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Investmentbanken : Gegenwind für Investmentbanken

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Nach den Rekordgewinnen im ersten Quartal dürften die großen Investmentbanken im laufenden Quartal weniger verdienen.

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          Nach den Rekordgewinnen im ersten Quartal dürften die großen Investmentbanken im laufenden Quartal weniger verdienen. Denn das näherrückende Ende der amerikanischen Niedrigzinspolitik hat das zuletzt wichtigste Geschäftsfeld, den Handel mit Zinsprodukten, in schwierigeres Fahrwasser gebracht. Zwar dürfte das Provisionsgeschäft in diesem Quartal moderat gewachsen sein, doch nicht ausreichend, um die Erlöseinbußen im Handelsgeschäft zu kompensieren. Vor diesem Hintergrund haben die Aktien der drei großen Handelshäuser Goldman Sachs, Morgan Stanley und Lehman Brothers, deren zweites Quartal Ende Mai endet, in den vergangenen drei Monaten bereits 12 Prozent und mehr eingebüßt.

          Im ersten Quartal hatten eine kräftige Ausweitung der Handelsumsätze und eine erhöhte Risikobereitschaft den großen Investmentbanken noch Rekordgewinne beschert. Zusammen hatten die zehn größten Häuser nach Angaben des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) 11,8 Milliarden Dollar verdient, gegenüber 8,4 Milliarden im ersten Quartal 2003. Dementsprechend hatte der Performance-Index, den BCG für die Branche entwickelt hat, im ersten Quartal mit 127,6 Punkten einen Höchststand erreicht. Laut BCG lag diesem Ergebnis vor allem eine Ausweitung der handelsbasierten Erträge um gut 50 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2003 zugrunde. Damit einher ging bei praktisch allen Investmentbanken eine erhöhte Bereitschaft, Risiken einzugehen.

          Den Anlaß hierzu gab die amerikanische Notenbank Fed, die in den ersten Wochen des Jahres noch mehrfach versicherte, ihren Leitzins "für geraume Zeit" auf dem niedrigen Niveau von 1,0 Prozent zu lassen. Die Investmentbanken nutzten dies zu sogenannten Carry Trades, also der Aufnahme niedrig verzinster kurzfristiger Kredite zur Finanzierung höher rentierlicher langfristiger Engagements. Seit die Fed deutlich gemacht hat, daß sie ihren Leitzins demnächst anheben wird, werden diese lukrativen Carry Trades nun zurückgefahren. Verschiedentlich wird sogar befürchtet, daß das plötzlich veränderte Zinsumfeld einige Häuser - oder ihre Kunden - verlustbringend auf dem falschen Fuß erwischt hat.

          Der erhöhte Risikoappetit zu Beginn des Jahres spiegelt sich darin wider, daß das Verhältnis von Umsatzerträgen zu der Kennziffer "Trading Value at Risk" vom ersten Quartal 2003 zum ersten Quartal 2004 bei den zehn größten Investmentbanken nach Analyse von BCG von 43,7 auf 37,1 Prozent abgenommen hat. Je einen Dollar Risiko seien Anfang 2003 43,70 Dollar Umsatz gemacht worden, im ersten Quartal 2004 aber nur noch 37,10 Dollar, erläutert Ludger Kübel-Sorger, Leiter der BCG-Bankenpraxisgruppe Deutschland, die Zahlen. Praktisch alle "Top ten"-Investmentbanken hätten ihre Risiken beträchtlich erhöht, allerdings mit abnehmender Grenzproduktivität des eingesetzten Risikokapitals. So ist die durchschnittliche Brutto-Gewinnmarge der "Top Ten" vom ersten Quartal 2003 zum Vergleichsquartal 2004 lediglich von 31,1 auf 34,9 Prozent gestiegen. BCG zufolge erreichte das Investmentbanking der Citigroup im ersten Quartal 2004 mit knapp 50 Prozent die mit Abstand höchste Brutto-Gewinnmarge. Bei der Deutschen Bank lag diese Kennziffer mit rund 30 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt.

          Aufgrund ihrer starken Ausweitung um gut 50 Prozent machten die Handelsumsätze nach BCG-Analyse im ersten Quartal 2004 im Durchschnitt 80 Prozent der Gesamtumsätze der Investmentbanken aus. Vergleichsweise die größte Rolle spielten die Provisionseinnahmen mit einem Anteil von rund 30 Prozent an den Gesamterlösen bei Merrill Lynch. Bei der Deutschen Bank betrug dieser Anteil dagegen nur 10 Prozent. Dahinter steht offenbar, daß die Deutsche Bank auf dem wichtigen und großen amerikanischen Markt in den beiden Königsdisziplinen des Investmentbanking - der Beratung bei Fusionen und Übernahmen sowie dem Geschäft mit Börsengängen - relativ schwach ist. (bf.)

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