https://www.faz.net/-gqe-vwz6

Insolvenzen 2007 : Die Pleiten des Jahres

Nach langem Siechtum ist in diesem Jahr die einst sehr bekannte Möbelmarke Flötotto aus dem Markt geschieden Das mehr als hundert Jahre alte Familienunternehmen aus Gütersloh hat nach einem Insolvenzantrag im Juni erfolglos versucht, einen Investor zu finden. Ein Interessent aus Süddeutschland sei wieder abgesprungen. Das bedeutete für die noch verbliebenen 65 Flötotto-Mitarbeiter das Ende ihres Unternehmens. Flötotto ist, obwohl ein Kleinunternehmen, eine der bekanntesten deutschen Möbelmarken. Den Ruf des Herstellers begründen vor allem seine charakteristischen Schranksysteme mit Profilholzrahmen, die seit Jahrzehnten gefertigt werden. Der hochpreisige Anbieter hat für sein Design zahlreiche Preise erhalten.

Allerdings steckte Flötotto, das seine Möbel im Direktvertrieb in eigenen Geschäften und im Versand verkauft hat, schon seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Familie Flötotto hatte das Unternehmen Anfang 1999 mehrheitlich an den viel größeren Paderborner Massenhersteller Welle verkauft, der damit jedoch keinen Erfolg hatte und stattdessen selbst in Finanznot geriet. Im Sommer 2002 hatte Flötotto erstmals einen Insolvenzantrag gestellt. Hubertus Flötotto, der Enkel des Unternehmensgründers, kaufte den Betrieb daraufhin zurück und versuchte, ihn wieder flottzumachen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters arbeitete Flötotto aber seither immer defizitär. In Betriebsratskreisen hieß es, die Eigentümer hätten jahrelang notwendige Investitionen versäumt. Während andere deutsche Möbelhersteller stark vom Export profitierten, sei das Auslandsgeschäft von Flötotto nie in Schwung gekommen.

Die meisten Insolvenzen gibt es weiterhin in der Braubranche, in der 150 von 10.000 Unternehmen jährlich straucheln. In Bereich „Abdichtung gegen Wasser und Feuchtigkeit“ liegt die Quote sogar bei 507 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Mit der ostfriesischen Bohlen & Doyen Bau und Service GmbH (1900 Mitarbeiter) und Wiemer und Trachte aus Dortmund (1100) waren zwei größere Bauunternehmen in diesem Jahr von der Insolvenz betroffen. Während Bohlen & Doyen unter neuen Eigentümern weitergeführt wird, ist das Baugeschäft von Wiemer und Trachte eingestellt und die Firma abgewickelt worden.

Hohe Insolvenzquote bei einigen Dienstleistungen

Die ISE-Gruppe mit ihren 1800 Beschäftigten hat gute Aussichten auf Weiterführung, weil sie - neben dem Klavierhersteller Ibach - zu den seltenen Fällen gehört, in denen ein Management wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Insolvenz stellt, also bevor man überschuldet ist. Überleben wird auch der mittelhessische Schuhhersteller Rohde (500 Arbeitsplätze) - aufgrund einer Landesbürgschaft. Ebenso erging es der ATS Stahlschmidt & Maiworm GmbH. Der bekannte Hersteller von Aluminiumfelgen aus dem nordrhein-westfälischen Werdohl konnte im August seinen Insolvenzantrag zurückziehen. Das Unternehmen mit 2500 Mitarbeitern weltweit und rund 400 Millionen Euro Umsatz konnte mit Hilfe der Lieferanten und Banken seine Lage stabilisieren und den Insolvenzantrag zurückziehen. ATS gehört zu 74 Prozent dem südafrikanischen Räderhersteller Tiger Wheels und zu 26 Prozent der Gründerfamilie Stahlschmidt.

Sehr hoch liegt die Insolvenzquote bei einigen Dienstleistungen. So straucheln in jedem Jahr 653 von 10.000 Kurierdiensten. Von vielen Dienstleistungszusammenbrüchen wird öffentlich wenig Notiz genommen, weil nur Teilzeitkräfte beschäftigt sind. Aber auch in diesem Jahr sind wieder einige Sicherheits- oder Reinigungsdienste mit jeweils einigen hundert Mitarbeitern auf der Strecke geblieben. Im gesamten Bereich Dienstleistungen sieht die Bilanz jedoch recht gut aus, weil zum Beispiel Bestatter mit nur 30 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen eine sehr geringe Insolvenzquote haben.

Für das kommende Jahr erwartet Creditreform eine leichte Zunahme der Unternehmensinsolvenzen auf „im schlechtesten Fall 30.000“. Vor allem im Handel und im Bau seien derzeit die Branchenkonjunkturen sehr anfällig, sagt Rödl.

Weitere Themen

Topmeldungen

Markus Söder und Armin Laschet bei der Jahreskonferenz der Ministerpräsidenten

Söder oder Laschet? : Eigentümlich inhaltsleer

Zwei Politiker zogen in einen Wettkampf, der keine Spielregeln hat. Nicht der Streit ist darum das Problem, sondern seine Formlosigkeit auf offener Bühne.

K-Frage der Union : Der entspannte Herr Söder

In einem Auftritt vor der Presse gibt sich CSU-Chef Markus Söder auffallend konziliant und bekundet „Respekt vor allen Gremien“ der CDU. Sieht so jemand aus, der fürchten müsste, dass sich die Schwesterpartei am Abend gegen ihn ausspricht?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.