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Interview mit Krombacher-Chef Schadeberg : „Früher haben junge Leute vier Tage durchgetrunken“

  • Aktualisiert am

Krombacher-Chef Bernhard Schadeberg Bild: Edgar Schoepal

Krombacher gilt als meistverkaufte Biermarke in Deutschland. Doch auch der Marktführer hat in einem schrumpfenden Markt zum kämpfen. Im Interview mit der F.A.S. spricht Geschäftsführer Bernhard Schadeberg über teures Bier, den Angriff ausländischer Braukonzerne und Pils mit Blutorange.

          Bernhard Schadeberg ist 42 Jahre alt und Geschäftsführer der Krombacher Brauerei, einer der größten Privatbrauereien des Landes. Sie wurde im Jahr 1803 gegründet und ist im Besitz der Familie Schadeberg. Aufgewachsen ist der Biermanager in Krombach - einem Ortsteil von Kreuztal in der Nähe von Siegen - wo sich heute noch die Unternehmenszentrale befindet. 1993 stieg er in den Familienbetrieb ein, der 900 Mitarbeiter hat und einen Umsatz von 600 Millionen Euro erzielt. Im Gespräch mit der F.A.S. spricht Schadeberg über teures Bier, den Angriff ausländischer Braukonzerne und Pils mit Blutorange.

          Herr Schadeberg, was steht bei Ihnen zum Mittagessen auf dem Tisch? Pils oder Weizen?

          Heute Mittag habe ich ein Alkoholfreies getrunken. Es gab Lamm, das passte toll dazu.

          Teurer Werbeträger: Günther Jauch

          Alkoholfrei? Kein deftiges Pils? Wir sind hier im Siegerland, und Sie sind einer der größten Brauer in Deutschland.

          Mittags ist ein Alkoholfreies sensationell. Davon werde ich nicht müde.

          Ihr Krombacher-Bier gilt als meistverkaufte Marke, doch Trends setzen andere. Wie Becks mit seinem Gold-Bier.

          Ohne Zweifel war Becks Gold ein toller Erfolg. Aber im vergangenen Jahr hatte es auch ein Absatzminus von 15 Prozent. Solche Trends laufen nur zwei bis drei Jahre. Der Gold-Markt geht zurück. Früher gab es 60 unterschiedliche Gold-Biere, jetzt sind es 10. Der Markt bricht zusammen. Die junge Zielgruppe sucht sich etwas Neues.

          Und zwar?

          Vergangenes Jahr war es ein Schöfferhofer Grapefruit. Mal sehen, was es dieses Jahr sein wird. Bier mit Lemon eher nicht.

          Bier mit Früchten mixen - ist das noch länger der Hit in der Branche?

          Bei Biermischgetränken muss man Glück haben, ob sie bei Kunden ankommen. Unser „Cab“ mit dem Drachenfrucht-Aroma gibt es jetzt mit Blutorange, einer zusätzlichen neuen Geschmacksrichtung. Das bleibt trotzdem ein Modethema. Aber unsere Priorität ist es, sich auf Pils zu konzentrieren. Biermixgetränke machen sechs Prozent des Gesamtmarktes aus. Pils aber 60 Prozent. Wir kümmern uns als Mittelständler um die 60 Prozent. Außerdem haben wir noch das sehr erfolgreiche Radler. Das klingt nicht so szenig, ist aber ein sehr stabiler Markt. Wir sind die stärkste Radler-Marke und haben auch ein Radler alkoholfrei in den Markt gebracht.

          Also alkoholfrei ist die Zukunft?

          Der alkoholfreie Markt ist der einzige Bereich, der langfristig wächst.

          Die Deutschen trinken schon seit Jahren immer weniger Bier. Was machen die Brauer falsch?

          Es wird einfach weniger getrunken. Aufgrund demographischer Veränderungen gibt es in der Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen einige Millionen Menschen weniger. Und es wird maßvoller getrunken. Die Gesellschaft ändert sich: Früher haben junge Leute zu Pfingsten vier Tage durchgetrunken. Heute würde ich sagen: noch anderthalb Tage. Vor 40 Jahren haben unsere Bier-Lkw-Fahrer morgens um acht schon ein Pils getrunken. Das ist heute undenkbar. Es ist aber auch gut, dass sich die Gesellschaft verändert. Wir begrüßen grundsätzlich diese Einstellungsveränderung, dass Bier nicht zum Autofahren gehört.

          Nun haben Sie auch die Preise für den Kasten Bier um 1 Euro erhöht. Kein Wunder, dass die Leute weniger kaufen.

          Es herrschen schwierige Bedingungen. Wir haben dramatische Veränderungen im Rohstoffsektor.

          Wird Bier noch teurer?

          Das hängt davon ab, wie sich die Rohstoffsituation verändert. Wir hatten in den vergangenen drei bis fünf Jahren bei Malz und Hopfen Preissteigerungen von 60 bis 80 Prozent. Wenn das so weitergeht, wird es wieder zu Preiserhöhungen kommen. Wir haben aber die feste Absicht, 2009 keine zu machen.

          Jetzt jammern Sie bestimmt noch über das Rauchverbot in der Gastronomie . . .

          . . . natürlich belastet das die Branche. Besonders die kleinen Einraumgaststätten verlieren viel Umsatz und sind in ihrer Existenz bedroht. Und wir verlieren eine Menge Bier. Aber geklagt wird immer und überall. Vor einigen Jahren haben wir über das Dosenpfand gesprochen, nun sind es das Malzthema und der Konsumrückgang. Aber wir sind zuversichtlich. Seit sieben Jahren sind wir mit Krombacher auf Wachstumskurs, 2006 haben wir die Marken Schweppes und Orangina übernommen, um ein zweites Standbein im Getränkemarkt zu haben.

          Zumal andere Produkte, wie Ihre Bier-Marke Extra Mild, floppten.

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