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Interview mit Post-Vorstand Rosen : „Wir prüfen eine Portoerhöhung“

  • Aktualisiert am
Werden Briefe bald teurer?
          2 Min.

          Herr Rosen, die Menschen schreiben immer weniger Briefe. Warum soll da jemand die Aktie der Deutschen Post kaufen?
          Es stimmt, die Zahl der Briefe geht zurück. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille: Unser Paketgeschäft wächst zweistellig, weil immer mehr Menschen immer mehr Produkte im Internet bestellen. Außerdem kommen inzwischen mehr als zwei Drittel unseres Ergebnisses aus dem globalen Logistikgeschäft, das sich dank unserer herausragenden Stellung in den Schwellenländern sehr positiv entwickelt.

          Ist das Paketgeschäft krisenresistent?
          In Krisenzeiten bestellen Menschen tendenziell sogar besonders viel im Internet, weil Dinge dort manchmal billiger sind.

          Spürt die Post die Eurokrise?
          Wir spüren die Auswirkungen lediglich in unserem Luftfrachtbereich, weil einige Unternehmen aktuell den billigeren Transport per Schiff vorziehen. Insgesamt entwickelt sich unser Geschäft weiter sehr erfreulich.

          Wäre es schlimm für das Geschäft der Post, wenn der Euro zerfiele?
          Das sind alles Spekulationen. Der Euro ist wichtig – für die Menschen in Europa, für die deutsche Wirtschaft und selbstverständlich auch für unseren Konzern.

          Finanzvorstand der Deutschen Post AG: Larry Rosen
          Finanzvorstand der Deutschen Post AG: Larry Rosen : Bild: dapd

          Wie stabil oder wackelig sind denn Ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr?
          Unsere Prognose ist alles andere als wackelig. Wir rechnen mit einem operativen Ergebnis von 2,5 bis 2,6 Milliarden Euro, nach 2,4 Milliarden Euro im vorigen Jahr. Das werden wir schaffen.

          Woher soll denn das Wachstum der Post vor allem kommen?
          Mit dem Wachstum in unserem Paketgeschäft wollen wir den Ertrag des Briefbereichs bei etwa einer Milliarde Euro stabilisieren. Unser Wachstum findet vor allem in den DHL-Bereichen statt. Ausgehend von ihrer einzigartigen Positionierung – vor allem in den wichtigsten Wachstumsmärkten in Asien und Lateinamerika – planen wir das operative Ergebnis des Konzerns bis 2015 auf zwischen 3,35 und 3,55 Milliarden Euro zu steigern, also rund 1 Milliarde Euro mehr als im vergangenen Jahr.

          Das Finanzamt und die EU-Kommission haben der Post hohe Nachzahlungen beschert. Verhagelt das Ihr Ergebnis?
          Nein. Die EU-Kommission fordert von uns die Rückzahlung von angeblich unzulässigen Beihilfen. Wir gehen dagegen gerichtlich vor und sind zuversichtlich, Recht zu bekommen. Mit den Finanzbehörden haben wir uns auf eine Nachzahlung der Mehrwertsteuer in Höhe von 516 Millionen Euro geeinigt. Für mehr als die Hälfte hatten wir Rückstellungen gebildet. Die Belastung des operativen Ergebnisses beträgt 180 Millionen Euro.

          Steigt das Porto?
          Das ist noch nicht entschieden. Wir werden im Herbst prüfen, ob die Rahmenbedingungen es ermöglichen, unsere Preise für das nächste Jahr zu erhöhen. Fakt ist, dass unser Porto seit vielen Jahren nicht mehr gestiegen ist.

          Halten Sie es für sinnvoll, das Porto zu erhöhen, wenn die Menschen ohnehin immer weniger Briefe schreiben?
          Ein Haushalt gibt in Deutschland durchschnittlich im Monat weniger als fünf Euro für Porto aus. Ich glaube daher nicht, dass ein etwas höheres Briefporto viele Menschen vom Schreiben abhalten würde. Da sind andere Faktoren entscheidend.

          Planen Sie, weitere Postfilialen in Partnerfilialen mit Bäckern oder Schreibenwarenhändlern umzuwandeln?
          Dieser Prozess ist beendet.

          Viele Ihrer Konkurrenten im Briefgeschäft in Deutschland haben aufgegeben. Haben Sie jetzt wieder ein Monopol?
          Nein. Davon kann man bei einem Marktanteil von gut 60 Prozent sicherlich nicht sprechen. Und auch im Paketgeschäft gibt es sehr viel Wettbewerb, der eher stärker geworden ist.

          Können Aktionäre mit einer höheren Dividenden rechnen?
          Unsere Dividendenstrategie ist klar: Wir wollen 40 bis 60 Prozent unseres Gewinns ausschütten. Darauf können sich unsere Aktionäre auch künftig verlassen.

          Das Gespräch führte Christian Siedenbiedel.
           

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