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Intelligente Kleidung : Wenn das T-Shirt vor Corona warnt

Die Technologie sei keine Raketenwissenschaft, sagt Strecker. Und: „Es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten. Da müssen wir fokussieren und dürfen uns nicht verheddern.“ Priorität hat die medizinische Anwendung, weniger der Sport. Gerade erst hat er auf der virtuellen Messe Electronica ein System vorgestellt, das den Sturz eines Menschen – und damit einen Notfall – erkennt und schnell eine Notfall-Meldung absetzt.

Mehr als drei oder vier Projekte im Jahr setzt er im Auftrag von Unternehmen um. Mehr ist mit dem kleinen Team von nicht einmal zehn Mitarbeitern kaum zu schaffen. „Die Hauptaufgabe ist die Integration der Systeme, die Vernetzung einer Fülle unterschiedlicher Sensoren und der Datenanalyse.“ Dafür sind Textildesigner und Techniker genauso nötig wie Software-Experten, die Programme und Apps entwerfen. Die Auftraggeber finanzieren die Projekte vor, dabei sichert sich Teiimo das intellektuelle Eigentum der Technik. Strecker will Herr der Lage bleiben.

Heizhandschuhe und integrierte Kopfhörer

Er ist einfach nicht zu bremsen. Es „kribbelt“, wenn er an Digitalisierung denkt. Das Kind im Manne ist dann nicht zu unterdrücken. Von seiner Lederjacke für Cabrio-, Oldtimer- oder Motorradfahrer hat es nur zehn Exemplare gegeben. Doch mit einem intelligenten Stromverteilersystem, Ladefunktion mit Anschluss im Auto, Bluetooth-Freisprechanlage und -Lautsprechern im Kragen sowie Zwei-Zonen-Heizelementen hat er sich in der textilen Elektronik ausgetobt und damit die Optionen für Teiimo erarbeitet. Heizen, Leuchten, Sicherheitselemente oder Solarpanele hat er als Komponenten für Textilien entworfen, für Bogner etwa Heizhandschuhe entwickelt, für Rosner auf Basis der O’Neill-Entwicklung eine Straßenjacke mit integrierten Kopfhörern ausgetüftelt. Allein bis 2007 kamen so 30 Patente auf seine Erfindungen zusammen.

Angefangen hat es mit der Entwicklung eines Halbleiter-Mikrofons. Strecker, der Elektrotechnik an den Universitäten Darmstadt und Lyon studierte, arbeitete beim Autozulieferer Autoliv und bei Motorola, bevor er 2001 zum Halbleiterkonzern Infineon wechselte. Dort entwickelte er Chips für die textile Elektronik und tüftelte an der Bluetooth-Technik, die dann in die O’Neill-MP3-Jacke eingebaut und 3000 Mal verkauft wurde. Das gehörte nicht mehr zum Kerngeschäft der damals kriselnden Infineon. Mitte 2005 beteiligte sich Strecker als Technologievorstand an dem Management-Buy-Out „Interactive Wear“. Er ging 2009 zu Adidas, wo er Trikots für Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und für Profivereine entwickelte, die Leistungsdaten ermittelten.

Vier Jahre später begann er, seine Idee von Teiimo umzusetzen. „Wir sind ein atypisches Start-up.“ Keine Investoren, keine Finanzierungsrunden, vielmehr ein Friends-and-Family-Programm, mit dem Gelder eingesammelt worden sind, auch mal eine stille Beteiligung aus Amerika oder schon früher ein Crowdfunding.

Dank der Kundengelder konnte er so seine Ideen realisieren. Dabei bleibt er meist im Hintergrund. So im Projekt mit der Deutschen Telekom: Feuerwehrkräfte tragen ein vernetztes T-Shirt, mit dem sie in einem brennenden, verrauchten Gebäude während der Löscharbeiten verfolgt werden. Die von Sensoren ermittelten Daten werden über Mobilfunk weitergeleitet. Die Telekom-Sparte T-Systems hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, das für Einsatzkräfte, Bergretter, im Arbeitsschutz, für Wanderer oder Hobbysportler geeignet ist. Von Teiimo ist da keine Rede.

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