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Insolvenzen 2007 : Die Pleiten des Jahres

Eine von 27.500 Insolvenzen des vergangenen Jahres Bild: ddp

Ibach starb still, Flötotto lange und BenQ mit Getöse: 27.500 Unternehmen haben in diesem Jahr Insolvenz angemeldet, rund 3000 weniger als im Vorjahr. Im kommenden Jahr werden jedoch wieder mehr Unternehmenspleiten erwartet.

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          Zuletzt waren es nur noch fünf Mitarbeiter, die von der zum Jahresende bevorstehenden Produktionseinstellung betroffen waren. Aber diese fünf repräsentieren eine alte Marke: die Pianofabrik Ibach. Die Produktion in Schwelm bei Wuppertal wurde schon im Sommer dieses Jahres eingestellt. Seither wird aufgeräumt, und es gibt viel aufzuräumen. Schließlich wurden hier mehr als 150.000 Flügel und Klaviere in den vergangenen gut 200 Jahren (seit 1794) hergestellt. Aber was viele Jahrzehnte funktioniert hat, geht heute nicht mehr. Das als Komponisteninstrument bekannt gewordene Klavier Ibach konnte mit den asiatischen Pianos preislich nicht mehr mithalten. Aber Ibach starb mit Würde. Bevor man hätte schließen, also Insolvenz beantragen müssen, hat Sabine Ibach lieber aus eigenen und freien Stücken den Schlüssel rumgedreht. So geht in diesen Tagen eine mehr als zweihundertjährige Tradition still zu Ende.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          In jüngeren Unternehmen ist das Getöse größer. Mit Pauken und Trompeten ging BenQ Mobile, die ehemalige Mobilfunksparte von Siemens, den Bach runter. Durch die vor einem Jahr angemeldete und im Januar dieses Jahres eröffnete Insolvenz verloren rund 3000 Mitarbeiter an den Standorten München, Bocholt und Kamp-Lintfort ihre Arbeitsstelle. Von den rund 1700 Menschen, die in Kamp-Lintfort von der Transfergesellschaft Peag übernommen worden sind, suchen heute noch mehr als die Hälfte nach einer neuen Tätigkeit. In München konnte die Transfergesellschaft Train mehr als zwei Drittel der 770 überwiegend Facharbeiter und Ingenieure vermitteln. Wer noch auf der Suche ist, erhält bis Dezember von der Bundesagentur für Arbeit und von Siemens zwischen 80 und 84 Prozent des vormaligen Nettolohns. Im Januar müssen die ehemaligen Mitarbeiter Arbeitslosengeld I beantragen. Damit die Gläubiger nicht leer ausgehen, kämpft der Insolvenzverwalter Martin Prager um das Vermögen, das die taiwanischen Inhaber gern abgezogen hätten.

          Die Schieder-Gruppe wird zerschlagen, die Gläubiger werden wohl leer ausgehen

          Durch Insolvenzen verlieren viele Gläubiger ihr Geld. 27.500 (Vorjahr 30.680) Unternehmen haben in diesem Jahr Insolvenz beantragt. In diesen Unternehmen waren 440.000 Menschen beschäftigt. Mit den Insolvenzen ist ein Forderungsausfall bei den Gläubigern von 29,2 (31,1) Milliarden Euro verbunden. Das ist zwar, absolut gesehen, immer noch viel, aber verglichen mit den Vorjahren eher wenig.

          Die Zahl derjenigen, die im Laufe eines Jahres straucheln, ist im fünften Jahr hintereinander rückläufig. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe hat sich die Zahl der Insolvenzen auf einem niedrigen Niveau (77 von 10.000 Unternehmen gehen in die Insolvenz) eingependelt. Das hat für Helmut Rödl, Mitglied des Gesamtvorstandes des Verbandes der Vereine Creditreform, Neuss, vor allem zwei Gründe. Zum einen profitiert das verarbeitende Gewerbe wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig vom Export. Der zweite ganz wichtige Grund sei aber, dass das verarbeitende Gewerbe generell über ein höheres Eigenkapital verfüge als andere Wirtschaftszweige.

          Eine Überlebensgarantie ist das nicht, wie die größte Insolvenzanmeldung des Jahres zeigt. Sie betraf den Möbelhersteller Schieder mit 11.000 Beschäftigten. Die Gruppe wird zerschlagen, die Gläubiger werden wahrscheinlich leer ausgehen. Vier Managern werden Bilanzmanipulation und Kreditbetrug vorgeworfen.

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