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Ansiedlung von Intel : Magdeburg steht vor einer Mega-Investition

Das Intel-Museum im kalifornischen Santa Clara Bild: AFP

Intel will seine neuen Fabriken in Sachsen-Anhalt bauen – mit 20.000 Arbeitsplätzen. Die Ansiedlung wäre die größte Einzelinvestition in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik.

          5 Min.

          Der amerikanische Chiphersteller Intel will offenbar seinen milliardenschweren europäischen Fabrikkomplex vor den Toren von Magdeburg errichten. Der Konzern wollte entsprechende „Gerüchte“ am Donnerstag zwar „nicht kommentieren“, doch die Planungen wurden der F.A.Z. aus mehreren ranghohen Quellen bestätigt. Demnach gehe es um den Bau einer sogenannten Megafab, die aus mehreren Halbleiterwerken besteht. Diese haben ein Investitionsvolumen von je rund 10 Milliarden Euro und sollen alles in allem mehr als 20.000 Arbeitsplätze schaffen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Ansiedlung wäre die größte Einzelinvestition in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik. Wichtig für die Standortentscheidung seien vor allem die hiesige Hochschul- und Forschungslandschaft, der Zugriff auf Tausende qualifizierte und rasch zu schulende Arbeitskräfte sowie die gute Verkehrsanbindung gewesen. Die Fabriken sollen gleich an der Autobahn A14 stehen, wo Amazon erst vor kurzem eines seiner Zentrallager errichtet hatte. Gen Süden geht es nach Leipzig, dem dortigen Flughafen und weiter ins zwei Stunden entfernte Dresdner Silicon Saxony mit den Chipfabriken von Infineon, Bosch und Globalfoundries, Europas bisher größter Halbleiterstandort. Nach Norden trifft man bald auf die große West-Ost-Achse Autobahn 2, die nach Berlin geht.

          Überzeugende Bewerbung

          Ein weiteres wichtiges Kriterium war die Verfügbarkeit großer, relativ ebener Flächen, die in der Börde reichlich vorhanden sind. Allerdings gibt es schon Hinweise, dass es ähnlich wie beim Tesla-Werk in Grünheide zu Widerstand von Umweltschützern kommen könnte, denn für das geplante Werk dürften Flächen in der Größe von rund 500 Fußballfeldern versiegelt werden. Als weiterer Standortvorteil von Magdeburg werden von Vertrauten die dortigen Hochschulen, vor allem die Universität mit ihrer starken technischen Ausrichtung genannt. Der Wirtschaftsforscher und frühere sachsen-anhaltische Finanzminister Karl-Heinz Paqué geht davon aus, dass eine Ansiedlung von Intel die technische Forschungskraft der Universität stärken wird.

          Bei der Ansiedlung von Intel vor den Toren von Magdeburg stand Sachsen-Anhalt in Konkurrenz mit einer Handvoll Standorte in ganz Europa. Die Landesregierung mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) an der Spitze hatte sich dem Vernehmen nach mehrfach mit Intel-Chef Pat Gelsinger getroffen und arbeitet seit Monaten unter strikter Vertraulichkeit daran, den Zuschlag im internationalen Standortwettbewerb zu erhalten. Als wichtige Personen im Werben um Intel gelten darüber hinaus der scheidende Magdeburg Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) und der „Chefansiedler“ des Landes, Jürgen Ude, parteiloser Staatssekretär im Landeswirtschaftsministerium.

          Pat Gelsinger auf dem jüngsten Intel-Investoren-Treffen
          Pat Gelsinger auf dem jüngsten Intel-Investoren-Treffen : Bild: via REUTERS

          Die milliardenschwere Ansiedlung der sogenannten Mega-Fab soll durch erhebliche staatliche Beihilfen unterstützt werden. Details dazu kursieren noch nicht. Allerdings sollen sowohl die EU wie auch der Bund, das Land und die Stadt Magdeburg dazu beitragen. Mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen erklärten, Magdeburg habe vergangenen Herbst über die bundeseigene Standortmarketinggesellschaft Germany Trade and Invest eine überzeugende Bewerbung bei Intel eingereicht. Das zahlt sich nun offenbar aus. Die Bekanntgabe der Entscheidung durch den amerikanischen Konzern sei zwar für die kommenden Tage geplant, könnte sich jedoch aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Osten Europas verschieben.

          Europäischer Intel-Verbund

          Hinter den Kulissen der Branche hieß es, der für die Ansiedlung potentielle französische Standort bei Grenoble sei aufgrund geologischer Bedenken ebenso aus dem Rennen, wie der mögliche bayerische Standort Penzing, wo es im Gemeinderat Vorbehalte gegenüber einem so großen Projekt gebe. Gleichwohl plane Intel über Magdeburg hinaus auch in Frankreich und Italien zu investieren, und zwar in die kapital- und arbeitsintensiven vor- und nachbereitenden Schritte der eigentlichen Chipfertigung.

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