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Corona-Krise : Ein Tag der Auslese für die Luftfahrt

Bild der Krise: In Hongkong parken Flugzeuge wegen des Coronavirus. Bild: dpa

Nach 86 Jahren steht South African Airlines vor dem Aus, Australiens zweitgrößte Fluggesellschaft geht schon in die Insolvenz, Teile von Norwegian ebenso. Für Condor gibt es aber Grund zur Hoffnung.

          3 Min.

          Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass eine Wolke die Geschäftsaussichten der Luftfahrt in Europa verdüsterte. Kaum sichtbarer Aschestaub eines Vulkans auf Island zwang Fluggesellschaften an den Boden. Es war die größte Verkehrsunterbrechung seit Jahrzehnten – doch die Auswirkungen der Corona-Krise sind für die Flugbranche gewaltiger. Am Montag führten sie zu einem Tag der Auslese in der Luftfahrt:

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.
          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die zweitgrößte australische Airline, Virgin Australia, begab sich in freiwillige Insolvenzverwaltung, der angeschlagene Billigflieger Norwegian verkündete die Insolvenz seiner Personalgesellschaften für dänische und schwedische Flugbegleiter und Piloten. Und in Südafrika tagte das Kabinett – auf der Tagesordnung das mögliche Aus der staatlichen Gesellschaft South African Airways  nach 86 Jahren.

          Zehntausende Beschäftigte bangen

          Den Schaden durch die vom Eyjafjallajökull-Vulkan ausgestoßene Asche taxierte der Weltluftfahrtverband Iata damals auf 1,7 Milliarden Dollar, die Schätzungen zu den Corona-Einbußen 2020 belaufen sich schon auf 314 Milliarden Dollar. Die Entwicklung trifft zunächst Fluggesellschaften, die schon vor der Ausbreitung des Virus angeschlagen waren. Als erstes Corona-Opfer der Luftfahrt gilt die britische Gesellschaft Flybe, die Anfang März strauchelte. Damals gab es in den meisten EU-Ländern noch keine weitreichenden Reisebeschränkungen, das Ausblieben von Geschäftsleuten genügte für den Niedergang. Flybe stand schon zu Jahresbeginn auf der Kippe, die britische Regierung stundete Steuern in dreistelliger Millionenhöhe. Weitere Hilfen gab es nicht.

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          Die Krise wird zum Treiber der seit vielen Jahren diskutierten Konsolidierung. In Australien bietet sich dem Marktführer Qantas die Aussicht auf ein weitgehendes Monopol. Mit dem Schritt in die Insolvenzverwaltung bangen bei Virgin Australia mehr als 10.000 Angestellte um ihre Stellen. Die Regierung des Bundesstaates Queensland hatte noch 200 Millionen Australische Dollar zugesagt, wenn die Bundesregierung 1,4 Milliarden Australische Dollar (820 Millionen Euro) nachschieße.

          Am Montag soll die Regierung aber mitgeteilt haben, dass keine weitere Unterstützung zu erwarten sei. Schon Ende Februar hatte Virgin ein Halbjahres-Minus in Höhe von 88,6 Millionen Australischen Dollar ausgewiesen. 1,1 Milliarden in bar stand damals ein Schuldenberg von 5,3 Milliarden Dollar gegenüber. Ein Konkursverwalter, wahrscheinlich von Deloitte, dürfte nun darum bemüht sein, ausländische Käufer zu finden – Aussichten ungewiss.

          In Südafrika ringt die Regierung noch um die Luzftfahrtzukunft. Mit einem Ende von South African (SAA) würde das Land der traditionsreichen „Home-Carrier“ verlieren. In der vergangenen Woche hatte die Regierung eine Staatshilfe über 10 Milliarden Rand (490 Millionen Euro) abgelehnt. Wie nah das Ende bevorsteht, zeigt sich an einem Vorschlag externer Verwalter, alle 4700 Beschäftigte bis Ende April gegen Abfindungen zu entlassen. Der Plan ist jedoch noch nicht beschlossen. Es gebe Diskussionen mit Gewerkschaften über Alternativen zum bisherigen Geschäftsmodell. Zwei Gewerkschaften lehnten den Vorschlag ab, da diese keinen Umstrukturierungsplan vorgelegt hätten. SAA beschäftigt 10000 Mitarbeiter.

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