https://www.faz.net/-gqe-pzwr

Investmentbanken : Rekordgehälter an der Wall Street

  • Aktualisiert am

Börse New York, Drehscheibe für das große Geld Bild: AP

Die Topmanager der Wall Street haben, angetrieben vom Rekordgewinn der fünf größten Investmentbanken, im vergangenen Jahr das größte Gehaltspaket seit dem Jahr 2000 erhalten.

          2 Min.

          Die Topmanager der Wall Street haben, angetrieben vom Rekordgewinn der fünf größten Investmentbanken, im vergangenen Jahr das größte Gehaltspaket seit dem Jahr 2000 erhalten. Auf Aktien, die Beschränkungen unterliegen, entfiel ein besonders großer Anteil der Vergütung.

          Den größten Betrag strich Stanley O'Neal ein, der Vorstandschef von Merrill Lynch & Co.; er kam auf 32 Millionen Dollar. Den größten Anstieg verzeichnete Philip Purcell: Für den CEO von Morgan Stanley wurde das Gehaltspaket 45 Prozent schwerer. Dagegen mußte sich James Cayne von Bear Stearns Cos. mit 8,5 Prozent weniger zufriedengeben.

          Fünf Männer, 135,3 Millionen Dollar

          Insgesamt haben O'Neal, Purcell, Cayne, Henry Paulson von Goldman Sachs Group Inc. und Richard Fuld von Lehman Brothers Holdings Inc. im Jahr 2004 135,3 Millionen Dollar verdient. Dabei entfielen durchschnittlich 67 Prozent auf Aktien mit Beschränkungen. 2003 lag der Anteil bei 48 Prozent. Auch die Bilanz der letzten fünf Jahre kann sich sehen lassen: Die "Top 5" haben jeweils mehr als 100 Millionen Dollar verdient, mehr als ihre Kollegen aus der Industrie.

          Der Anstieg der Komponente "Aktien mit Beschränkungen" fällt mit einer Bilanzierungsänderung zusammen: Von Juni an müssen amerikanische Unternehmen Aktienoptionen als Kosten verbuchen. "Es ist immer gut, wenn leitende Angestellte mehr Aktien erhalten, denn daran kann man ablesen, wie optimistisch sie die geschäftliche Lage einschätzen", sagt Alan Johnson, Präsident der Personalberatung Johnson Associates in New York.

          Merrill, die nach Aktienkapital größte Investmentbank der Welt, zahlte O'Neal 31,3 Millionen Dollar in Aktien mit Beschränkung und 700.000 Dollar in bar. Paulson bekam 29,8 Millionen Dollar, davon entfielen 29,2 Millionen auf verfügungsbeschränkte Aktien, 639.000 Dollar wurden bar ausgezahlt. Bei Fuld, Cayne und Purcell lag der Anteil von Festgehalt und Bonus bei rund 40 Prozent.

          Vergabe verfügungsbeschränkter Aktien

          Mit der Vergabe verfügungsbeschränkter Aktien wollen die Banken sicherstellen, daß ihre Topmanager langfristig die Interessen der Investoren verfolgen. So muß Goldman-CEO Paulson bis zum Ende des Geschäftsjahres 2007 warten, um Anspruch auf 60 Prozent des Aktienpakets zu erheben, das ihm 2004 zugeteilt wurde. Erst dann werden diese Aktien in Stammaktien umgewandelt.

          Bei den Prämien haben die Häuser tief in die Tasche gegriffen. Sie lagen 2004 bis zu 25 Prozent über den 15 bis 20 Millionen Dollar, die an die Vorstände der 50 größten amerikanischen Industriekonzerne gezahlt wurden, berichtet Johnson. Dagegen seien andere Vergütungskomponenten, darunter Pensionspläne oder die Nutzung des Firmenjets, außerhalb des Finanzsektors größer.

          45 Prozent mehr für Morgan-Stanley-Vorstand

          Die fünf Investmentbanken haben 2004 einen Gesamtgewinn von 17,6 Milliarden Dollar verbucht. Allerdings konnte sich nur der Vorstandschef von Morgan Stanley darüber freuen, daß sein Gehaltssprung größer war als der Gewinnanstieg seiner Bank. Purcell verdiente 45 Prozent mehr, verglichen mit 18 Prozent Gewinnzuwachs für Morgan Stanley.

          Im Schnitt stiegen die Gehälter der Banker bei den Top 5 2004 20 Prozent. Bei den Topmanagern waren es 25 Prozent. Ihren Nettogewinn haben die Investmentbanken um rund 28 Prozent gesteigert, ihre Erlöse waren 18 Prozent höher. Die Aktienkurse der Top 5 sind durchschnittlich 10,8 Prozent gestiegen.

          The winner takes it all“

          "The winner takes it all", beschreibt Kirk Hanson, Geschäftsführer vom Markkula Center for Applied Ethics an der Santa Clara University, die amerikanische Gesellschaft, wo die CEOs der Wall Street einen überproportional höheren Anteil an den Erlösen erhalten. Im Jahr 2000 war das Gehaltspaket der fünf Topbanker 153,5 Millionen Dollar schwer, angeführt von Purcell mit 37,1 Millionen Dollar. 2001 fiel die Gesamtvergütung um 48 Prozent, die Investmentbanken hatten einen Gewinneinbruch von 44 Prozent zu verkraften. 2002 wurde das Gehaltspaket sechs Prozent leichter, während die Gewinne 14 Prozent anzogen. 2003 folgte die Wende: Die Vergütung stieg 58 Prozent bei einem Gewinnsprung von 42 Prozent für die Banken. "Der Finanzdienstleistungssektor ist auf Erholungskurs. Davon wollen die großen Jungs profitieren", sagt Henry Higdon von der Personalberatung Higdon Group in New York.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.