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F.A.Z. exklusiv : Studie bescheinigt deutscher Autoindustrie große Innovationskraft

Manchmal glänzt Innovation: Techniker bauen auf der IAA Nutzfahrzeuge ein gläsernes Lkw-Führerhaus auf. Die diesjährige Messe startet am Mittwoch. Bild: dpa

Der Ruf der Autoindustrie als Innovationsmotor ist angekratzt. Doch der Eindruck einer die Zukunft verschlafenden Branche ist ein Zerrbild, wie eine neue Studie zeigt.

          „Autoindustrie verschläft... “ – dazu liefert die Suchmaschine Google auf Anhieb 34.000 Treffer. Die meisten dieser Einträge handeln von Elektromobilität, andere von Digitalisierung und autonomem Fahren; das Bild einer Branche voller Innovationskraft ist angekratzt. Doch es gibt auch Fakten, die eine andere Sichtweise nahelegen: Allein 40 Prozent aller Patentanmeldungen aus Deutschland kommen aus der Autoindustrie. Und von diesen wiederum hat nicht einmal mehr jede dritte mit dem Verbrennungsmotor zu tun. Fast genauso viele Patentanmeldungen entfallen auf Bereiche wie Digitalisierung, Elektronik und Sensoren. Das zeigt eine neue Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Sie liegt der F.A.Z. vorab vor.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Der in Politik und Öffentlichkeit sehr beliebte Vorwurf, die deutsche Autoindustrie verpenne die Zukunftstechnologien, wird dadurch widerlegt“, fasst Studienautor Thomas Puls die Ergebnisse zusammen. Puls und seine Kollegen haben dazu mehr als 40000 Patente ausgewertet, die 2015 angemeldet wurden; das sei der neueste Stand, da erst 18 Monate nach Anmeldung alle Informationen zugänglich seien. Neben Autoherstellern berücksichtigt die Studie auch Zulieferer sowie auf Fahrzeugbau spezialisierte Metallverarbeiter und Dienstleister. Um aber überhöhte Ergebnisse zu vermeiden, wurden andererseits Unternehmen wie Thyssen-Krupp und Siemens nicht gewertet – da ihr Geschäftsschwerpunkt ist nicht das Auto ist.

          Betrachtet man unter den Patentgruppen nur das Technologiefeld „Elektrische digitale Datenverarbeitung“, dann kamen 43 Prozent der ausgewerteten Neuanmeldungen aus Unternehmen der Fahrzeugindustrie. Selbst unter den neu angemeldeten Patenten zum Thema 3D-Druck galt dies für jedes sechste, wie die Forscher ermittelten. Typische Anwendungsbereiche für digitale Technologien seien dort das autonome Fahren, 3D-Druck-Leichtbaukomponenten und Fahrassistenzsysteme.

          Zulieferer sind innovativer als Markenhersteller

          Zusammen mit den anderen Innovationen, die nicht vom konkreten Antriebskonzept abhängen, entfielen damit 70 Prozent der Patentanmeldungen auf Technologiebereiche, die auch im Wandel zur Elektromobilität zukunftssicher gelten könnten, folgert das IW. Außerdem liege es nahe, dass dieser Anteil nach dem Jahr 2015 weiter gestiegen sei, da seither „die Entwicklung von alternativen Antrieben und von Anlagen zum autonomen Fahren noch einmal deutlich an Dynamik gewonnen hat“.

          Größter einzelner Patentanmelder aus der Fahrzeugindustrie ist der vorliegenden Auswertung zufolge die Robert Bosch GmbH, die im Jahr 2015 an allein 3300 Anmeldungen beteiligt war. Auf den weiteren Rängen folgen die Schaeffler-Gruppe, Daimler, BMW und Continental. Volkswagen folgt nur deshalb erst dahinter, weil die Studie die Patente aus den Konzerntöchtern Audi, Porsche und MAN separat erfasst. Andernfalls läge VW läge auf Platz zwei hinter Bosch.

          Allerdings zeigt der Vergleich auch, dass die Zulieferer insgesamt eine noch größere Rolle spielen als die Markenhersteller: Unter dem Strich kamen fast zwei Drittel der ausgewerteten Patente von ihnen. Unter den „Top Ten“ sind neben Bosch, Schaeffler und Conti noch ZF Friedrichshafen und Mahle.

          Der hohe Anteil an den gesamten Patentanmeldungen „unterstreicht die hohe Bedeutung der Kfz-Unternehmen für die Innovationsleistung in Deutschland“, folgern IW-Forscher. Die anhand der Patentanmeldungen ermittelten Ergebnisse passen dabei gut zu anderen Indikatoren. So lasse sich aus anderen Datenquellen etwa feststellen, dass Unternehmen der Fahrzeugindustrie ihr Anlagevermögen in Form geistigen Eigentums von 2005 bis 2015 um 63 Prozent gesteigert hätten, Unternehmen des übrigen verarbeitenden Gewerbes dagegen nur um 32 Prozent.

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