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Intelligente Kleidung : Wenn das T-Shirt vor Corona warnt

Markus Strecker in der Prototypwerkstatt von Teiimo Bild: Dominik Gierke

Markus Strecker entwarf eine Snowboard-Jacke mit MP3-Player, heute messen seine T-Shirts Gesundheitsdaten. Sie könnten einen Beitrag zum Kampf gegen die Pandemie leisten.

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          Als Markus Strecker 2004 die Snowboard-Jacke der Sportmarke O’Neill mit integrierten elektronischen Funktionen wie Freisprechanlage, MP3-Player und einer textilen Tastatur im Ärmel herausbrachte, wusste er schon: Der Einsatz von Elektronik und Bluetooth-Technologie in Kleidung wird mal ein Thema sein – auch in der Medizin. In den Monaten der Corona-Krise soll der Visionär recht bekommen: Ein Shirt – einer zweiten Haut gleich – erkennt Symptome der Covid-19-Erkrankung. Hoher Puls, leicht erhöhte Körpertemperatur, ungenügende Sauerstoffsättigung, schwere Atmung, Husten, Schweißausbrüche – das sind Alarmsignale, die Risikogruppen wie Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, ältere oder vorerkrankte Menschen frühzeitig warnen, um sie sofort behandeln zu können.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Streckers im Herbst 2014 gegründetes Start-up Teiimo arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung des Corona-Hemds. Durch Mini-Mikrofone und dehnbare Sensoren gesammelte Daten werden über Künstliche Intelligenz ausgewertet und per Fernverbindung weitergeleitet. Der 52 Jahre alte Elektrotechniker Strecker hofft, dass er in wenigen Monaten einen Beitrag zum Kampf gegen die Pandemie leisten kann. Das ist nicht mal eben so getan. Die kaum zu spürenden Sensoren und deren Integration in das Textil ist die eine Herausforderung, Software und Datenanalyse die andere. „Wir arbeiten mit Forschungsinstituten und Krankenhäusern sowie Pflegediensten zusammen“, sagt er zum aktuellen Stand.

          Strecker braucht rund 90.000 Euro

          Für „iinBo“ (Invisible Bodyguard) muss aber auch eine Finanzierung her. Erhoffte Fördergelder der EU gibt es jedenfalls nicht. Ein Crowdfunding soll helfen, das er nun vorbereitet. Strecker benötigt, grob geschätzt, rund 90.000 Euro, um den Marktstart zu ermöglichen. Geld soll von risikobereiten privaten Kleininvestoren eingesammelt werden. „Die Unterstützer sind dann auch die Ersten, die das Produkt erhalten werden“, verspricht Strecker. Es gebe eine gute Resonanz von vielen, denen das System helfen könne.

          Dabei sind Streckers Errungenschaften eigentlich längst ausgereift, haben sich in vielen Anwendungen schon bewährt. Teiimo steht für „Technologies in Motion“, die bislang vor allem im Sport zum Einsatz gekommen ist. Das zweite „i“ im Namen? „Das ist das Markenzeichen, damit erkennt man es besser“, lacht er. Einsätze in Sport und Medizin ähneln sich jedoch, wie das mit hauchdünnen, dehnbaren Kabeln, mit Folien-Elektroden und mit Sendern versehene Leibchen zeigt, mit dem ein Hochleistungs-Elektrokardiogramm (EKG) Herzaktivitäten misst, ohne dass der Träger es spürt. Ein Elektronikmodul im Nackenbereich des Shirts erfasst die Daten und sendet sie.

          Patienten können überwacht werden

          Da sahen die Gimmicks der Snowboard-Jacke noch klobig aus. Mit Streckers heutiger Errungenschaft ist eine Patientenüberwachung oder -verfolgung (Tracking) möglich, die in Zusammenarbeit mit den Universitäten Harvard und Heidelberg entwickelt wurde; gedacht etwa für ältere, hilfsbedürftige Menschen. Es gibt ein Testprojekt zur Überwachung von Demenz-Kranken, die sich sicherer draußen aufhalten können. Schlaganfälle sind zuverlässig und schnell festzustellen. Mit „Active Assisted Living“ umschreibt Strecker die Betreuung von Senioren oder chronisch Kranken, die so eine Chance bekommen, deutlich länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Und Astronauten könnten auf Mond- oder Marsmissionen rund um die Uhr Gesundheitschecks unterzogen und per Ferndiagnose betreut werden, weshalb er auch am Start-up-Inkubator der europäischen Raumfahrtagentur ESA teilnahm.

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