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iPhone 5 : Retter der Weltwirtschaft

Das neue iPhone steht zum Verkauf. Das Vorgängermodell ging am ersten Wochenende vier Millionen Mal über die Ladentheke Bild: dpa

Das iPhone macht die Menschheit reich, behaupten freche Ökonomen. Nehmen sie den Mund zu voll? Oder kann das Smartphone wirklich die Wirtschaft des ganze Landes um einen halben Prozentpunkt anheben?

          Amerika, die angeknackste Supermacht, mag so tief gespalten sein wie selten - es eint der Glaube an den Gott: „Es geht um Träume!“, ruft Präsidentenanwärter Mitt Romney den Wählern zu: „Steve Jobs wurde gefeuert, kam zurück und veränderte die Welt.“ Präsident Barack Obama spricht auf seiner Krönungsmesse das Gebet: „In Amerika glauben wir daran, dass ein kleines Mädchen der Armut entfliehen und der nächste Steve Jobs werden kann.“

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Da lacht Amerika nicht ob dieser Komik, Amerika jubelt. Mag der iGott tot sein, Steve Jobs’ Vermächtnis, das iPhone, lebt. Rund um den Erdball halten die Massen wieder Wache vor den heiligen Apfel-Hallen, um nach duldsamen Stunden Euro, Pfund oder Dollar auf die Theke zu legen und die sechste Generation des erfolgreichsten Telefons aller Zeiten in Empfang nehmen zu dürfen.

          Vom letzten iPhone verkaufte Apple am ersten Wochenende vier Millionen Stück. Vom neuen iPhone 5, das seit Freitag zu haben ist, sollen es doppelt so viele werden. Neben dem neuen Riesenbildschirm hofft Amerika auf eine wahrhaft revolutionäre Funktion: nun soll das iPhone auch noch die gesamte Wirtschaft retten.

          „Vergesst die Fed, es lebe das iPhone“

          Das teure Objekt werde das Wachstum stärker treiben als die Zentralbank Federal Reserve, die mit Stützungskäufen in Höhe von 40 Milliarden Dollar pro Monat die Konjunktur zu stimulieren erhofft, behauptet der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh. Und der Chefvolkswirt der weltweit zweitgrößten Bank JP Morgan, Michael Feroli, rechnet vor, wie groß der Effekt der Apple-Konjunkturspritze ausfallen dürfte: Bis zu einem halben Prozentpunkt könnte das iPhone die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal steigern - bei einer Wachstumsrate von insgesamt 2 Prozent.

          Die Rechnung ist bestechend, ihrer Faszination kann sich kein Experte entziehen: Von den 600 Dollar, die Apple von den Telefongesellschaften für das iPhone verlangt, bleiben nach Abzug der Kosten für die Fertigung in China 400 Dollar je Gerät für Amerikas Volkswirtschaft. Bei 8 Millionen Geräten steigt so das Bruttoinlandsprodukt - die Summe aus Konsum, Investitionen und Exportüberschuss - um 3,2 Milliarden Dollar im Quartal. „Vergesst die Fed, es lebe das iPhone“, heißt es nun in den Internet-Blogs, und tatsächlich macht einen die steile These schwindelig: Kann eine einzelnes Gut die Ökonomie verändern?

          Wäre der iPhone-Hersteller im amerikanischen Aktienindex Dow Jones gelistet, nähme er ein Drittel von dessen Gesamtwert ein - am Freitag notierte die Aktie des weltgrößten Unternehmens bei 700 Dollar, Tendenz steigend.

          iPhone-Verkäufe und Apple-Aktie

          Doch ist der Konsumeffekt für die Gesamtnachfrage wirklich so stark, wie das iPhone-besoffene Amerika hofft? „Nicht zulässig“ sei solch ein Zahlenspiel, moniert Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts. Und Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erinnert sich zwar gut daran, wie der Internet-Hype zur Jahrtausendwende Milliarden in die Märkte spülte und das Wachstum trieb: „Doch das iPhone ist nur ein Telefon.“

          Wohin, fragt Krämer, hätten die iPhone-Jünger ihre Dollar getragen, existierte ihr Spielzeug nicht? Aufs Sparbuch? Oder zu Samsung, den anderen Handyproduzenten? Das ist das Hauptargument gegen die These vom Wirtschaftsmotor iPhone: Dass die Bürger ihr Geld nur einmal ausgeben können. Was das Gerät wirklich mehr an Konsum bringt, weiß keiner - ist die Lage doch unübersichtlicher als etwa im kleinen Finnland, dessen Wachstum in den Glanzzeiten zur Hälfte von Nokia getragen wurde.

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