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F.A.Z. exklusiv : Internationale Investmentbank arbeitet an Bundesliga-Notfallplan

Das waren noch Zeiten: Zum Spiel von Leipzig und Bremen am 15. Februar waren noch Zuschauer zugelassen. Bild: dpa

Wegen Corona ruht der Ball. Die Bundesliga könnte Hunderte Millionen Euro verlieren. Wenn Gespräche mit dem Bezahlsender Sky scheitern, soll ein Kredit her.

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          Die Fußball-Bundesliga hat nach Informationen der F.A.Z. die internationale Investmentbank Nomura für einen Finanz-Notplan mandatiert. Der soll greifen, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird und laufende Gespräche mit dem Bezahlsender Sky scheitern oder unzureichende Einnahmen bringen. Nomura arbeite einen Plan B aus, um der Deutschen Fußball Liga (DFL) dann einen Überbrückungskredit zu sichern, ist aus Finanz- und Branchenkreisen zu hören. Es geht um Hunderte Millionen Euro. Auch Schulden-Fonds von Finanzinvestoren sind dabei ins Spiel gekommen – diese Option spiele aber eine untergeordnete Rolle. Die DFL und Nomura lehnten eine Stellungnahme ab.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wegen der Corona-Krise spielt die Bundesliga seit Mitte März nicht mehr. Damit entfallen Einnahmen unter anderem aus den Übertragungsrechten. Die werden nicht von den Klubs, sondern von der DFL verwaltet. Allein durch diesen Block entfielen etwa 300 Millionen Euro, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt würde. Die DFL spricht momentan mit dem wichtigsten Geschäftspartner Sky über einen Vorschuss, um die Liquidität von Klubs zu sichern, wie beide Seiten bestätigen.

          Finanzinvestoren bringen sich in Stellung

          In die Gespräche mit Sky ist Nomura nicht involviert, wie zu hören ist. Die DFL habe das internationale Finanzhaus aus Japan kurz nach Ausbruch der Krise geheuert, als die Bundesligaspiele abgesagt wurden. Es sei beauftragt, zu eruieren, wie man über Kredite eine Liquiditätslücke schließen könnte. „Das wäre ein Rettungs-Fallschirm, wenn nichts anderes mehr geht“, sagte einer der mit dem Prozess vertrauten Insider. Klubs würden den Kredit später mit künftigen Einnahmen aus Medienrechten zurückzahlen. Nomura habe auch bei Private-Equity-Gesellschaften mit Kreditvergabe-Sparten die Konditionen abgefragt, etwa KKR und Blackstone.

          Zum anderen haben sich wohl Finanzinvestoren selbst für einen Deal in Stellung gebracht. Doch scheinen die Bedingungen weniger günstig als andere Wege, Geld aufzutreiben. Es geht in der Angelegenheit offenbar nur um Kredite: keine Beteiligungen oder andere Konstruktionen, in denen Private Equity in die Strukturen der DFL einbezogen würde. 

          Spekulationen über Klub-Insolvenzen

          In den Verhandlungen mit Sky strebt die DFL mit ihrem Geschäftsführer Christian Seifert ein Abkommen an, das finanziell angeschlagenen Klubs der ersten und zweiten Liga vorzeitig frisches Geld für die nötige Liquidität sichert. Vereinzelt wird  in der Branche schon über die mögliche Insolvenz von Klubs spekuliert.

          Sky gehört zum amerikanischen Kabelnetzkonzern Comcast, zeigt mit Abstand die meisten Spiele live und ist die wichtigste Geschäftsbeziehung für die Bundesliga. Der gesamte Fernsehvertrag läuft bis zum Ende der nächsten Saison. Für das Übertragungsrecht zahlt Sky jedes Jahr rund 900 Millionen Euro an die DFL. Insgesamt überweisen alle Medienpartner jede Saison für die nationalen TV-Rechte 1,1 Milliarden Euro, im Ausland nochmal etwa 250 Millionen Euro im Jahr.

          In diesem Monat wird das Fernsehgeld für das letzte Viertel der Bundesliga-Spielzeit fällig, das normalerweise Anfang Mai von der Ligaorganisation an die einzelnen Vereine ausgeschüttet wird. Doch seit Mitte März ruht der Ball – und die Zahlungen sind ungewiss.

          750 Millionen Euro auf der Kippe

          Ohne Spiele und damit ohne Einnahmen aus Eintrittskarten, Werbung (Sponsoring) und vor allem aus der Medienvermarktung stehen für die erste und zweite Liga rund 750 Millionen Euro im Feuer, wenn die Saison nach 25 Spieltagen beendet werden müsste. Mit 37 Prozent hat die Medienvermarktung den größten Anteil am Budget der Bundesliga. Dahinter kommen Werbung (21 Prozent), Transfergeschäft (17 Prozent) und Tickets (13 Prozent).

          Die Bundesliga hofft, in der ersten Maihälfte wenigstens ohne Zuschauer auf den Rängen wieder spielen zu können. Auch der Juni könnte noch genutzt werden, weil die Europameisterschaft auf nächstes Jahr verlegt worden ist. Dann könnte die Liga TV-Geld retten. Neun Spieltage stehen noch aus – das sind 81 Spiele. Aber die Behörden entscheiden, was möglich ist während der Pandemie.

          Die Frage ist, wie weit die DFL in den Verhandlungen zu vorgezogenen Zahlungen Sky entgegenkommen sollte. Gewiss sind die Klubs derzeit nicht in der stärksten Position. Der Pay-TV-Sender dürfte für einen Deal Zugeständnisse verlangen – zum Beispiel Abschläge auf Geisterspiele oder allzu komprimierte Spieltage am Ende der Saison.

          Die Option der DFL, sich Geld über eine Bank zu besorgen und zukünftige Medien-Einnahmen zu beleihen, könnte aber ein Hebel in den Verhandlungen mit Sky sein. Brächte sich die Liga derweil mit zusätzlichen Abmachungen in weitere Abhängigkeit von dem Medienunternehmen, könnten mit Blick auf die bevorstehende Medienauktion für die vier Spielzeiten von 2021/22 an Zweifel entstehen. Es könnte von konkurrierenden Medienunternehmen heißen, Sky erkaufe sich jetzt einen Vorteil für die Vergabe.

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