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Investition von Evonik : Ein Bekenntnis zu Deutschland

Fröhliches Quartett: Michael Vassiliadis, Armin Laschet, Christian Kullmann und Bernd Tönjes (von links) während der Eröffnung in Marl. Bild: dpa

Der Spezialchemiekonzern Evonik nimmt in der Heimat eine neue Kunststoffanlage in Betrieb, für die sich auch andere Länder interessiert hatten. Die Gewerkschaft freut’s – und auch der CDU-Kanzlerkandidat fühlt sich als Gewinner.

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          Der Spionage-Erlass ist schon lange Geschichte, doch er beschäftigt Christian Kullmann noch heute. „Die Abschaffung des Spionage-Erlasses war ausschlaggebend dafür, die neue Anlage hier in NRW, hier im Ruhrgebiet, hier in Marl zu bauen“, sagt der Vorstandschef des Spezialchemiekonzerns Evonik am Donnerstag. Kullmann hat gerade eine neue Fabrikanlage für den Spezialkunststoff Polyamid (PA) 12 im Chemiepark Marl eingeweiht, in den das Unternehmen rund eine halbe Milliarde Euro investiert hat, so viel wie noch nie in der Geschichte des Unternehmens in Deutschland. Der Spionage-Erlass war eine umstrittene Vorschrift des früheren grünen Umweltministers Joachim Remmel. Sie hatte Unternehmen in Nordrhein-Westfalen von 2015 an dazu verpflichtet, sämtliche Unterlagen für ihre Investitionen im Internet zu veröffentlichen, darunter auch die technische Beschreibung ihrer Anlagen. Viele Konzerne, vor allem aus der Chemie, fürchteten Nachahmer und den Abfluss von Wissen. Nach dem Regierungswechsel hatte die Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet die Vorschrift 2017 gestrichen.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Für den heutigen CDU-Chef und Kanzlerkandidaten der Union ist der Eröffnungstermin in Marl ein vergleichsweise angenehmer, wird „der liebe Armin“, wie ihn Kullmann begrüßt, doch mit offenen Armen empfangen. Denn die Entscheidung für die Investition am Heimatstandort in Marl, dem größten Werk von Evonik in Deutschland, hat auch mit Industriepolitik zu tun. „Es haben sich auch Staaten aus anderen Regionen der Welt mit sehr attraktiven Konditionen beworben“, sagt Kullmann. Entschieden habe sich das Unternehmen deshalb für Marl, „weil insgesamt erstklassige Rahmenbedingungen für Investitionen in dieser Größenordnung gegeben sind“.

          Genehmigungen müssen zügig gehen

          Von den gut 10.000 Angestellten im Chemiepark arbeiten 7000 für Evonik, das Fachwissen ist also vorhanden. Auch die Synergien, die der Essener Spezialchemiekonzern mit seinen sieben neuen Anlagen in einem Chemiepark erzielen kann, in dem nicht nur die Kunden, sondern auch Zulieferer und Partner schnell zu erreichen sind, sprechen für den Standort. Doch locken etwa Orte wie Singapur mit Jahren ohne Steuerpflicht. Kullmann nickt heftig, als Laschet fragt, ob die Ansiedlung solch einer Anlage in Regionen Südostasiens „steuerlich attraktiver“ gewesen wäre.

          Für den Landesvater ist so eine Investitionsentscheidung freilich ein Erfolg, werden damit doch Arbeitsplätze geschaffen, von „denen wir in Deutschland leider viel zu viele verlieren“, wie Laschet sagt. „Die Politik muss auch in Zukunft alles dafür tun, damit solche Investitionen bei uns in Deutschland erfolgen und nicht in andere Länder abwandern“, sagt der NRW-Ministerpräsident. Das bedeute vor allem zügige Genehmigungsverfahren. „Wenn Entscheidungen zu lange dauern, wird das ein Grund sein zu sagen, wir bauen woanders.“

          Mit dem Bau der neuen Anlagen erweitert Evonik seine Kapazität für PA-12 um mehr als die Hälfte. Der Spezialkunststoff wird etwa als Ersatz für Stahl im Autobau eingesetzt oder im 3D-Druck. Er steckt in Skischuhen genauso wie in der Beschichtung von Geschirrkörben in Spülmaschinen. Derzeit wird er besonders nachgefragt. Im vierten Quartal soll die gesamte Anlage in den Regelbetrieb übergehen, gut 120 Arbeitsplätze sind dadurch entstanden.

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