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Israelische Produkte : KaDeWe rudert nach Streit zurück

  • -Aktualisiert am

Israels Ministerpräsident Netanjahu kritisierte das Kaufhaus KaDeWe für seinen „moralisch, sachlich und historisch unangemessenen Schritt“. Bild: dpa

Das Berliner Nobel-Kaufhaus KaDeWe nimmt israelische Produkte aus dem Sortiment und erntet dafür Kritik von Benjamin Netanjahu. Die zeigt Wirkung.

          Ein Kaufhaus nimmt Produkte aus dem Sortiment, der Ministerpräsident eines Landes äußert sich empört – und plötzlich war alles nicht so gemeint. Das ist die Kurzfassung einer komplizierten Geschichte, in der es um mehr geht als ein paar Flaschen Wein in den Regalen: Sie beginnt in der vorletzten Woche mit einem Beschluss der Europäischen Kommission, in dem es um die Kennzeichnung von Produkten aus israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten geht. Kurz darauf nimmt das Berliner Nobelkaufhaus KaDeWe Produkte aus dem Sortiment, die der Kennzeichnungspflicht nach Ansicht des Kaufhauses nicht entsprechen.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Waren wie Wein, Obst, Gemüse oder Kosmetika aus dem Westjordanland, Ostjerusalem und von den Golanhöhen müssen nach den Vorgaben der EU-Kommission in allen 28 Mitgliedstaaten besonders gekennzeichnet werden; die pauschale Angabe „Israel“ reicht demnach nicht. Die Konsumenten sollen somit entscheiden können, ob sie Waren aus diesen Regionen kaufen wollen – oder sie bewusst boykottieren.

          Netanjahu spricht von Boykott

          Eine Sprecherin des Kaufhauses, das dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko und der italienischen Warenhausgruppe La Rinascente gehört, bestätigte die Maßnahme. Selbstverständlich werde man die Produkte nach korrekter Kennzeichnung wieder unverzüglich in den Regalen haben, sagte sie auf Anfrage am Freitag.

          Daraufhin sprach Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag von einem „Boykott“ von Siedlerprodukten. „Dieses Kaufhaus war in jüdischem Besitz, die Nazis haben es enteignet“, sagte Netanjahu in Jerusalem. „Es ist absurd, dass dieses Kaufhaus jetzt Produkte aus den Siedlungen in Judäa und Samaria (Westjordanland) und den Golanhöhen kennzeichnet.“ Es habe mit der Kennzeichnung von Produkten begonnen, „und jetzt erfahren wir, dass die Produkte ganz aus dem Verkauf genommen wurden – ein echter Boykott“, sagte der Regierungschef. „Wir protestieren scharf gegen diesen moralisch, sachlich und historisch unangemessenen Schritt“, erklärte er. Die deutsche Regierung müsse in dieser schwerwiegenden Sache aktiv werden.

          Plötzliche Kehrtwende bei KaDeWe

          Die Angelegenheit schlug weitere Wellen. Ein Sprecher von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte der F.A.Z., weitere Fälle dieser Art seien bisher nicht bekannt geworden. Ohnehin habe die EU-Kommission keine neue Verordnung erlassen, sondern eine schon bestehende Herkunftsrichtlinie für importierte Produkte in diesem Punkt konkreter ausgelegt. „Was drauf steht, muss auch drin sein“, sagte der Sprecher zum Sinn der Brüsseler Direktive: Verbraucher sollten vor Täuschungen geschützt werden.

          Für Deutschland ändere sich durch die „Interpretationsnote“ aus der vorletzten Woche ohnehin nichts, weil die Kontrollbehörden hierzulande schon immer auf die korrekte Umsetzung geachtet hätten. Entschieden wies der Ressortsprecher die Vorstellung zurück, es handele sich um eine spezielle „Lex Israel“.

          Sonntag am Nachmittag dann die Kehrtwende bei KaDeWe – Netanjahus Worte zeigten offenbar Wirkung. „Die acht israelischen Weine werden ab sofort wieder im Sortiment sein“, teilte das Unternehmen im Netzwerk Facebook mit. Hausintern sei „zu rasch und unsensibel“ gehandelt worden. „Wir bedauern, dass es durch dieses falsche Verhalten seitens der KaDeWe Group zu Missverständnissen gekommen ist und bitten dies zu entschuldigen.“

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