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iPod-Konkurrenz : Microsoft macht Musik

In Deutschland noch nicht zu haben: Die Neuauflage des Zune Bild: AP

Der Einstieg von Microsoft in das Geschäft mit digitalen Musikspielern vor einem Jahr ging daneben. Die Kritiken waren verheerend und gegen den iPod von Apple war kein Stich zu machen. Die Neuauflage des „Zune“ stößt aber auf positive Resonanz. Sogar von Engpässen ist die Rede.

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          Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft lässt sich von Spöttern nicht beirren. Gerne wird Microsoft vorgeworfen, ein innovationsschwacher und träger Gigant zu sein, der sein Geld mit alten und etablierten Produkten wie dem Betriebssystem Windows oder der Bürosoftware Office macht, aber in neuen Geschäften nicht vorankommt. Die Anti-Microsoft-Front durfte sich vor gut einem Jahr wieder einmal bestätigt fühlen, als Microsoft den digitalen Musikspieler Zune vorstellte und damit eine Attacke auf den iPod von Apple startete. Vielen Skeptikern klang das von Anfang an nach einem Himmelfahrtskommando, schließlich nahm es Microsoft mit einem der Kultgeräte schlechthin in der Elektronikbranche auf. Tatsächlich war die Marktresonanz auf den Zune äußerst unterkühlt: Das nur in Amerika erhältliche Gerät bekam verheerende Kritiken, und die Verkaufszahlen waren vernachlässigbar.

          Roland Lindner
          (lid.), Wirtschaft

          Aber Microsoft ist hartnäckig und hat vor rund einem Monat die zweite Generation des Zune eingeführt - und auf einmal zeichnet sich eine erstaunliche Wende ab. Das Fachpublikum begegnete der Neuauflage mit großem Wohlwollen, und auch bei den Verbrauchern scheint der neue Zune weitaus besser anzukommen als der alte. Kurz nach dem Verkaufsstart meldeten einige Einzelhändler, das größte und teuerste der drei Zune-Modelle sei ausverkauft oder habe eine Lieferzeit von mehreren Wochen. Auf dem Internetmarktplatz Ebay wurden mehr als 300 Dollar für dieses Gerät bezahlt, obwohl der Ladenverkaufspreis nur bei knapp 250 Dollar liegt.

          Das 80 Gigabyte Modell ist gefragt

          Beim Online-Einzelhändler Amazon war dieser Zune kurzzeitig der meistverkaufte digitale Musikspieler. Mittlerweile ist er wieder zurückgefallen und belegte Mitte der Woche Rang sieben in der Bestsellerliste hinter sechs iPod-Modellen. Damit schneidet das Gerät aber noch immer weitaus besser ab als sein Vorgänger, der nach seiner Einführung unter ferner liefen rangierte. Außerdem liegt der Zune vor anderen iPod-Wettbewerbern wie Sandisk - auch das hat er in der ersten Version nicht geschafft. Das alles sind freilich nur erste Indizien zur Entwicklung des neuen Zune - konkrete Zahlen von Microsoft oder von Marktforschungsinstituten gibt es noch nicht. Und die gute Entwicklung betrifft vor allem das größte der drei Zune-Modelle mit einer Speicherkapazität von 80 Gigabyte, während die beiden kleineren Versionen mit vier und acht Gigabyte schlechter abschneiden. Trotzdem liegt insgesamt der Schluss nahe, dass der Zune in seiner neuen Version nicht mehr wie Blei in den Regalen liegt - und das ist für Microsoft ein gewaltiger Fortschritt.

          Mit der neuen Generation des Zune attackiert Microsoft den Konkurrenten Apple
          Mit der neuen Generation des Zune attackiert Microsoft den Konkurrenten Apple : Bild: REUTERS

          Microsoft selbst hat schon seit dem Zune-Start vor einem Jahr beteuert, zufrieden mit der Resonanz zu sein. Im ersten Jahr sind nach Angaben von Microsoft etwas mehr als eine Million Zunes verkauft worden. Damit verblasst Microsoft freilich noch völlig neben dem iPod, von dem allein im vergangenen Quartal mehr als zehn Millionen Einheiten abgesetzt worden sind. Seit der Einführung im Jahr 2001 hat Apple weit mehr als hundert Millionen iPods verkauft.

          Apple dominiert

          An der Dominanz von Apple in dem Geschäft hat sich seit der Einführung des Zune nichts geändert: Nach Angaben des Marktforschungsinstituts NPD Group hatte Apple im Geschäft mit digitalen Musikspielern in Amerika im dritten Quartal dieses Jahres gemessen am Umsatz einen Anteil von 85,6 Prozent. Microsoft kam auf 3,1 Prozent. Im Schlussquartal 2006, als der Zune auf den Markt kam, lag der iPod bei 81,9 Prozent und der Zune ebenfalls bei 3,1 Prozent.

          Microsoft ist schon mit anderen Produkten in der Vergangenheit schwach gestartet, hat dann aber langen Atem bewiesen und aufgeholt. So stieß die Videospielekonsole Xbox bei ihrer Einführung im Jahr 2001 auf schwache Resonanz, baute dann aber ihren Marktanteil stetig aus. Die zweite Generation Xbox 360, die im Jahr 2005 auf den Markt kam, war ein großer Erfolg. Zwar kämpft Microsoft noch immer mit Problemen: Das Unternehmen sah sich in diesem Jahr zu Preissenkungen bei der Xbox gezwungen und musste einen hohen Sonderaufwand wegen fehlerhafter Geräte verbuchen. Trotzdem ist Microsoft neben japanischen Anbietern wie Sony oder Nintendo mittlerweile zu einer ernstzunehmenden Größe im Geschäft mit Videospielen geworden.

          Wenig Hoffnung auf baldigen Verkaufsstart in Deutschland

          Die einflussreichsten Kritiker in amerikanischen Medien sind sich einig, dass Microsoft mit dem neuen Zune einige Schwachstellen behoben hat, wobei die meisten von ihnen den iPod noch immer als das überlegene Produkt ansehen. Der neue Zune kommt optisch nicht mehr so klobig daher wie der alte und hat eine deutlich bessere und elegantere Steuertaste, die nach Ansicht des Testers der „New York Times“ so gut ist wie das runde „Click Wheel“ beim iPod. Gelobt wird auch eine verbesserte Drahtlostechnologie - eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale des Zune vom iPod, das es den Nutzern erlaubt, Titel untereinander auszutauschen. Der Zune hat außerdem im Gegensatz zum iPod ein integriertes Radio.

          Trotz der ersten Erfolgsmeldungen konzentriert sich Microsoft mit dem Zune vorerst weiter auf Amerika, eine etwaige Markteinführung in Deutschland steht noch in den Sternen. Vor einem Jahr verlautete von der deutschen Tochtergesellschaft noch, die Einführung komme hierzulande „wohl 2007“, mittlerweile legt sich das Unternehmen gar nicht mehr fest. Stephan Brechtmann, der bei Microsoft in Deutschland die Unterhaltungselektroniksparte verantwortet, machte unlängst wenig Hoffnung auf einen baldigen Start des Geräts, als er den deutschen Markt für digitale Musikspieler als „einen der schwierigsten der Welt“ bezeichnete. Der deutsche Markt sei stärker zersplittert als der amerikanische: Es gebe mehr Anbieter, und die Kunden hätten weniger Markenbewusstsein und Loyalität als in Amerika - was die Etablierung einer neuen Marke erschwere.

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