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Planted Foods : Frisches Geld für das vegane Huhn

Hoffnungsträger auf dem Teller: Hühnerbrustfilet ganz ohne Hühnerfleisch Bild: Planted

Investoren füttern das Schweizer Jungunternehmen Planted Foods mit 70 Millionen Franken. Damit ist der nächste Wachstumsschritt gesichert.

          3 Min.

          Der Jubel im Markt für pflanzliche Fleischersatzprodukte ist einer gewissen Katerstimmung gewichen. Einst gefeierte Branchenpioniere wie Beyond Meat und Oatly verfehlten ihre Wachstumsziele und stürzten an der Börse ab. Auch das auf vegane Lebensmittel spezialisierte Berliner Unternehmen Veganz ist tüchtig unter die Räder gekommen. Zum Börsengang im November vergangenen Jahre gab Veganz seine Aktien zum Preis von 87 Euro ab. Aktuell notiert das Papier unterhalb von 16 Euro.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Trotz dieser ernüchternden Entwicklungen scheint der Wille von Kapitalgebern, in Anbieter veganer Kost zu investieren, nicht vollständig zu erlahmen. Darauf deutet zumindest die Finanzierungsrunde hin, von der Christoph Jenny zu berichten weiß. Jenny ist einer der vier Gründer der Planted Foods AG. Das Schweizer Start-up, das aus Erbsenprotein, Sonnenblumen, Rapsöl und anderen natürlichen Zutaten vegane Ersatzprodukte für Hühnchen und Schwein bastelt, erhalte von Finanzinvestoren 70 Millionen Franken frisches Kapital, um das weitere Wachstum zu finanzieren, sagte Jenny im Gespräch mit der F.A.Z.

          Große Geldgeber im Hintergrund

          Die Finanzspritze spiegele das Vertrauen der Investoren in die Innovationskraft des Unternehmens und dessen Zugkraft am Markt. Zugleich sieht sich Jenny damit in der Strategie bestätigt, anders als viele Konkurrenten die veganen Kreationen selbst zu produzieren. „Wir bestimmen unsere Liefermengen selbst und erzielen dank der Eigenproduktion obendrein höhere Margen als die börsennotierte Konkurrenz.“

          Wie hoch die Margen sind, verrät Jenny indes nicht. Auch Fragen zu Umsatz und Ergebnis beantwortet er nicht. Er gibt lediglich zu, dass das 2019 gegründete Spin-off der ETH Zürich angesichts der hohen Investitionen in Forschung, Entwicklung, Produktion und Markterschließung noch ziemlich weit von der Gewinnschwelle entfernt ist. Daher gebe es zwar die grobe Absicht, aber noch keinen konkreten Plan, Planted an die Börse zu führen. „Wir wollen unsere Aufbauarbeit in Ruhe fortsetzen und uns noch nicht durch eine Börsennotierung unter Ergebnisdruck setzen lassen.“

          Die Finanzierungsrunde wird von L Catterton angeführt, einem großen amerikanischen Finanzinvestor, der auf die Konsumgüterbranche spezialisiert ist und im vergangenen Jahr durch die Übernahme des Sandalenherstellers Birkenstock Schlagzeilen machte. Im Übrigen sind die gleichen Geldgeber mit an Bord, die bereits die ersten 45 Millionen Franken zur Verfügung gestellt hatten. Dazu zählen Vorwerk Ventures, Movendo, der Fußballer Yann Sommer und Oetkers Beteiligungsgesellschaft Be8 Ventures. Neu dabei ist Tengelmann Ventures. Davon erhofft sich Jenny auch Impulse im operativen Geschäft: „Tengelmann Ventures hat ein großes Netzwerk.“

          Auch deutscher Markt im Visier

          Laut Jenny profitiert Planted Foods von den Diskussionen um die lange Liste an künstlichen Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern, die in vielen veganen Produkten (wie dem Burger von Beyond Meat) zu finden sind. Planted indes verwende nur natürliche Zutaten. Außerdem sieht sich das Unternehmen technologisch führend, wenn es um die Struktur und den Biss der vermeintlichen Hähnchen- und Dönerspeisen geht.

          Planted bietet nicht mehr nur geschnetzelte Fleischimitate an, sondern bringt jetzt erstmals auch ganze Stücke auf den Markt. „Unsere neue vegane Hähnchenbrust erreicht zu 80 Prozent das gute Geschmacksprofil des fleischlichen Vorbilds, ist aber zugleich saftiger als das Original“, sagt Jenny. In etwa 18 Monaten wolle Planted so weit sein, auch rotes Fleisch am Stück pflanzlich nachzubauen. Von den inzwischen 210 Beschäftigten der Firma arbeiteten 65 in Forschung und Entwicklung.

          Mithilfe des frischen Kapitals will die Firma das Geschäft in den Nachbarländern der Schweiz deutlich ausbauen und die Produktionskapazitäten binnen zwei Jahren mindestens verdoppeln. Bisher wird die vegane Kost ausschließlich am Firmensitz in Kemptthal bei Zürich produziert. Nun wollen die Jungunternehmer einen weiteren Standort in einem der großen Absatzmärkte aufbauen. Dabei sei Deutschland klar mit im Rennen, wie Jenny betont.

          In Deutschland, wo Planted unter anderem bei Edeka präsent ist, sind die Konsumenten besonders preissensibel. Bremst nun die Inflation den Absatz? Jenny gibt zu, dass der Ladenverkauf zuletzt unterhalb der Erwartungen geblieben ist, weil viele Konsumenten auf die Discounter wie Aldi und Lidl auswichen. Aber an den Preisen liege das nicht. „Hähnchen aus deutscher Zucht sind deutlich teurer geworden, während wir die Preise für unsere Produkte gehalten oder gesenkt haben.“

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