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Insolvenzen in der Gastronomie : Jedes fünfte Restaurant könnte pleite gehen

Gestapelte Tische und Stühle in der Freiburger Innenstadt Bild: dpa

Eine neue Studie zeigt: Die Lage vieler Restaurants vor dem zweiten Lockdown ist ernst. Doch die Situation könnte weniger dramatisch sein als viele in der Branche befürchten.

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          Trotz anstehendem Lockdown und rekordverdächtigen Umsatzverlusten in diesem Jahr dringen auch optimistische Stimmen aus der Gastronomie und und Daten zeigen, dass es nicht ganz so schlimm um viele Betriebe bestellt sein könnte, wie zunächst vermutet.

          Sarah Obertreis

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Der neue Lockdown ist natürlich eine Katastrophe für viele“, sagt Erich Nagl, Vorstandsmitglied der Steuerberatungsgesellschaft ETL Adhoga, die mit Hoteliers und Gastronomen zusammen arbeitet. Aber er nennt das Angebot der Politik, die ausfallenden Umsätze der Gastronomen im Lockdown im November zu 70 bzw. 75 Prozent zu entschädigen „sehr fair“. „Bei den meisten Betrieben wäre der Umsatz wahrscheinlich ohnehin niedriger gewesen, hätten sie weiter geöffnet.

          In vielen Gaststätten, erzählt Nagl, seien die Geschäfte besser gelaufen als erwartet. „Das Bedürfnis, Restaurants und Cafés zu besuchen war groß in der Bevölkerung“, sagt er. Bei Patrick Rüther zum Beispiel, der zusammen mit Tim Mälzer die Bullerei in Hamburg betreibt, hat sich die Angst vor leeren Tischen in der kalten Jahreszeit nicht bestätigt. Nagl sagt: „Mit dem Kurzarbeitergeld und den Überbrückungshilfen glaube ich nicht, dass der November für viele Insolvenzen sorgen wird.“

          „Viel“ ist natürlich relativ und auf lange Sicht könnten noch mal einige Betriebe aufgeben, aber eine Studie der Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel legt nahe, dass es doch weniger sein könnten als befürchtet: 14,5 Prozent der Restaurants, Cafés und Bars in Deutschland drohten Stand jetzt eine Insolvenz, hat Crif Bürgel ermittelt. Für ihre Studie hat die Auskunftei unter anderem Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Mitarbeiter- und Umsatzzahlen von 57.300 Unternehmen in der Gastronomie ausgewertet.

          Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil der insolvenzgefährdeten Betriebe seit Beginn der Verbreitung des Coronavirus im Februar 2020 um 33,9 Prozent gestiegen ist. „Im 1. Quartal 2021 könnte jedes fünfte Unternehmen aus der Gastronomie insolvenzgefährdet sein“, sagt Crif-Bürgel-Geschäftsführer Frank Schlein. Besonders bedroht sind kleine Cafés und Restaurants mit bis zu zehn Mitarbeitern.

          Die Daten von Crif Bürgel unterscheiden sich deutlich von den Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Dieser weist die Zahlen der in ihrer Existenz gefährdeten Restaurants, Cafés und Bars nur zusammen mit denen der Hotels aus. „Aktuell droht durch die erneute wochenlange Zwangsschließung mindestens einem Drittel der 245.000 Betriebe mehr als akut das Aus“, teilt der Verband mit. Es gehe um das Überleben der Branche. Nagl dagegen sagt, wenn die Umsatzentschädigungen so wie angekündigt zustande kämen, wäre die Vielfalt in der Gastronomie von ihren riesigen Restaurantketten über unabhängige Cafés und winzige Bars nicht bedroht.

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