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„Integrierter Autokonzern“ : Porsche und VW streben Fusion an

Jetzt soll eins ins andere passen: VW und Porsche Bild: ddp

Volkswagen und Porsche sollen in einem integrierten Autokonzern zusammengeführt werden. Darauf haben sich die Familiengesellschafter der Porsche-Holding geeinigt. Die zehn Marken - also auch der Sportwagenbauer Porsche - sollen eigenständig bleiben.

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          Europas größter Automobilhersteller, die Volkswagen AG aus Wolfsburg, und der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche sollen zu einem integrierten Konzern zusammengeführt werden. Darauf haben sich die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch bei einem Treffen in Salzburg verständigt. „Unter einer einheitlichen Führungsgesellschaft sollen in der Endstruktur zehn Marken nebeneinander stehen, wobei die Eigenständigkeit aller Marken und damit auch von Porsche gewahrt bleibt“, teilte Porsche mit.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt ist und dadurch dank des VW-Gesetzes ein Vetorecht besitzt, zeigte sich offen für eine Zusammenführung der beiden Unternehmen: „Wir sind zu Gesprächen bereit, die zügig mit allen Beteiligten von Porsche, VW, den Arbeitnehmervertretern und dem Land Niedersachsen geführt werden sollten. Es bietet sich damit die Chance, die Erfolgsgeschichten von Volkswagen und Porsche gemeinsam in der Zukunft fortzuschreiben“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) der F.A.Z.

          „Die Porsche AG wird nicht an VW verkauft“

          Der genaue Weg zum Zusammenschluss ist noch offen. Allerdings scheint die von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch favorisierte Variante vom Tisch zu sein: „Die Porsche AG wird nicht an VW verkauft“, sagte ein Porsche-Sprecher. Es werde Kapitalmaßnahmen geben, welcher Art sei noch nicht klar. Arbeitsgruppen, in denen sowohl Vertreter von VW wie auch von Porsche sitzen sollen, werden demnach in den nächsten vier Wochen die Art und Weise der künftigen Zusammenarbeit eruieren.

          Bild: DPA

          Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking bleibe im Amt. „Ja, natürlich“, sagte der Porsche-Sprecher auf eine entsprechende Frage: „Darüber gab es keine Diskussion.“ Das gleiche gelte für Holger Härter, den Finanzvorstand von Porsche. Härter war in den letzten Wochen angelastet worden, dass er mit seinen gewagten Finanztransaktionen Porsche in die Schuldenfalle manövriert habe.

          Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die Porsche Holding SE ihren Anteil an der Volkswagen AG von derzeit knapp 51 auf 75 Prozent aufstocken würde. Anschließend plante Porsche, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit VW zu schließen. Aus dem Volkswagen-Gewinn wären so die Schulden bei Porsche bezahlt worden.

          Porsche von Schulden gedrückt

          Vereitelt wurde der Plan zum einen, weil die EU-Kommission anders als erwartet das VW-Gesetz in Teilen weiterhin duldet. Dadurch bleibt dem Land Niedersachsen sein Vetorecht erhalten. Zum anderen drückt Porsche aber auch die Schuldenlast deutlich stärker als erwartet. Einen Kredit über 10 Milliarden Euro hat Porsche zwar von einem Bankenkonsortium im Frühjahr nach zähen Verhandlungen erhalten, allerdings nur zu deutlich schlechteren Zinsen als bisher. Jetzt reicht der Gewinn aus dem operativen Porsche-Geschäft gerade noch, um die Zinsen für den Kredit zu zahlen. An Tilgung der Milliarden-Schuld ist nicht zu denken. Das gilt umso mehr, weil auch das Geschäft mit Sportwagen durch die Krise massiv gelitten hat. Die Porsche-Eigentümer hatten das Vorstandsduo Wendelin Wiedeking und Holger Härter aufgefordert, Auswege aus dieser verfahrenen Situation zu suchen. Diese wurden nun am Mittwoch in Salzburg präsentiert.

          Ferdinand Piëch hat sich im Vorfeld der Sitzung mit einem Gegenkonzept aus der Deckung gewagt, das seinem Geschmack entspräche. Das operative Geschäft von Porsche, also der Bau von Sportwagen und die Entwicklung, sollten demnach an die Volkswagen AG verkauft werden. Mit dem Preis, den VW dafür an die Porsche Holding SE zahlen würde, könnte die Holding ihre Schulden in etwa decken, so seine Argumentation. Bei den übrigen Familieneignern stieß Piëch damit aber auf wenig Gegenliebe: Porsche werde nicht an VW verkauft, hatte Piechs Cousin Wolfgang Porsche, der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche Holding SE, bereits am Wochenende klipp und klar gesagt.

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