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Monsanto-Übernahme : Investoren erzwingen Musterklage gegen Bayer

Bayer-Logo in Wuppertal Bild: dpa

Der Bayer AG werden schwere Fehler in ihrer Kommunikation der Monsanto-Übernahme vorgeworfen. Anleger sehen sich von dem Konzern über die wirtschaftlichen Risiken getäuscht.

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          Im kommenden Jahr muss sich die Bayer AG einem weiteren ­milliardenschweren Rechtsstreit im Zusammenhang mit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2016 stellen. Wie die Kanzlei Tilp am Mittwoch mitteilte, hat das Landgericht Köln dem Antrag stattgegeben, ein Kapitalanleger-Musterverfahren (KapMuG) vor dem Oberlandesgericht Köln einzuleiten. Der Antrag soll zeitnah im Bundesanzeiger veröffentlicht werden, hieß es von Gerichtsseite.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Musterklage könnten dann Feststellungen für anhängige Einzelklagen vor deutschen Gerichten geklärt werden. Anleger sehen sich von Bayer über die wirtschaftlichen Risiken der Monsanto-Übernahme getäuscht, welche die US-Verbraucherklagen wegen des Wirkstoffs Glyphosat mit sich brachten.

          „Im Zeitraum zwischen der Verkündung des ersten glyphosatbezogenen Urteils im Fall von Dewayne Johnson am 10. August 2018 und dem zweiten Urteil im Fall von Edwin Hardeman am 28. März 2019 sank der Kurs der Bayer-Aktie von über 93 Euro auf circa 56 Euro und damit um knapp 40 Prozent“, sagt Tilp-Anwalt Axel Wegner.

          Wohl bis zu 1,5 Milliarden Euro Forderungen

          Nach Auskunft der Kanzlei können Investoren, die ihre Aktien im Zeitraum zwischen dem 14. September 2016 und 19. März 2019 erworben haben, noch bis zum Jahresende 2021 Ansprüche gegen Bayer geltend machen, danach droht die Verjährung. Einer früheren Aussage ihres verstorbenen Namenspartners Andreas Tilp zufolge sollen sich die Forderungen gegen Bayer auf bis zu 1,5 Milliarden Euro belaufen. Auch die US-Kanzlei Hausfeld klagt in Köln 37 Millionen Euro für Investoren ein.

          „Wir halten die Klagen wegen angeblich fehlerhafter Kapitalmarkt-Kommunikation im Zusammenhang mit der Monsanto-Akquisition für unbegründet“, teilte ein Bayer-Sprecher auf Anfrage mit. Das Unternehmen habe die Gesetze eingehalten und sei seinen Veröffentlichungspflichten nachgekommen.

          Nachdem dem Konzern unter anderem von dem Aktionär und früherem Chef der Fondsgesellschaft DWS, Christian Strenger, vorgeworfen wurde, dass der Vorstand die Übernahme von Monsanto nicht ausreichend geprüft habe, hatte Bayer im Februar 2020 eine freiwillige, unabhängige Sonderprüfung beauftragt. Der Prüfer kam zum Ergebnis, dass die konzerninternen Vorgaben und Anforderungen von Bayer zur Due-Diligence angemessen seien.

          Der Dax-Konzern argumentiert daher, dass der Vorstand bei dem Zukauf pflichtgemäß gehandelt habe. „Wir werden uns in dem Verfahren dementsprechend verteidigen“, teilte Bayer nun mit. Der Beschluss des Landgerichts Köln, auf den sich die Kanzlei Tilp beziehe, sei Bayer bislang nicht zugestellt worden. Am Montag lag der Aktienkurs von Bayer im Tagesverlauf gut 1 Prozent im Minus. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 45 Milliarden Euro ist das Unternehmen an der Börse deutlich weniger wert als es für Monsanto bezahlt hatte.

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