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Produktion von Halbleitern : Intel plant Mega-Investition in Amerika

Entwurf der ersten beiden Ohio-Fabs Bild: Intel-Illustration

Der einstige Branchenprimus baut für 20 Milliarden Dollar zwei neue Chipfabriken in Ohio und will damit an alte Größe anknüpfen. Was aber macht er in Europa?

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          Intel hat seine dritte Mega-Investition binnen eines Jahres angekündigt. Wie der amerikanische Chiphersteller am Freitag mitteilte, will er eine mindestens 20 Milliarden Dollar teure Chipfabrik in den USA bauen. Als Standort dafür hat er Ohio im Mittleren Westen des Landes ausgewählt. Intel hatte vor knapp einem Jahr schon eine Erweiterung seiner Fertigung im Bundesstaat Arizona für 20 Milliarden Dollar bekanntgegeben. In der Zwischenzeit hat der Konzern auch Pläne für neue Chipfabriken in Europa verkündet, die 80 Milliarden Euro kosten könnten.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.
          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit seinen Investitionen will der einst größte Halbleiterhersteller der Welt seine Produktionsbasis erweitern, den Abstand zur technologisch davon eilenden asiatischen Konkurrenz verkürzen und einen großen Schritt auf dem Weg zur Rückeroberung der Branchenkrone machen. 2021 hatte Intel den koreanischen Speicherchiphersteller Samsung als neuen Primus der 500 Milliarden Dollar schweren Halbleiterindustrie an sich vorbeiziehen lassen müssen. Darüber hinaus hat der Konzern dem taiwanischen Auftragsfertiger TSMC im Geschäft mit Chips der neusten Technologie-Generationen relativ wenig entgegenzusetzen.

          Wo heute noch Äcker und Bäume sind, sollen im Licking County von Ohio/USA morgen die ersten beiden Mega-Fabs von Intel stehen.
          Wo heute noch Äcker und Bäume sind, sollen im Licking County von Ohio/USA morgen die ersten beiden Mega-Fabs von Intel stehen. : Bild: Intel-Illustration

          Intel kämpfte jüngst mit sinkenden Marktanteilen und Verzögerungen in der Entwicklung neuer Produkte, langjährige Kunden wendeten sich ab. Vor einem Jahr holte Intel daher Pat Gelsinger an die Spitze. Der kündigte seither eine Produktionsoffensive nach der anderen an. Zu seiner Strategie gehört es, dass Intel neben seinen eigenen Chips auch Auftragsfertigungen für andere Unternehmen übernimmt. Ohio soll für Intel der erste völlig neue amerikanische Produktionsstandort seit 40 Jahren werden. Der Konzern lässt sich in einer Region nieder, die einst stark von der verarbeitenden Industrie wie Autoherstellern geprägt war, hier aber in den vergangenen Jahrzehnten viele Arbeitsplätze verloren hat.

          Die Produktion soll Ende 2025 beginnen

          Ohios Gouverneur Mike DeWine nannte Intels Investition „transformierend“ für den Bundesstaat. Intel will nahe der Stadt Columbus auf einer Fläche, die mehr als 500 Fußballfeldern entspricht, zunächst zwei Werke errichten, in denen 3000 Menschen beschäftigt sein sollen. Noch in diesem Jahr soll der Grundstein gelegt werden, die Produktion soll Ende 2025 beginnen. In den sogenannten Fabs will Intel Chips mit Strukturgrößen von weniger als 10 Nanometer fertigen. Die werden derzeit vor allem für die Bearbeitung riesiger Datenmengen in Systemen der Künstlichen Intelligenz benötigt.

          Intel stellt schon eine Expansion in Aussicht, innerhalb der nächsten zehn Jahre könnten hier 100 Milliarden Dollar investiert werden. Den Umfang des Projekts machte Intel aber ausdrücklich von der Verabschiedung eines Gesetzes abhängig, das staatliche Subventionen von 52 Milliarden Dollar für die Chipindustrie vorsieht. Dieser „CHIPS Act“ wurde 2021 vom Senat gebilligt, hängt aber noch im Abgeordnetenhaus fest. Wie die „New York Times“ schrieb, wollte Intel-Chef Gelsinger am Freitag den US-Präsidenten Joe Biden im Weißen Haus treffen.

          Pat Gelsinger, der CEO von Intel
          Pat Gelsinger, der CEO von Intel : Bild: via REUTERS

          Auch in Europa hofft Intel auf massive staatliche Zuschüsse. Hier hat der Konzern schon eine Fabrik in Irland. Wo die kommende Großinvestition erfolgt, ist noch nicht publik. Intel lotet in Deutschland, Frankreich und Italien mögliche Standorte aus und verhandelt mit Brüssel. Mit all den Investitionen soll vor allem die hohe Chipnachfrage der Industrie bedient werden. Europa und Amerika wollen Branche wie den Autobau, Telekom oder Pharma unabhängiger von der Chip-Produktion in Asien machen.

          Dort haben Länder wie Korea und Taiwan seit Ende der achtziger Jahre mit riesigen Staatshilfen den Aufbau von Unternehmen wie Samsung oder TSMC gefördert, die heute in großen Teilen der Halbleiterbranche den Ton angeben. TSMC wird allein in diesem Jahr zwischen umgerechnet 40 und 44 Milliarden Dollar investieren. Samsung nimmt 2022 knapp 38 Milliarden Dollar in die Hand. Beide Konzerne bauen auch in den USA Chipanlagen auf.

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