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Investorensuche : Scheich Hamdan bestätigt Interesse an Opel

  • Aktualisiert am

Zeigt Interesse an Opel: Scheich Hamdan, stellvertretender Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Petrodollars für Opel? Ein Einstieg der Araber bei der GM-Tochter ist offenbar wahrscheinlicher als zunächst gedacht: Der stellvertretende Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate hat nun in einem Fernsehinterview sein Interesse bestätigt. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie sei schon in Arbeit.

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          Der stellvertretende Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Hamdan bin Zayed Al Nahyan, hat in einem Interview das Interesse an einer Beteiligung an dem angeschlagenen Autobauer Opel bestätigt. Wie der nordrhein-westfälische Fernsehsender „NRW.TV“ mitteilte, wurde bereits eine Wirtschaftlichkeitsstudie in Auftrag gegeben, von deren Ergebnis ein Investment abhängig gemacht werde.

          Voraussetzung sei die rechtliche Herauslösung Opels aus dem Mutterkonzern General Motors (GM). Auf die Frage, ob man sich eine gemeinsame Beteiligung der Bundesregierung, von GM und anderen Investoren vorstellen könne, habe Scheich Hamdan ausdrücklich Zustimmung signalisiert, berichtete der Sender.

          Bundesregierung forciert Investorensuche

          Gleichzeitig forciert die Bundesregierung offenbar ihre Suche nach einem Investor im arabischen Raum. Nach der Ankündigung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, nach Abu Dhabi zu reisen, um das Emirat zu einem Einstieg bei Opel zu bewegen, will jetzt anscheinend auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eine Reise nach Abu Dhabi antreten.

          Abu Dhabi ist bereits neuer Großaktionär bei Daimler - bald auch bei Opel?
          Abu Dhabi ist bereits neuer Großaktionär bei Daimler - bald auch bei Opel? : Bild: DPA

          Guttenberg sagte in Berlin, es sei nicht ausgeschlossen, dass er selbst das Gespräch suchen werde. Die Zeitung „Handelsblatt“ berichtet, der Minister könne bereits in der kommenden Woche den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Stippvisite abstatten. Ins Gespräch gekommen war neben Abu Dhabi auch ein möglicher Besuch in Dubai.

          Abu Dhabi grundsätzlich an Industriebeteiligungen interessiert

          Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte als erstes mitgeteilt, das Gespräch mit Abu Dhabi zu suchen. Zustande gekommen war der Kontakt zwischen Abu Dhabis Vizepremier, Scheich Hamdan, und Rüttgers durch die Vermittlung eines nicht namentlich genannten nordrhein-westfälischen Unternehmers. In dessem privaten Haus hatte es vor einigen Tagen Gespräche zwischen deutschen Unternehmern und Vertretern von Abu Dhabi gegeben, in denen Opel am Rande erwähnt wurde.

          Das Emirat interessiert sich grundsätzlich für Industriebeteiligungen in Deutschland, nachdem mit dem Einstieg bei westlichen Banken hohe Verluste gemacht worden waren. Zuletzt war ein Staatsfonds des Emirats mit 9 Prozent bei Daimler eingestiegen und hatte die Mehrheit bei der ehemaligen MAN-Tochtergesellschaft Ferrostaal aus Essen übernommen, einem Generalunternehmer im Anlagenbau.

          Betriebsrat zeigt sich offen für Engagement der Araber

          Der Bochumer Opel-Betriebsrat zeigte sich offen für ein mögliches Engagement arabischer Investoren bei dem Autobauer. Der Betriebsrats-Vorsitzende Rainer Einenkel sagte, er könne im Moment nicht einschätzen, wie realistisch diese Option sei. Für den Betriebsrat sei auch wichtig, dass Standorte und Arbeitsplätze erhalten bleiben, „sonst wird es von uns keine Unterstützung geben“. Eine Opel-Sprecherin sagte auf Anfrage, es gebe derzeit Gespräche mit Interessenten. Details nannte sie nicht.

          Die Gewerkschaft IG Metall will in den kommenden Tagen Bedingungen für einen potentiellen Investor ausarbeiten. Man wolle die Interessen der Arbeitnehmer „für alle Beteiligten klarstellen“, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild der „Thüringer Allgemeinen“. Er sagte, es sei wichtig, dass es keine Kündigungen gebe und dass das technische Potential im Unternehmen bleibe und weiterentwickelt werde.

          Auch der geplante Saab-Verkauf kommt voran

          Unterdessen kommt auch der geplante Verkauf der insolventen schwedischen Opel-Schwestergesellschaft Saab voran. Beide Autohersteller gehören zum amerikanischen General-Motors-Konzern, dem die Zahlungsunfähigkeit droht. Für Saab gibt es nach Angaben des Insolvenzverwalters Guy Lofalk rund 20 Interessenten. GM will sich binnen neun Monaten von dem Unternehmen trennen.

          Ein schwedisches Gericht gab Saab mit einer Verlängerung des Gläubigerschutzes mehr Zeit für die Sanierung. Zudem stimmten wichtige Gläubiger dem beantragten Erlass von drei Viertel der nachrangigen Schulden zu. Das Unternehmen benötige allerdings 1 Milliarde Dollar für neue Modelle und die Restrukturierung, erklärte Lofalk.

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