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Investmentbanking erfolgreich : Deutsche Bank zahlt wieder höhere Boni

  • Aktualisiert am

Die Deutsche Bank: weniger Mitarbeiter, mehr Geld für Boni Bild: dpa

Die Deutsche Bank sieht dank Milliardengewinnen Chancen für neues Wachstum und zahlt wieder höhere Boni an ihre Mitarbeiter. Für die ersten neun Monate stiegen die Personalkosten deutlich - entgegen der Zahl der Mitarbeiter.

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          Die Deutsche Bank schreibt nur dank des ungebremsten Kapitalhungers von Staaten und Firmen Milliardengewinne. Mit dem vergleichsweise riskanten Investmentbanking erzielte das Frankfurter Geldhaus im dritten Quartal drei Viertel seines Vorsteuerergebnisses von 1,3 Milliarden Euro. Die Zahlen zeigen die anhaltende Abhängigkeit der Deutschen Bank von ihrem Kerngeschäft, das vor einem Jahr in der Finanzkrise noch Verlustbringer Nummer eins war. Zum Ausbau anderer Bereiche wie das Privatkundengeschäft geht Vorstandschef Josef Ackermann seit einiger Zeit auf Einkaufstour - jüngste Beispiele sind die Postbank und die Privatbank Sal. Oppenheim.

          Ackermann erkennt zwar Anzeichen für eine Normalisierung der Märkte. Völlig abhaken will er die Finanzkrise aber noch nicht. „In manchen Geschäftsbereichen und Produktbereichen sind die Altlasten der Krise nach wie vor spürbar“, warnte der Schweizer in dem am Donnerstag vorgelegten Quartalsbericht. „Das gesamtwirtschaftliche Umfeld ist nach wie vor anfällig.“ Daher reduziere die Deutsche Bank ihre Risikopositionen im Handelsgeschäft weiter, auch wenn dies zu Lasten kurzfristiger Ertragszuwächse in einigen Segmenten gehe.

          In dem Bericht bestätigte das Institut auch den in der Vorwoche bekanntgegeben Überschuss von 1,4 Milliarden Euro - gestützt von steuerfreien Erträgen etwa aus dem Verkauf von Beteiligungen (Deutsche Bank abermals mit Milliardengewinn).

          Klamme Staaten heizen die Nachfrage an

          Vor allem der starke Geldbedarf krisengeschüttelter Unternehmen und klammer Staaten heizten in den vergangenen Monaten den Handel mit Anleihen und Aktien weiter an. Davon profitieren Investmentbanken wie die Deutsche Bank in besonderem Maße, da sie sowohl bei der Emission wie auch beim späteren Weiterverkauf beteiligt sind. Insgesamt verdienten die Frankfurter im Kapitalmarktgeschäft im dritten Quartal fast eine Milliarde Euro, die Erlöse vervierfachten sich auf 4,4 Milliarden Euro. Auch Rivalen aus der Schweiz und den USA schreiben im Investmentbanking wieder Milliardengewinne.

          Die höheren Gewinne lassen auch die Boni der Banker wieder sprudeln. Vor allem wegen höherer Prämien für die Investmentbanker stiegen die Personalkosten für die rund 78.500 Mitarbeiter des deutschen Branchenprimus im Quartal um fast 50 Prozent auf insgesamt 2,8 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten summieren sich die Kosten für die Mitarbeiter auf fast neun Milliarden Euro. Im Vergleich zu amerikanischen Investmentbanken fallen die Boni bei der Deutschen Bank, die allerdings als einer der wenigen Großbanken ohne Staatshilfe ausgekommen ist, aber mager aus. Morgan Stanley hat allein für die Leistungszulagen für dieses Jahr 11,9 Milliarden Dollar zurückgelegt, Goldman Sachs sogar mehr als 20 Milliarden Dollar.

          Ackermann verzichtet auf Prognose

          Wie bereits in den vergangenen Quartalen verzichtete Ackermann auf eine konkrete Prognose. Die Bank gab sich aber zuversichtlich, dass sich die Konjunktur möglicherweise schneller erholt als noch vor einiger Zeit erwartet. Die Belastungen im Kreditgeschäft dürften daher in den nächsten sechs Monaten ihren Höhepunkt erreichen. Viele Experten erwarten noch im gesamten Jahr 2010 hohe Kreditausfälle. Im dritten Quartal verdoppelte die Bank die Risikovorsorge im Jahresvergleich auf 544 Millionen Euro - nicht so hoch wie erwartet. Anders als die Commerzbank ist die Deutsche Bank weniger stark bei angeschlagenen Firmen engagiert.

          Die meisten Bankexperten sprachen von starken Ergebnissen der Deutschen Bank, die Aktien zogen um 1,7 Prozent an. Einige Analysten bezweifelten aber, dass die Deutsche Bank die hohen Erträge im Investmentbanking auf Dauer beibehalten kann. Das Institut selbst erwartet bei Aktienemissionen in den nächsten Monaten eine steigende Nachfrage, während sich die Anleihevolumina abschwächen dürften. „Auch nach den diversen Zukäufen wird die Deutsche Bank 60 Prozent ihrer Gewinne im Investmentbanking generieren“, betonte Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan. Zwei Drittel davon stammten vom Anleihe-Handel, wo der Erlöstrend nach unten zeige.

          Moderate Gewinne außerhalb des Kapitalmarktgeschäfts

          Wie stark die Deutsche Bank vom Kapitalmarktgeschäft abhängt, zeigen die Ergebnisse der anderen Sparten. Die Gewinne in der Vermögensverwaltung und im Privatkundengeschäft fielen mit 134 beziehungsweise 149 Millionen Euro vergleichsweise moderat aus. Mit dem am Mittwoch vereinbarten Kauf der auf reiche Privatkunden spezialisierten Bank Sal. Oppenheim soll der Bereich gestärkt werden. Hierfür zahlt Ackermann eine Milliarde Euro, die er aber nicht über eine Kapitalerhöhung bei den Aktionären einsammeln will (Deutsche Bank besiegelt Kauf von Sal. Oppenheim).

          Das Institut wies erneut Spekulationen über einen solchen Schritt zurück. „Wir fühlen uns gut kapitalisiert“, betonte Finanzchef Stefan Krause. Die Kernkapitalquote (Tier-1) lag Ende September bei 11,7 Prozent und damit deutlich über der Zielmarke von mindestens zehn Prozent.

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