit den beiden Tochtergesellschaften Pimco und Allianz Global Investors erwirtschaftet eine Ergebnisverbesserung um 6 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Die kleinste der drei Sparten steigert das für Dritte verwaltete Vermögen um 26 Milliarden Euro auf 1,712 Billionen Euro. Einschließlich der Eigenanlagen nimmt das gesamte verwaltete Vermögen auf einen neuen Bestwert von 2,389 Billionen Euro zu. „Das neue Allzeithoch beim verwalteten Vermögen und die starke Produktivität sind ein gutes Vorzeichen für einen guten Start ins Jahr 2021“, sagt Finanzvorstand Giulio Terzariol – und bedankt sich bei den Mitarbeitern für die „tolle Leistung“.

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