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Investmentbanking : JP Morgan entdeckt den Mittelstand

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Die amerikanische Investmentbank will in Deutschland nun vor allem mit größeren Familienunternehmen wachsen.

          2 Min.

          Klaus Diederichs, Leiter des europäischen Investment-Banking der amerikanischen Bank JP Morgan und Mitglied des Executive Committee von JP Morgan Chase Inc., kämpft mit einer Schwierigkeit, um die ihn viele seiner Konkurrenten beneiden dürften: "Gemessen an den Erlösen im Investment-Banking, ist JP Morgan Marktführer in Europa", sagt er. Doch scheine sich dies in der Öffentlichkeit noch nicht allgemein herumgesprochen zu haben. Und das stört ihn.

          JP Morgan ist damit so etwas wie die große Unbekannte im deutschen Kapitalmarktgeschäft. Dabei ist die Bank regelmäßig an wichtigen Transaktionen hierzulande beteiligt, zum Beispiel an der Übernahme der Hypo-Vereinsbank durch die italienische Bank Unicredit oder am Verkauf der Howaldtswerke-Deutsche Werft an Thyssen-Krupp. So hat die Bank im ersten Halbjahr laut Dealogic mehr als 157 Millionen Dollar Erlöse im deutschen Investment-Banking erzielt. Mehr schaffte hierzulande nur die Deutsche Bank mit 202 Millionen Dollar. Damit lag JP Morgan vor ihren großen amerikanischen Konkurrenten Goldman Sachs, Morgan Stanley und Citigroup.

          JP Morgan ist Diederichs zufolge im europäischen Investment-Banking so erfolgreich, daß die Bank an die Grenzen ihres Wachstums stößt: "Wir haben bei Großkunden einen Marktanteil von 25 Prozent", sagt Diederichs. "Damit können wir in diesem Segment nicht mehr viel wachsen." Ansonsten läuft die Bank Gefahr, in einen Interessenkonflikt mit anderen Mandaten zu geraten. "Deshalb gehen wir jetzt einen Schritt weiter und expandieren in Richtung des größeren Mittelstands." Dabei zahlt sich für JP Morgan das Gemeinschaftsunternehmen mit Cazenove aus, einem Londoner Brokerhaus, das vor allem in Großbritannien über eine starke Marktstellung verfügt. "Im Vergleich zu Kontinentaleuropa waren wir in Großbritannien relativ schwächer aufgestellt", sagt Diederichs. Dabei sei Großbritannien mit einem Anteil von 30 bis 35 Prozent aller Unternehmensübernahmen und Fusionen in Europa einer der wichtigsten Märkte des Kontinents. Dies gelte auch für das Aktiengeschäft: Cazenove habe gute Kundenbeziehungen, die JP Morgan nun durch ihre Produktkompetenz und ihr internationales Netzwerk ergänzen wolle. "Das gesamte Geschäft mit englischen Kunden wird fortan über JP Morgan-Cazenove geleitet", sagt Diederichs.

          Dem Deutschen bei der amerikanischen Investmentbank gefällt an JP Morgan die Internationalität: "Wir leben dies auch in unserer Führung", sagt Diederichs. In London und nicht in New York fielen alle Entscheidungen für das europäische Geschäft. Bill Winters, einer der beiden Vorstandsvorsitzenden der Investmentbank, habe denn auch seinen Sitz in London. Außer Diederichs seien vier weitere Europäer im Executive Committee der Bank. Als weiteren Vorzug der Bank sieht er, daß JP Morgan nicht wie manche andere Investmentbank "produktgetrieben" sei, um durch vertriebsorientierte Investmentbanker bestimmte Kapitalmarktprodukte bei den Kunden zu plazieren. "Wir sehen uns in der Rolle des Beraters, der stets auf der Seite des Kunden sitzt und dessen volles Vertrauen hat", sagt Diederichs.

          Insgesamt habe sich die Landschaft für die Investmentbanken in Europa in diesem Jahr verbessert. Die Kunden seien wieder positiver eingestellt, was ihre eigenen Wachstumsaussichten angeht. Der Kostensenkungsprozeß sei nun weitgehend abgeschlossen, so daß die Vorstände nun wieder nach vorne schauen könnten. Auch die Situation bei Finanzierungen sei besser geworden, besonders auch bei Akquisitionsfinanzierungen, meinte Diederichs und führte als Beleg an, daß in den ersten sechs Monaten dieses Jahres das Volumen bei Unternehmensübernahmen und Fusionen um gut 30 Prozent gestiegen sei. Mittlerweile übertreffe das Wachstum dieses Geschäfts in Europa selbst das in den Vereinigten Staaten. Dort sei das Volumen zwar noch höher, aber in Europa sei das Geschäft aktiver. So seien in Amerika 4200 Transaktionen im ersten Halbjahr 2005 zustande gekommen, in Europa dagegen 4600. (bf./hlr.)

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