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J.P. Morgan Chase : Zwei Milliarden Dollar in sechs Wochen verspekuliert

  • Aktualisiert am

Verspekuliert: JPMorgan Chase verliert zwei Milliarden Dollar in wenigen Wochen Bild: dapd

„Fehler, Schlampereien und schlechtes Urteilsvermögen“: Die größte amerikanische Bank J.P. Morgan Chase hat seit Anfang April rund zwei Milliarden Dollar mit einem riskanten Handelsportfolio verloren.

          Erneut hat sich eine Großbank mit riskanten Finanzwetten heftig verspekuliert. Die amerikanische Großbankank J.P. Morgan Chase musste am Donnerstag zugeben, dass binnen sechs Wochen ein Verlust von mindestens zwei Milliarden Dollar (1,54 Milliarden Euro) auflief, weil die Investmentabteilung sich mit Kreditausfall-Versicherungen verzockte. Angeblich soll ein französischer Händler in London der Hauptverantwortliche sein.

          Bankchef Jamie Dimon machte den Milliardenverlust in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz öffentlich und warnte, es könne „noch schlimmer kommen“. Die Verluste könnten sich um eine Milliarde Dollar oder mehr erhöhen.

          „Unerhörte Fehler“: Vorstandschef Jamie Dimon (Foto vom 3. Mai)

          Die Verluste seien selbstverschuldet, betonte Dimon. J.P. Morgan vergibt Kredite, und deren Ausfall bedeute das „allergrößte“ Risiko für die Bank. Deshalb habe die Bank massiv Versicherungen gegen mögliche Kreditausfälle gekauft, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) - und die Investmentabteilung handelte damit.

          Die Abteilung habe „unerhörte Fehler“ gemacht, sagte Dimon. Entscheidungen seien „schlecht überdacht und schlecht ausgeführt“ worden. „Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen“.

          „Der Londoner Wal“

          Das „Wall Street Journal“ hatte bereits im vergangenen Monat berichtet, ein französischer Händler in London, genannt „Der Londoner Wal“, habe der Bank mit seinen Geschäften riesige Verluste beschert. Dimon sagte am Donnerstag, die von ihm nun öffentlich gemachten Verluste hätten „nur wenig mit dem Artikel zu tun“. Vieles darin sei Spekulation.

          Kreditausfallversicherungen standen auch im Mittelpunkt der Finanzkrise 2008. Durch diese war J.P. Morgan ohne staatliche Hilfe gekommen - und entsprechend stolz darauf. Dimon gehört zu den schärfsten Kritikern der Pläne der amerikanischen Regierung, den Eigenhandel der Banken mit solchen Papieren stark einzuschränken.

          „Es ist bedauerlich, jetzt wird es jede Menge Kommentare geben“, die ihn deshalb ins Kreuzfeuer nehmen würden, sagte Dimon. „Aber damit müssen wir leben.“ Die Wertpapiergeschäfte, die die Verluste verursachten, hätten nicht gegen die geplanten Regeln der Regierung verstoßen, sondern gegen das „Dimon-Prinzip“, sagte er.

          Der demokratische Senator Carl Levin, der Banken-Regulierung zusammen mit dem früheren Notenbank-Chef Paul Volcker ausgearbeitet hatte, erklärte umgehend, die enormen Verluste von J.P. Morgan seien nur „der letzte Beweis dafür, dass das, was die Banken „Risikoabdeckung“ nannten, nur riskante Wetten seien, die Banken ab einer für das System wichtigen Größe nicht machen dürften.

          Der Fall ähnelt den spektakulären Verlusten, die einzelne Händler bei anderen Großbanken verursacht haben sollen. Jérôme Kerviel war im Oktober 2010 zu fünf Jahren Haft und einer Rekord-Geldstrafe von 4,9 Milliarden Euro verurteilt worden - der Summe, den Société Générale durch seine riskanten Spekulationen in Milliardenhöhe erlitten hatte. Kweku Adoboli ist in London angeklagt, weil er der UBS mit Fehlspekulationen einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro beschert haben soll.

          Die J.P. Morgan Chase hatte im vergangenen Monat einen Gewinn von 5,38 Milliarden Dollar für das erste Quartal ausgewiesen. Das waren zwar drei Prozent weniger als im Vorjahresquartal, aber mehr als erwartet. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf knapp 27 Milliarden Dollar.
           

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